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1788

An die Rhapsodin

August Wilhelm Schlegel

Kunstlos, ohne Müh und Streben, Giebst du dem Gedichte Leben, Giebst ihm zarten Hauch und Ton. Hat das Lied, das ich ersonnen,

Deine schöne Gunst gewonnen. O gewähr' ihm diesen Lohn! Daß zu höherem Gehalte Der Gedanke sich entfalte,

Braucht's nur deinen Zauberblick. Die Gefühle schweben milder, Freundlicher begränzt die Bilder, Mir in Sinn und Geist zurück.

Wie der Silberquelle Rauschen Hör' ich's mit entzücktem Lauschen, Wenn sich deine Stimm' ergießt, Wenn ein Abbild meiner Seele,

Neugeschaffen, ohne Fehle, Auf den ebnen Wellen fließt. In Narcissus' Wahn versunken Könnt' ich ewig schauen, trunken

Auf die Quelle hingeneigt. Doch zu tiefern Huldigungen Fühlt sich schnell das Herz gedrungen, Wenn die Nymphe selbst sich zeigt.

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