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1782

Morgenphantasie

Friedrich Schiller

Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch, Purpurisch zuckt durch düstre Tannenritzen Das junge Licht und äugelt aus dem Strauch, In goldnen Flammen blitzen

Der Berge Wolkenspitzen, Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne, Die schon in lachender Wonne

Jugendlich schön in Auroras Umarmungen glüht. Sei, Licht, mir gesegnet! Dein Strahlenguß regnet Erwärmend hernieder auf Anger und Au.

Wie silberfarb flittern Die Wiesen, wie zittern Tausend Sonnen im perlenden Tau! In säuselnder Kühle

Beginnen die Spiele Der jungen Natur, Die Zephire kosen Und schmeicheln um Rosen,

Und Düfte beströmen die lachende Flur. Wie hoch aus den Städten die Rauchwolken dampfen, Laut wiehern und schnauben und knirschen und strampfen Die Rosse, die Farren,

Die Wagen erknarren Ins ächzende Tal. Die Waldungen leben Und Adler und Falken und Habichte schweben,

Und wiegen die Flügel im blendenden Strahl. Den Frieden zu finden, Wohin soll ich wenden Am elenden Stab?

Die lachende Erde Mit Jünglingsgebärde Für mich nur ein Grab! Steig empor, o Morgenrot, und röte

Mit purpurnem Kusse Hain und Feld. Säusle nieder, Abendrot, und flöte Sanft in Schlummer die erstorbne Welt. Morgen – ach! du rötest

Eine Totenflur, Ach! und du, o Abendrot, umflötest Meinen langen Schlummer nur.

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