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1759–1805

Der Triumf der Liebe, eine Hymne.

Friedrich Schiller

Seelig durch die Liebe Götter – durch die Liebe Menschen Göttern gleich! Liebe macht den Himmel

Himmlischer – die Erde Zu dem Himmelreich. Einstens hinter Pyrrhas Rüken, Stimmen Dichter ein,

Sprang die Welt aus Felsenstüken, Menschen aus dem Stein. Stein und Felsen ihre Herzen Ihre Seelen Nacht,

Von des Himmels Flammenkerzen Nie in Glut gefacht. Noch mit sanften Rosenketten Banden junge Amoretten

Ihre Seelen nie – Noch mit Liedern ihren Busen Huben nicht die weichen Musen Nie mit Saitenharmonie.

Ach! noch wanden keine Kränze Liebende sich um! Traurig flüchteten die Lenze Nach Elisium.

Ungegrüßet stieg Aurora Aus dem Schoos Ozeanus. Ungeküsset sank die Sonne In die Arme Hesperus.

Wild umirrten sie die Hayne, Unter Lunas Nebelscheine, Trugen eisern Joch. Sehnend an der Sternenbühne

Suchte die geheime Thräne Keine Götter noch. Und sieh! der blauen Flut entquillt Die Himmelstochter sanft und mild,

Getragen von Najaden Zu trunkenen Gestaden. Ein jugendlicher Mayenschwung Durchwebt wie Morgendämmerung

Auf das allmächtge Luft, Himmel, Meer, und Erde. Schon schmilzt der wütende Orkan, (einst züchtigt’ er den Ozean

Mit rasselndem Gegeissel) In lispelndes Gesäusel. Des holden Tages Auge lacht In düstrer Wälder Winternacht,

Balsamische Narzissen Blühn unter ihren Füßen. Schon flötete die Nachtigall Den ersten Sang der Liebe.

Schon murmelte der Quellen Fall In weiche Busen Liebe. Glükseeliger Pygmalion! Es schmilzt! es glüht dein Marmor schon!

Gott Amor Ueberwinder! Glükseeliger Deukalion, Wie hüpfen deine Felsen schon! Und äugeln schon gelinder!

Glükseeliger Deukalion, Umarme deine Kinder! Seelig durch die Liebe Götter – durch die Liebe

Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel Himmlischer – die Erde Zu dem Himmelreich.

Unter goldnem Nektarschaum Ein wollüstger Morgentraum Ewig Lustgelage Fliehn der Götter Tage.

Prächtig spricht Chronions Donnerhorn, Der Olympus schwankt erschroken Wallen zürnend seine Loken Sfärenwirbeln gibt sein Athem Sporn,

Göttern läßt er seine Throne, Niedert sich zum Erdensohne, Seufzt arkadisch durch den Hayn, Zahme Donner untern Füssen,

Schläft, gewiegt von Ledas Küssen, Schläft der Riesentöder ein. Majestätsche Sonnenrosse Durch des Lichtes weiten Raum

Leitet Föbus goldner Zaum, Völker stürzt sein rasselndes Geschosse Seine weissen Sonnenrosse, Seine rasselnden Geschosse

Unter Lieb und Harmonie Ha! wie gern vergaß er sie! Zitternd vor der Götterfürstin Krümmen sich die Götter, dürsten

Nach der Gnade goldnem Thau. Sonnenglanz ist ihre Schminke Myriaden jagen ihrem Winke Stolz vor ihrem Wagen prahlt der Pfau.

Schöne Fürstin! ach die Liebe Zittert mit dem süßen Triebe Deiner Majestät zu nahn. Seht ihr Chronos Tochter weinen?

Geister kann ihr Wink verneinen, Herzen weißt sie nicht zu fahn. Seelig durch die Liebe Götter – durch die Liebe

Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel Himmlischer – die Erde Zu dem Himmelreich.

Liebe sonnt das Reich der Nacht, Amors süßer Zaubermacht Ist der Orkus unterthänig, Freundlich schmollt der schwarze König

Wenn ihm Zeres Tochter lacht; Liebe sonnt das Reich der Nacht. Himmlisch in die Hölle klangen Und den wilden Beller zwangen

Deine Lieder, Thrazier – Minos, Thränen im Gesichte, Mildete die Qualgerichte, Zärtlich um Megärens Wangen

Küßten sich die wilden Schlangen, Keine Geissel klatschte mehr, Aufgejagt von Orfeus Leyer Flog von Tityon der Geyer

Leiser hin am Ufer rauschten Lethe und Kozytus, lauschten Deinen Liedern Thrazier, Liebe sangst du Thrazier.

Seelig durch die Liebe Götter – durch die Liebe Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel

Himmlischer – die Erde Zu dem Himmelreich. Durch die ewige Natur. Düftet ihre Blumenspur,

Weht ihr goldner Flügel. Winkte mir vom Mondenlicht Afroditens Auge nicht Nicht vom Sonnenhügel?

Lächelte vom Sternenmeer Nicht die Göttin zu mir her, Wehte nicht ihr Flügel In des Frühlings Balsamhauch

Liebe nicht im Rosenstrauch, Nicht im Kuß der Weste, Stern, und Sonn und Mondenlicht, Frühling, Rosen, Weste nicht

Lüden mich zum Feste. Liebe Liebe lächelt nur Aus dem Auge der Natur Wie aus ihrem Spiegel!

Liebe rauscht der Silberbach, Liebe lehrt ihn sanfter wallen; Seele haucht sie in das Ach Klagenreicher Nachtigallen,

Unnachahmliches Gefühl In der Saiten Wonnespiel Wenn sie Liebe Liebe lispelt nur

Auf der Laute der Natur. Weisheit mit dem Sonnenblik, Große Göttin tritt zurük, Weiche vor der Liebe.

Nie Erobrern, Fürsten nie Beugtest du ein Sklavenknie Beug es izt der Liebe. Wer die steile Sternenbahn

Gieng dir Heldenkühn voran Zu der Gottheit Size? Wer zerriß das Heiligthum Zeigte dir Elisium

Durch des Grabes Rize? Lokte sie uns nicht hinein, Möchten wir Suchten auch die Geister

Ohne sie den Meister? Liebe Liebe leitet nur Zu dem Vater der Natur Liebe nur die Geister.

Seelig durch die Liebe Götter – durch die Liebe Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel

Himmlischer – die Erde Zu dem Himmelreich.

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