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1704–1777

Z wölfftes B uch.

Franz Christoph von Scheyb

Wann in der Frühlings-Zeit die Sonne die Gestallt Der neu-begrünten Au mit ihrem Morgen mahlt, So pflegt die Munterkeit der Vögel sich zu regen, Und dem erweckten Sinn Vergnügen einzuprägen.

Ein jeder lockt und pfeift, schlägt, zwitschert, schnäbelt, singt, Indem er sich erfreut vom Baum auf Bäume schwingt; Wie lebhaft rührt er sich, wann er das Laub durchschlupfet, Den Kopf, den Halß, den Leib, dreht, dähnet, hebt und hupfet?

Ein hell vermischter Schall dringt aus der hohlen Brust, Erwecket bey der Schaar Frolocken, Trost und Lust. Wie gurgelt sich so schnell die Flöten-volle Kehle? Es scheint, als wann sein Herz die Fröhlichkeit erzähle.

Kommt diese Regung uns ergözlich, lieblich vor; Wie viel annehmlicher ist dieser Tugend-Chor? Wo Stimme, Stirn und Aug auf einmahl mehr erklären, Als wann die Blicke nichts als solche Sänger wären;

Dann keine war, die nicht bald hier, bald da, bald dort Geschäfftig, munter, froh, mehr oder nur ein Wort Laut oder heimlich sprach, auch etwan eine küßte, Und ihres Herzens Lust durch den Beweis versüßte.

Sie stunden Reihen-weiß; zerstreuet; Paar und Paar; Nach dem es jedem Sinn lieb und gefällig war: Bis endlich einige sich nach der Ordnung sezten, Jedoch stets voller Lust von tausend Sachen schwäzten.

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