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1704–1777

O D E.

Franz Christoph von Scheyb

Wacht auf! ermuntert euch! verlaßt die düstern Höhlen Jhr Fürsten, derer Ruhm zu keiner Zeit vergeht! Steigt aus dem Schutt empor! wir wollen euch Wie weit

Wie weit Den Rang, der euch gebührt, bereits hat überstiegen. Jhr, die ihr manches Land bezwungen und beschirmet; Dem Waffen- Strohm des Feinds mit Starckmuth vorgeschantzt:

Jhr, derer Schwert und Muth auf keinen Wall gestürmet, Wo nicht die tapfre Faust den Sieges-Fahn gepflantzt: Seht den Zusammenhang der Staats- und Kriegs-Geschäfte! Sagt! übertrifft er nicht die Wirckung eurer Kräffte?

Wer ist von euch, der jung; doch Alten gleich gekämpffet; Der aller Hilff entblößt den Sieger selbst erschreckt? Wer ist der ohne Macht, die gröste Macht gedämpfet, Und fast am Untergang die Lorber aufgesteckt?

Werfft den erstaunten Blick auf diese Zier der Frauen! Sie läßt dies Wunder euch in ihren Thaten schauen. Der Helden Preiß und Fürst; der Fürsten Haupt erbleichet; Der Grund des Throns erbebt; des Stammens Pracht verdirbt;

Des Staates Saüle fällt; der Länder Schutz entweichet; Ja! Kayser, König, Fürst und Held, und Vater stirbt! Was hättet, Fürsten! ihr in eurem Rath entschlossen, Wann euch dergleichen Sturtz und Fall wär zugestossen?

Der nächst erfolgte Tag entdecke Feur und Flutten; Ein ungefürchter Freund raub eurer Völcker Ruh: Es eile Schaarenweiß, und wider das Vermuthen Ein zweyfach-doppelt Heer auf eure Mauren zu:

Sagt! würde bey dem Sturm, bey solchen Ungewittern Nicht auch der Tapferste des Helden-Ordens zittern? Theresia verhüllt bey ihres Vaters Bahre Den höchst-gerechten Schmertz in ihren Trauer-Flor:

Sie weiß nicht, was dem Thron, dem Zepter wiederfahre: Der Feinde Zorn und Macht dringt schon biß an das Thor. Indem sie Trost, und Rath sieht in den Sarg verschliessen, Glim̃t in dem Vaterland schon Brand und Blut-Vergiessen.

Sje reißt den Schleyer auf, sieht, daß die Fahnen fliegen; Erschrickt, faßt Hertz und rufft: verfälschter Freundschafts-Eyd! Der mich beschützen soll, fangt an mich zu bekriegen! So ist dann unter Fried und Krieg kein Unterscheid?

Sie schreyt Vertrauens-voll zu GOtt: HErr! laß auf Erden Mein Erb-Recht so erkannt, als dort im Himmel, werden! Zur Rettung wollte sie nach ihrer Krone langen: Sie griff auch allbereit das schönste Kleinod an,

Und sprach: Das geb ich her, die Perl sollt ihr empfangen; Wann ich dafür den Werth des Friedens haben kan! Umsonst, war der Bescheyd: Der gantze Schmuck der Krone Ist schon für den bestim̃t, der deinen Thron bewohne.

Der Staat erschütterte; der Thron fieng an zu wancken; Sie gieng, bestieg ihn doch, und trotzte die Gefahr. Standhaftigkeit und Muth hielt sie bey dem Gedancken, Der Anfangs fürchterlich, am Ende nutzbar war.

Je mehr der Feinde Zorn, Gewalt, und Macht erfunden; Je weniger war sie von jemand überwunden. Was Carls des Grossen Rath, und Vorsicht angefangen, Das bracht ihr Geist, zu Trotz des Widerstands, zum End.

Was Herrschkunst, Weißheit, Muth und Stärcke kan erlangen, Ward ihr durch Feur und Schwert und Schrecken zugewendt. So klein man sie gemacht, so viel ward sie vergrössert: Das Feur hat ihrer Kron ererbtes Gold verbessert.

Fleiß, Wachsamkeit, Vernunft, Witz, Hoheit des Verstandes, Hertz, Mühe, Geist und Muth hat ihr den Ruhm erlangt, Daß sie als Retterin des frohen Vaterlandes Nicht bey den Freunden nur, auch bey den Feinden prangt.

Jm Sieg und im Verlust, in Freuden und Beschwerden Hat sie die Tugenden zu Räthen und Gefärten. Sje weiß im härtsten Fall, den besten Schluß zu wählen; Sie siegt, doch ohne Stoltz; sie kämpft, doch ohne Rach:

Jhr Endzweck ist das Recht; ihr Streit, sich GOtt befehlen: Jhr Hertz strebt jenen nicht, nur diesen beyden nach. Jhr Helden müßt von ihr die Helden-Tugend lernen: Wann ihr die Schaalen seyd, so gleichet sie den Kernen.

Wje? was? es öffnet sich den Augen ein Gesichte; Ein Lorber-reiches Haupt steigt aus der Gruft empor: Ja! seht, wie sich der Held, mit Ernst zu reden, richte; Vielleicht trägt er das Wort statt aller Helden vor:

Er regt den Fürsten-Stab; was wird es wohl bedeuten? Ich hoffe nicht, daß er wird meinen Satz bestreiten? Vernehmt! ich höre schon, wie seine Worte thönen: Halt ein! es ist zu viel, was man uns vorgebracht:

Will man vielleicht damit nur unsre Thaten höhnen? Wir wissen auch, sagt er, was einen Helden macht. Durch Dichter werden oft aus Hirn-Geburten Helden: Was, wann sie gar mit Recht wahrhafte Thaten melden?

And wer beredet uns, daß Königliche Schwüre, Ein GOtt-geweyhtes Wort auf einmahl ohne Frucht? Daß man die Königinn alldort zum Opfer führe, Wo Sie Gewehr und Hilff und Zuflucht hat gesucht?

Der Himmel hätt gewiß .... Jedoch hier muß ich schweigen; Es wär Vermessenheit, sein Urtheil anzuzeigen. Wann alles, was du sagst, sich in der That befünde, Was hieß man endlich Recht, Treu, Glauben, Fried und Krieg?

Sag, ob der Erden Rund nicht im Verderben stünde? Das Recht nicht, die Gewalt erlangte Rang und Sieg. Was wär an einem Pflug, an einem Helden-Degen, An Ordnung und Gesatz; an Ehr und Ruhm gelegen?

Amsonst erwähnest du so viele Wichtigkeiten; Wär der geringste Theil von der Erzehlung wahr; So schwüng Der Anfall, und der Schutz ist viel zu wunderbar.

Du suchst nur, uns den Ruhm, den Helden-Lohn, zu rauben: Geh, sag es wem du wilst! wir können es nicht glauben. Wje? dieses ist die Sprach und Antwort unsrer Ahnen? Sie messen dem Bericht so wenig Glauben bey?

Sie neigten sonst gewiß mit Ehrfurcht ihre Fahnen, Und nennten den Gesang nicht eine Schmeicheley. Entweder fürchten sie, Was? oder eyfern sie, daß ihre Thaten besser?

Nein: die Unmöglichkeit macht, daß sie dieses meinen: Neyd, Haß, Verrath und List; Zorn, Mißgunst, Rach und Groll In Waffen einig sehn, das will nicht möglich scheinen: Weil die Vereinigung sich selbst zernichten soll.

Sie messen diese That nach dem, was folgen könnte: Daß man das Recht nur dem, der furchtbar ist, vergönnte. Kein Wunder; frage man, die gegenwärtig waren: Was sie, da dieser Sturm die Welt ergriff, gedacht?

Hat nicht das Aug erstarrt, das Ohr entsetzt erfahren, Wie dieses Kronen-Hauß erschüttert und gekracht? Man hörte, wie von West und Nord der Donner rollte; Wer hoffte, daß der Thron dem Sturtz entkommen sollte?

Doch ist Theresia, der man uns fast beraubte; Die man von ihrem Recht, von ihrem Eigenthum, Des Vaters Kron entblößt, vom Thron gestürtzet glaubte; Die dreyfach-blühende gekrönte Purpur Bluhm

Die Bluhme, welche man schon vor entlaubt geachtet, Wird nun im schönsten Flor des höchsten Schmucks betrachtet. Wann alter Helden Sinn nicht glaubet, was geschehen; In der Erzehlung nichts, als eitlen Schimmer sieht:

Ja, wann wir selbst erstaunt, verwirrt, entzücket stehen; Da, der sie stürtzen wollt, erschrocken stutzt und flieht: Was wird die späte Welt zu dieser Nachricht sagen? Wird sie so viel darnach, als dort die Vorwelt fragen?

Nein: der Erfolg des Wercks wird ihren Augen zeigen, Daß dieser Ruhm-Gesang kein Bild der Dichter sey; Man sieht die Pflantzen schon, wie Ceder-Baüme, steigen. Selbst die

Sie kommt erregt, erfreut von ihren Ehren-Bühnen, Und sieht den Helden-Stamm in ihren Auen grünen. Sje rufft: Betrachte man den Kronen-reichen Sprossen An diesem Fürsten-Baum, der einst zu

Er schien zwar welck, jedoch er ist frisch vorgeschossen: Die Freud und mein Entschluß sey allen Welten kund! Ich schwere dem, der auch vielleicht nicht wurde sterben; Berührt er diesen Ast; Rach, Untergang, Verderben.

Sje sieht noch einen Zweig, der sich mit dem verbindet: Frolockt noch mehr und spricht: Kein Baum ist, welcher den an Früchten überwindet! Dies Paar ist seine Kron, Ehr, Ansehn, Pracht und Zucht!

Der ist, von dem die Welt die grösten Helden hatte: Von dem ich künftighin sie noch zu ziehn, gestatte. Wjll selbst Unsterblichkeit, daß man den Baum bewahre; Eröffnet sie der Welt den hohen Schutz-Befehl;

So wird auch in dem Lauf der allerspätsten Jahre Berühmt, bewundert seyn, was ich davon erzehl. Und recht: der Zweifel ist umsonst und unvonnöthen: Wir haben zum Beweiß des Stammens Majestäten.

Die Nach-Welt wird sie sehn und sagen: diese Früchte Wo kommen sie dann her? Wer ist der Fürst, der Held? Er herrscht, er kriegt, er siegt: es ist kein blind Gerüchte! Er stammet von dem Baum, von dem man uns gemeldt:

So kan man überzeugt der Sache Wahrheit mercken: Was einst Die Wercke seynd so groß, als keine Zeit erfahren: Sie seynd wahrhaftig nicht von Dichtern aufgeführt.

Derselben Ursprung ist in jenen Helden-Jahren, Die dort In seiner Majestät erblickt man solche Zeichen, Die dieser Königinn, von der man redet, gleichen.

Der Baum hat, wie man sagt, zwar einen Streich empfunden; Es gehet ihm die Zier des grösten Sprossens ab: Hingegen haben sich statt dessen zwey verbunden; Wovon

So bringt ja der Verlust den Früchten kein Verderben: Hier starb das Haupt, doch lebt die Folge seiner Erben. Gott theilt die Kronen aus: Er wiedmet sie den Häusern, Die Großmuth, Frömmigkeit und wahre Weißheit schmückt.

Drum prangen diese zwey mit Königen und Kaysern: Drum blieb Wo Tugend, GOtt und Recht um Kron und Zepter fechten, Kan man den Sieges-Krantz leicht um die Scheitel flechten.

So wird der späten Welt erstaunter Nachklang sprechen: So wird die Sach erzehlt, geglaubt, gepriesen seyn. Was kan mir also mehr den Vorsatz unterbrechen? Es stimmt mit mir, was ist, was war, was seyn wird, ein.

Auf auf dann Geist und Hertz! entflammet Muth und Sinnen! Entreisset euch der Furcht! verfolget das Beginnen! Ja, Königinn! ich will von zehen Stunden singen, Die deiner Tugenden getreuer Rath gewacht;

Als jede sich bemüht, Beweißthum aufzubringen, Daß ihre Wirckung dich das, was du bist, gemacht. Nicht daß ich dir ein Lob, ein Ehren-Mahl erdichte:

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