Wje sich Theresia, die Frau von Oesterreich, Dem siebenfachen Schwert, und dessen Wirbel- Streich:
Der sich so fürchterlich um ihre Scheitel schwunge, Daß er den Kronen-Schmuck fast von derselben drunge: Nur von dem Tugend-Schild und Helden-Muth beschirmt; Sonst Hilff- und Waffen-bloß entgegen aufgethürmt:
Will ich, nicht Feinden Zorn, nur Freunden Trost zu bringen; Sonst aller Absicht frey mit tiefer Ehrfurcht singen. Das ist, was ich entschloß; als ihre Majestät Sich aus dem Krieges-Sturm in Lorber-Pracht erhöht;
Da die Verwunderung frohlockend aufgeschrieen: „mit diser Königinn wird Heil und Wohlfahrt blühen! Bald nahm ich meine Leyr, versuchte Thon und Klang; Bald reitzte mich die Lust zu einem Lob-Gesang:
Allein es sprach das Hertz: ”Wie kann er dir gerathen? „erweg der Sayten Kraft! miß dieser Fürstinn Thaten! „meinst du, daß dieses Spiel ein klingendes Metall; „ein heiseres Gethön den Welt-Posaunen-Schall
„in seinem hohen Laut und Widerhall begleite? So legt' ich mit der Leyr fast auch den Muth bey Seite. Welch-unversehner Fall! Ich stunde wanckelbar; Hier rung ich mit mir selbst, dort scheüt’ ich die Gefahr;
Die Furcht begunnte sich in meiner Brust zu schärfen; Die Freud hingegen mir den Unmuth vorzuwerfen. Inzwischen schien es mir, als schwebt' ich in der Luft; Als hört’ ich ein Geräusch, aus welchem jemand ruft:
„nur fort! verzage nicht! ermuntre deine Sinnen! „stimm deine Leyr, und sing! verfolge dein Beginnen! „an nichts gebrach es dir, als an dergleichen Sprung; ”Nun aber ligt es noch an einem Feder-Schwung.
„auf auf dann! zittre nicht! der Flug wird uns gelingen; „wir werden ihn beglückt, nicht ohne Lust, vollbringen. Die Stimme, dieser Flug, der Luft verborgne Macht War, was mich fast in Angst und in Verstummung bracht.
”Fort”, wiederhohlte sie, Thalia wird dich leiten! Der Nahme machte mich mit Furcht und Hoffnung streiten. Die beyde nebst der Lust bemeisterten mein Hertz; Was, dacht’ ich, ist es Ernst, Verblendung, oder Schertz?
O spränge sie mir bey! O könnt’ ich sie schon sehen! So hätt ich die Gewalt vielleicht nicht auszustehen. Die Sonne ziehet zwar den Morgen-Thau zu sich: Mir aber war der Zug zu fremd und wunderlich.
Ob mich der Grund verließ, ob ich ihn selbst vertriebe, Das unterschied’ ich nicht, nicht was den Zwang verübe. Sie rieff mir wiederum: ”Was nützt dich Witz und Geist, „wann er nicht aus dem Kreiß zaghafter Sinnen reißt?
Mein Thun und Lassen war nur Flattern, Zittern, Beben: So wußt’ ich diesem Ruf nicht viel Gehör zu geben. Ich wandte mich: sieh da! sie kam mir zu Gesicht; O Muse, dacht' ich gleich, wie reitzend bist du nicht?
Weil sie sich voller Geist und Feur mir zugesellte, Und sich durch ihr Gespräch als meine Freundinn stellte; „hörst du mich nicht„? sprach sie, ich bin zu deiner Hut! So war ich theils erstaunt, theils furchtsam; auch voll Muth;
Und fragte: wie, wohin der Flug, die Reise gehe? Wir sahn, daß unter uns der Erden Rund sich drehe: Feld, Ströhme, Berge, Thal verschwanden immer fort; Auf jeden Blick erschien bald der bald jener Ort.
Was dieser Länder Fürst vor Lieb und Sorgfalt häge, Wies die Bequemlichkeit der angelegten Weege: Wie strebt’ ich aus der Luft derselben Bahne nach? Allein ich mußte fort; mein Wunsch war viel zu schwach,
Der Führerinn Befehl und Ruff zu wiederstehen: So ließ ich, was sie mir zu Lieb ersann, geschehen. Hier wies uns das Gebürg des Herbstes Lag und Stand; Dort eine flache Welt der andern Zeiten Land,
Das aber Frost und Schnee noch aller Zier entblösste, Ob gleich der Frühling sich schon in die Bäume flößte. Mein Auge wandte sich stets nach der nächsten Höh; Mir schien, als wann darauf ein öder Tempel steh:
Ich hörte, daß darinn Trost-volle Stimmen thönten, Die nach dem Himmel sich, nicht nach der Erde sähnten. Da war ich kaum vorbey; so schwung sich ungefähr Ein froher Adler-Schwarm von diesen Bergen her;
Das war genug, ein Hertz, ein flatternd Hertz zu schrecken: Allein ich faßte Muth, denselben zu verdecken. Ein breiter, schlänglichter Schiff-reicher sanffter Lauf, Der Schimmer eines Strohms hielt meinen Kummer auf:
Sein majestätisches, doch schnell gewelztes Eilen Wußt seiner Wässer Stoltz, die Wellen so zu theilen, Daß eine Stadt, ein Dorf, Feld, Wälder, Berg und Thal Als Inseln prangeten, um die der Fluß befahl,
Indem er den Bezirck mit Wachsamkeit umflosse, Und in desselben Raum sich hin und her ergosse.
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