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1800

Studenten-Kriegslied

Max von Schenkendorf

Ich bin Student gewesen, Nun heiß' ich Lieutenant, Fahr wohl, gelahrtes Wesen, Ade, du Büchertand.

Zum König will ich ziehen, Ins grüne Waffenfeld, Wo rothe Rosen blühen, Da schlaf ich ohne Zelt.

Ihr guten Kameraden Bei Büchern und beim Mahl, Seid alle mitgeladen In diesem großen Saal.

Frisch auf, wem solche Stimme Zum Ohr und Herzen geht! Es rege sich im Grimme Nun jede Fakultät.

Die ihr euch weise Meister Im stolzen Wahn genannt, Auf Regeln für die Geister, Für die Gedanken sannt, –

Hier ist die hohe Schule, Die freie Künste lehrt, Und für die Federspule Schärf' ich mein gutes Schwert.

Ihr Herren Rechtsgelehrten, Die durch den Urvertrag Das alte Recht verkehrten, Es kommt für euch ein Tag.

Die Güter sind verpfändet, Die Keiner missen darf, Die Freiheit ist entwendet, – Macht eure Beile scharf.

Die Sünde sollt ihr rächen, Die durch die Wolken drang, Ein Urtheil ist zu sprechen Auf Beil und Rad und Strang.

Von eures Meisters Lehren, Ihr Aerzte, weichet nicht, Das Messer hebt in Ehren, Wenn anders Heil gebricht;

So kurz ist ja das Leben, So lang und schwer die Kunst, Dem Flücht'gen sei gegeben Des Himmels reine Gunst.

Wenn Leib und Seele leiden, In Schmerz, in Brand und Haß, So hilft ein kühnes Schneiden, So hilft ein Aderlaß.

Wolauf, ihr Theologen, Der Herr ist nicht mehr weit, So kommt nur mitgezogen Entgegen ihm im Streit.

Hier kann man deutlich lernen Die Zukunft zum Gericht, Wenn über seinen Sternen Der Herr das Urtheil spricht.

Uns wird das Herz erledigt, Uns wird der Sinn erfreut, Wenn die Kanonenpredigt In alle Ohren schreit.

Noch kämpft der Leonide, Noch schallt die Hermannsschlacht, Der Fall der Winkelriede Uebt wieder seine Macht.

Was wir gehört, gelesen, Tritt wirklich in die Zeit, Gewinne jetzt ein Wesen Auch du, Gelehrsamkeit;

Es gilt kein kleines Fechten Und keinen Fürstenstreit, Es gilt den Sieg des Rechten In alle Ewigkeit.

Das heiß' ich rechte Fehde, Wenn Jeder übt die Kraft, Zur Waffe wird die Rede, Zur Waffe Wissenschaft.

Die Harf' in Sängers Händen, Den Meißel scharf und fein, Das alles kann man wenden Zu Feindes Trutz und Pein.

Nun singt den Landesvater, Den Feldherrn unsrer Wahl, Des Landes Schutz und Rather, Der diesen Krieg befahl.

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