Skip to content
1800

Auf der Reise

Max von Schenkendorf

Ein Pilger zieht in weites Land, Er klopft an manches Thor; Was Schönes seinem Blick entschwand, Schwebt seinem Geiste vor.

Er trägt und hegt es im Gemüth, Was Liebes ihn erfreut, Es labt ihn, wie ein altes Lied Aus ferner Knabenzeit.

Ach! immer vorwärts geht der Weg, Indeß man rückwärts denkt, Wohin sich Brücke nicht noch Steg Und keine Straße lenkt.

Doch vorwärts, rückwärts – Alles schließt Die sel'ge Ewigkeit, Die Vorzeit und die Zukunft grüßt, Wenn man sich der geweiht.

Zur Rechten nicht noch Linken schaut, Wer treu das Eine meint. Nur Eins ist Noth, o Gottesbraut, Daß hell die Lampe scheint!

Laß deine Augen fromm und klar Und still die Seele sein, Zeuch fröhlich in das neue Jahr, Ins neue Leben ein!

Du kennst Ihn ja, du hast Ihn doch, Der nimmer von dir weicht; So schwer ist unsers Meisters Joch, Und ach! so wunderleicht!

Dein Garten blüht in Seiner Hut, Er ist so lieb und mild, Die Brünnlein tränkt er aus der Flut, Die ewig labend quillt.

Wir treiben unsre Pilgrimschaft Und wandern gläubig fort, Uns bindet eine Lieb' und Kraft Auch an dem fernsten Ort.

Wir finden uns gewiß am Ziel, In unsers Vaters Haus, Und ruhn an Bächen, traut und kühl, An Jesu Wunden aus.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Auf der Reise · Max von Schenkendorf · Poetry Cove