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1856

Zavelstein

Joseph Viktor von Scheffel

Kleine Burg für wenig Mannen, Städtlein rußig, eng und schmal, Rings des Schwarzwalds Edeltannen, Unten tief das Teinachtal –

Rauhe Lüfte, Wolkenflüge, Schneegestöber, Sonnenschein: Also wandernd im Aprilis, Schaut' ich einst den Zavelstein.

Nie von Riß und Sprung genötet Ragt sein schlanker Römerturm Wie gegossen und gelötet Quaderfest im Zeitensturm ...

... Ruhsam stund der Ortsbewohner Vor dem Haus im Sonntagskleid, Auch der Burghof pflag der Ruhe Winterschläfrig, tief verschneit.

Aber ostwärts auf den Halden Weicht besiegt der Schneelast Druck, Seine Kelche hoch entfalten Will ein wilder Blütenschmuck,

Und im Schmelz der Farbentöne Dunkelviolett bis weiß Drängt sich fremde Purpurschöne Üppigst wuchernd aus dem Eis.

Krokus, Sproß des Morgenlandes, Seltner Gast auf Schwabens Flur, Zeugnis ewig jungen Frühlings Und uralter Weltkultur;

Wo itzt Flocken niederwirbeln Auf die wohldurchblümte Au', Pflanzte einst ihr Saffrangärtlein Eine kluge Römerfrau.

Saft den Süpplein ihrer Küche, Herzarznei für böse Sucht, Dunkeln Locken Wohlgerüche Zog sie aus der edeln Frucht.

Und im Anhauch dieser Blume Schritt sie, wenn der Frühling nah, Opfernd zu dem Heiligtume Der Diana Abnoba.

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