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1856

Die eiserne Hand

Joseph Viktor von Scheffel

„Urfehde schwört! ansonst ich Euch in den Brummturm setz'“, Sprach Heilbronns Bürgermeister Zum Berlichinger Götz.

Zu besserm Nachdruck standen Den Rathausgang entlang Weinschröter, Schmied' und Flözer Mit Haken, Spieß und Stang'.

Doch wie ein Ratsherrnfinger Den Hinterhalt winkt vor, Hub grimm der Berlichinger Die Eisenfaust empor.

Und still ward's auf den Bänken Und still in Saal und Haus: In Fingern und Gelenken Sah sie so schlagbar aus,

Als wüchsen nächstens Feigen So saftig und kandiert, Wie sie noch nie auf Erden Ein sterblich Ohr geziert.

Derweil klang's wie Trompeten Vom Neckartor herauf; Sickingens Reiter trabten, Und Fußvolk kam im Lauf.

„So seid doch nicht so zornig!“ Sprach jetzt der Magistrat, „Es kommt in Stadt wie Land vor, Daß man sich mißverstât.

Wer drohte je mit Brummturm? Wir bieten Losament Und laden den Herrn Schwager Samt Euch zum Traktament.“

„Ah so, liebwerte Nachbarn“, Sprach Götz, „viel Dank, ich komm'... Der Teufel soll Euch holen, Wie seid Ihr plötzlich fromm.

Mir scheint, die Faust von Eisen Bringt Wunderwerk zuweg: Wär's ein Glanzleder-Handschuh, Weiß Gott, wo ich heut läg'!“

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