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1856

Der Jubilar im Neckartal

Joseph Viktor von Scheffel

Das war ein schmucker Pfarrvikar, Alt Wertheims Sohn und Zierde, Als man ihn heut vor fünfzig Jahr' Zum Kirchdienst ordinierte.

Er diente ihr, wie Gott ihn schuf, Mit reichen Geistesgaben Und hat, getreu dem Lehrberuf, Sein Pfund nicht leer vergraben.

Wie er sich hielt zu seinem Amt Bezeugt ihm die Gemeinde, Er hat geflucht nicht, noch verdammt, Und keinen Mann zum Feinde.

Ihn hieß sein klarer Forschergeist Des Schöpfers Allmacht ehren Und was die Schöpfung Wunder weist, Erkennen und erklären.

Begann des langen Winters Macht Durchs Neckartal zu dunkeln, Sah oft der Schiffer durch die Nacht Des Pfarrhofs Lämplein funkeln:

Er war's, der einsam übersaß, Den Kosmos zu erlernen, Und was er nicht in Büchern las, Das las er in den Sternen!

Doch frühlings, wenn das Maikraut blüht, Da ging er zu den Sängern Und sang manch lustig pfälzisch Lied Zu Heidelberg im Engern.

Zum Krittler, dem's zu lustig war, Sprach er: „Was kritisieren? Ich werd' ja doch einst Jubilar, Drum laßt mich jubilieren!“

Und richtig jubeln frohgesinnt Heut mit dem alten Freunde Hochfestlich Kind und Kindeskind, Amtsbrüder und Gemeinde.

Noch strömt der Neckar frei von Eis, Die Wellen singen und brausen: „Hoch! dreimal hoch der Jubelgreis, Der Pfarrer von Ziegelhausen!“

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