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1856

2.

Joseph Viktor von Scheffel

Wer reit't mit sieben Knappen ein Zu Heidelberg im Hirschen? Das ist der Herr von Rodenstein, Auf Rheinwein will er pirschen.

„Hollaheh! den Hahn ins Faß! schenkt ein! Ich fürcht', die Kehlen rosten! Wir wöll'n ein halb Jahr lustig sein, Und sollt's ein Dorf auch kosten!

Ein Dorf, was ist's?... Ein rußig Loch, Und ich hab' ihrer zweie, Ich hab' ja Pfaffenbeerfurt noch Und Reichelsheim, das treue.“

Trommeten klangen mit Schalmei'n, Die Pauken täten schweigen ... Sechs Monden saß der Rodenstein Beim süßen Rheinweinreigen.

Und als nach halber Jahresfrist Der Rechnung er gewunken, Da sprach er: „Hollaheh! jetzt ist Auch Reichelsheim vertrunken!

Reichelsheim ist hin! Reichelsheim ist fort! Reichelsheim, der treue, schnapsbrennende Ort, Reichelsheim ... ist ... veritrunken.

Hollaheh! doch wie man's treibt, so geht's! Was liegt an dem Verlurste? Man spricht vom vielen Trinken stets, Doch nie vom vielen Durste.

Reichelsheim ist hin! Reichelsheim ist fort! Reichelsheim, der treue, schnapsbrennende Ort, Reichelsheim ... ist ... veritrunken.“

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