Skip to content
1854

Notturno

Adolf Friedrich von Schack

Heimwärts ging der letzte Beter Von dem Bild der lieben Frau; Nur noch selten fliegt ein später Nachen durch das Wogenblau;

Sommerliche Lüfte holen Aus dem Kelche der Violen Düfte, heiß und atemschwer, Und auf weißer Lilien Spitzen

Hüpfen, gleich verirrten Blitzen, Rote Flammen hin und her. Siehe! und Johanniskäfer Schweben leuchtend durch die Nacht;

Glaub' mir, Kind, es sind für Schläfer Solche Stunden nicht gemacht! Lud in solcher Nacht Juliette Doch zur trauten Minnestätte

Den geliebten Romeo, Und sie kosten Wang' an Wange, Bis beim Lerchen-Frühgesange Er aus ihren Armen floh!

Leicht empor auf die Terrasse Schwing' ich mich aus meinem Boot; Komm! und auf dies sehnsuchtblasse Antlitz breite neues Rot!

Laß uns ruhn im sanftverwirrten Dickicht von Jasmin und Myrten. Wo sich Zweig mit Zweig verschlingt Und kein Licht, das uns verrate,

Nur der flammenden Granate Schimmer aus dem Laube dringt!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Notturno · Adolf Friedrich von Schack · Poetry Cove