Skip to content
1854

An Adele

Adolf Friedrich von Schack

Laß mich nicht allein, Adele, Nicht in weiter Welt allein! Sonnen will ich meine Seele, Weib, in deines Auges Schein.

Leg in meine deine Rechte, Daß an Ader Ader wallt! Schaurig draußen sind die Nächte, Und die Tage o wie kalt!

In des Menschenschwarms Gewühle Steh' ich da betäubt und bang; Daß nur Einer mit mir fühle, Fruchtlos ist mein Herzensdrang.

Der Natur mich zu vertrauen, Streif' ich durch Gebirg und Wald; Doch zurück von ihr treibt Grauen In mich selbst mich wieder bald.

Ob das Herz in Freude schlage, Ob es in Verzweiflung bricht: Taub ist sie für unsre Klage, Unsre Lust versteht sie nicht.

Ihre welken Blätter streut sie Teilnahmslos auf unsre Gruft; Nur aus unserm Staub erneut sie Ihrer Lenze Blütenduft.

Laß mich nicht allein, Adele, Nicht in weiter Welt allein! Sonnen will ich meine Seele, Weib, in deines Auges Schein!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
An Adele · Adolf Friedrich von Schack · Poetry Cove