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1854

2.

Adolf Friedrich von Schack

Rot schimmert durch das Laubgrün der Platane Die Mohrenburg, auf der die Halbmondfahne Durch acht Jahrhunderte geweht; Noch flammen Koransprüche an dem Thore,

Noch an der Mauer rauscht die Sykomore Zu Allah ein Gebet. Ich schritt hinan; ringsum in Sprudelbronnen Und Silberbächen rieselten die Wonnen,

Die der Prophet verheißen hat, Und wie ein Zauberschloß verschollner Sagen Sah ich Gewölbe, luft'ge Pfeiler ragen, Als ich den Myrtenhof betrat.

Im Lichtglanz, der von Saal zu Saale sprühte, Erschloß sich knospend das Gestein und blühte Farbreich um Wand und Säulenknauf; Mit ew'gem Klingen sprudelten Kaskaden

Zum Laubendach der schlanken Kolonnaden Den Silberregen auf. Ein Hauch von Eden, Bote ew'ger Freude, Durchzitterte das blitzende Gestäude;

Der Bogengang am Löwenhof Schien Nebeln gleich im Morgenwind zu schwanken, Indessen schimmernd von Gezweig und Ranken Der Tau herniedertroff.

Aus Rosenkelchen strömte sinnbetäubend Wollüst'ger Duft, in leichten Flocken stäubend, Wie Küsse von dem Mund der Braut; Und an der Wand die rankenden Gedichte,

Sich lösend, atmend in dem Morgenlichte, Entsandten einen Jubellaut. O Ton, der meiner Kindheit oft erklungen, Mit dem mich Geister oft in Schlaf gesungen

Im sonn'gen Thal und dunklen Hain: Hier tönst du, lang verstummter, mir entgegen, Und jauchzend fällt mein Herz mit schnellern Schlägen In deinen Jubel ein.

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