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1785

9. Winterlied

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

Das Feld ist weiß, so blank und rein, Vergoldet von der Sonne Schein, Die blaue Luft ist stille; Hell wie Kristall

Blinkt überall Der Fluren Silberhülle. Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis, Er flimmert blau und rot und weiß

Und wechselt seine Farbe. Aus Schnee heraus Ragt, nackt und kraus, Des Dorngebüsches Garbe.

Von Reifenduft befiedert sind Die Zweige rings, die sanfte Wind' Im Sonnenstrahl bewegen. Dort stäubt vom Baum

Der Flocken Flaum Wie leichter Blütenregen. Tief sinkt der braune Tannenast Und drohet mit des Schnees Last

Den Wandrer zu beschütten; Vom Frost der Nacht Gehärtet, kracht Der Weg von seinen Tritten.

Das Bächlein schleicht, von Eis geengt; Voll lauter blauer Zacken hängt Das Dach; es stockt die Quelle; Im Sturze harrt,

Zu Glas erstarrt, Des Wasserfalles Welle. Die blaue Meise piepet laut; Der muntre Sperling pickt vertraut

Die Körner vor der Scheune. Der Zeisig hüpft Vergnügt und schlüpft Durch blätterlose Haine.

Wohlan! auf festgediegner Bahn Klimm' ich den Hügel schnell hinan Und blicke froh ins Weite, Und preise den,

Der rings so schön Die Silberflocken streute.

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