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1798

6. Landlied für Mädchen

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

Seht, Gespielen, seht, die Flur Blühet nur, Um der Unschuld zu gefallen. Laßt uns froh am Blumenrain

Und im Hain Unter jungen Schatten wallen. Durch der Wiese zartes Grün Ringsum blühn

Tausend Blumenkelch' und Dolden, Hell von Sonnenschein und Tau, Himmelblau, Rot und violett und golden.

Wählt die düftevollen aus, Euch zum Strauß, Daß er prang' am weichen Mieder. Strebt der Busen aus dem Flor

Halb hervor, Wall' er bergend auf ihn nieder. Ohn' ein starres Staatsgewand Eilt aufs Land,

Ohne Perlen und Geschmeide; Freier hebt, voll Frühlingslust, Sich die Brust Unter leichtem Schäferkleide.

Unentstellt von Ziererei, Los und frei Laßt die langen Flechten hangen; Und zerstreuter Locken Spiel

Säus'le kühl Um die warmen Rosenwangen. Schürzt euch leicht zum Reihentanz; Biegt zum Kranz

Rosmarin voll blauer Blüte, Und ein weit umschlungnes Band Flieg' am Rand Eurer gelben Halmenhüte.

Auf des Waldes Farrenkraut Setzt vertraut Euch zusammen; kos't und singet, Bis des Abends falber Schein

In den Hain Durch die Espenwipfel dringet.

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