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1798

44. Pflügerlied

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

Arbeitsam und wacker Pflügen wir den Acker, Singend, auf und ab. Sorgsam trennen wollen

Wir die lockern Schollen, Unsrer Saaten Grab. Auf- und abwärts ziehend Furchen wir, stets fliehend

Das erreichte Ziel. Wühl, o Pflugschar, wühle! Außen drückt die Schwüle, Tief im Grund ist's kühl.

Neigt den Blick zur Erde, Lieb und heimlich werde Uns ihr dunkler Schoß: Hier ist doch kein Bleiben;

Ausgesät zerstäuben Ist auch unser Los. Säet, froh im Hoffen; Gräber harren offen,

Fluren sind bebaut; Deckt mit Egg' und Spaten Die versenkten Saaten, Und dann: Gott vertraut!

Gottes Sonne leuchtet; Lauer Regen feuchtet Das entkeimte Grün. Flock, o Schnee, und strecke

Deine Silberdecke Schirmend drüber hin! Ernten werden wanken, Wo nur Körner sanken;

Mutter Erd' ist treu. Nichts wird hier vernichtet, Und Verwesung sichtet Nur vom Keim die Spreu.

Die vor uns entschliefen, Schlummern, in die Tiefen Ihrer Gruft gesät; Länger wird es säumen,

Bis die Gräber keimen, Gottes Saat ersteht! Wer um Tote trauert, Glaub' es, ewig dauert

Nicht der Aussaat Zeit. Aus enthülster Schale Keimt im Todesthale Frucht der Ewigkeit!

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