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1798

25. Lied im Freien

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

Wie schön ist's im Freien! Bei grünenden Maien Im Walde, wie schön! Wie süß, sich zu sonnen,

Den Städten entronnen, Auf luftigen Höhn! Wo unter den Hecken Mit goldenen Flecken

Der Schatten sich mischt, Da läßt man sich nieder, Von Haseln und Flieder Mit Laubduft erfrischt.

D'rauf schlendert man weiter, Pflückt Blumen und Kräuter Und Erdbeern im Gehn; Man kann sich mit Zweigen,

Erhitzet vom Steigen, Die Wangen umwehn. Dort heben und tunken, Gleich blinkenden Funken,

Sich Wellchen im Bach: Man sieht sie verrinnen In stillem Besinnen, Halb träumend, halb wach.

In weiten Bezirken, Mit hangenden Birken Und Buchen besetzt, Gehn Dammhirsch und Rehe

In traulicher Nähe, Von niemand gehetzt. Am schwankenden Reisig Hängt zwitschernd der Zeisig,

Vor Schlingen nicht bang; Erfreut, ihn zu hören, Sucht keiner zu stören Des Hänflings Gesang.

Hier sträubt sich kein Pförtner, Hier schnörkelt kein Gärtner Kunstmäßig am Hain: Man braucht nicht des Geldes;

Die Blumen des Feldes Sind allen gemein. Wie schön ist's im Freien! Despoten entweihen

Hier nicht die Natur. Kein kriechender Schmeichler, Kein lästernder Heuchler Vergiftet die Flur.

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