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Zal und sum meiner gedicht auf dise zeit

Hans Sachs

Als ich, Hans Sachs, alt ware zwei monat sechzig jare wurt schwach mein gedechtnus, und auch mein sinreicher einfluß

wart machtlos und entwichte; Verstopft wurden die quellen der artlichen einfellen, vernunft wurt schwach und blöd,

lust und begir wurt schwach und öd zu höflichem gedichte: Da beschloß ich, mein leben in stille ru zu geben,

forthin zu leben frei, müßig von aller poetrei. als ich solches bedachte und gleich die selbig nachte

mir in dem traum erschin die neun Musä, der kunst göttin; Melpomene tet sagen: „freunt, wiltu uns enttragen

die neun himlischen gab, weliche ich dir geben hab als man zelt fünfzehn hundert und vierzehn jar gesundert?

derhalb bistu aufs minst die weil du lebst in unserm dinst verbunden und verpflicht.“ Ich sagt: „ich hab für ware

euch dinet vierzig jare, darin eur himlisch gab gar emsiklich gebrauchet hab; der zal mich selb verwundert:

Ich hab der meisterlider warhaft gemachet sider von anfang in der sum acht und dreißg hundert um und um

acht und vierzig gesundert, Wol in zweihundert schönen und vier und vierzig tönen, der sint dreizehen mein,

die bar ich alle schrieb allein mit eigner hant dem sücher wol in vierzehen bücher, allerlei art manier,

der kunst zu ausbreitung und zier, schriftlich zu gottes glori, auch vil schöner histori, stampanei und gut schwenk,

philosophisch poetisch renk; auch hab ich der zeit fleißig hundert und drei und dreißig Comedi zugericht;

sprüch, gesprech und der lobgedicht wol dreißig und fünfhundert In mein büchern beschloßen mit fleiß und unverdroßen.

mein bitt ist, ir göttin, das ir mich zelen wolt forthin quit ledig aller pflichte, Weil ich euch dinet habe

bis in mein alter grabe, das mich nun merklich krenkt, all mein kraft mir zu grunde senkt kan weiter dinen nichte.“

Terpsychore, die gute, sprach: „freunt, sei wolgemute, du erwelter dinstman, kein urlaub kanstu von uns han;

die weil du hast dein leben, hilf und steur wir dir geben durch die neun gülden ler. zu preis wirt dir lob, rum und er

von manchem werden munde.“ zuhant der traum verschwunde, darvon ich auferwacht. das gschach gleich in der jaresnacht,

als man der mindren zelet vier und fünfzig erwelet, da dis bar machet ich und das vierzehnte buch warlich

beschloß mit dem gedichte.

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