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1538

Die goltgrub

Hans Sachs

Plutarchus uns klerlich beschreibe, nachdem als Pytheus, der könig reiche, ein köstliche goltgrub het funden, im geiz er gar ersturbe

Und seine burger heftig treibe, im bergwerk zu arbeiten allgeleiche, die irer gscheft nit warten kunden, darob mancher verdurbe.

Zusam kamen all frauen und giengen zur künigin aus vertrauen mit klag, das sie hülf machen ende

der großen arbeit schwer; wo kein mittel darin zu suchen wer, verdürb das volk ellende. freuntlich die küngin sprache:

„get frölich hin, iede an ir gemache! ich wil euch hilflich sein, e das vergen zwelf tag; doch schweiget allgemein.“

Die künigin heimlicher, weise berufet all goltschmit der ganzen state und ließ sie auf das künstlichst machen ein tisch aus lauter golde,

Darzu von golt allerlei speise, ganz höflicher art, schon nach allem rate. als der könig nach disen sachen heim kam und eßen wolde,

Bereit man den golttische, darauf war gulden brot, vögel und fische künstlich. der könig frölich wure

und lobt des werkes kunste; aber doch zuletzt des hungers inbrunste vexieret sein nature, hieß im zu eßen bringen.

die frau bracht mer speis von guldenen dingen, der küng sprach zornig ser: „bring speis! es hungert mich! golts darf ich ietz nicht mer!“

Die künigin sprach: „lieber herr, schau! du leßt niemant kein ru mit goltgraben; das felt muß ungebaut verderben und all hendel abnemen,

Dein volk verdirbt weit unde ferr ob deim golt, des du selb kein nutz magst haben; du must darbei selb hunger sterben.“ der künig tet sich schemen;

Nach den worten der frauen ließ er den fünften teil der bürger bauen das erz und die andern vier teile

ließ er irs handels warten in der werkstat, zu felt und am weingarten. das kam dem volk zu heile und nam auf die ganz state

durch diser wunderweisen frauen tate. des spricht Salomon: aus der weisen weiber herz erhalten wirt das haus.

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