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Die ameis und der grill

Hans Sachs

Durch Esopum ist uns beschriben, wie ein ameis zu kalter winterzeit ir koren trucknen welt am luft und set es ausgebreit.

Ein grill durch hunger wurt getriben, bat die ameis, zu teilen mit sein speis, das er im winter nit verdürb. do sprach die ameis weis:

„Was hast tan in den sumerlichen tagen, das du dir nicht hast koren eingetragen?“ der grill wart wider sagen: „den sumer lang ich frolich war und sung,

und durch die zeun und grünen büsch ich hin und wider sprung.“ „Hast im sumer gsungen und gsprungen“, sprach die ameis, „so sing im winter auch;

die speis hab ich getragen ein für mich, das ist mein brauch.“ Bei der ameis verstet ein jungen man, arbeitsam, emsig mit hohem fleiß,

der sein narung zusamen helt und spart zimlicher weis, Auf das, wan in das alter nun begreife, das in sein har felt der kalt winterreife

und im sein kraft entichleife und im get an seinem gewinnet ab, das er an vor erspartem gut ein winterzerung hab.

Zum andren verstet bei dem grillen ein jungen man, nachleßig, trag und faul; was im gewinnen beide hent, vernascht das einig maul.

Verzert sein jung tag in mutwillen, in müßiggang, spil und bulerei arg; wer nicht wie er sein gut verpraßt, heißt er filzig und karg.

Tut er in jugent also jubilieren, im alter tut in nach der sunnen frieren, so tut in erst vexieren die streng armut mit mangel und gebruch,

so er muß in dem alter erst meen am hungertuch.

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