Skip to content
1545

Der müller mit der katzen

Hans Sachs

Ein müller war, welcher doch gar vermeret was beim bauren, das

er gar zu hart tet mitzen. Ein bauer bracht im trait und dacht, wie ers unzupft

und ungerupft brecht aus der mül mit witzen, Blieb in der mül, bis man abmalt, den ganzen halben tage.

seim weib ofnet der mülner balt sein heimlichen anschlage. als in der kül loff durch die mül

des mülners große katzen, so balt der mülner die ersach, zum bauren sprach: „schau an, das tier,

das fehet mir die aller grösten ratzen. Auch kan sie sunst ein freie kunst;

sprich ich ir zu: greif und faß du, so kan im bach sie fischen.“ Der bauer zwar

sprach: „ist dis war? geren ich sech, wan dis geschech.“ der müller tet erwischen

Sein katzen, trugs hinaus an bach, sam solt sie fischlein fangen; der fürwiz bauer zog hinach; der mülner mit verlangen

der katzen schrier eins oder zwier: „greif! greif!“ und tet sie zetzen; er meint aber die müllerin,

die heimlich din verborgen stack, die greif in sack, stal daraus einen metzen.

Der mülner hilt die katzen wilt neher an bach und schrier darnach

„greif! greif!“ zum andern male. Die müllerin hort wie vorhin und aber grief

in sack gar tief, wider ein metzen stale. In bach warf er die katzen sein, sprach: „du bist heut unlüstig.“

sie gingen beid int mül hinein faßten das mel gar rüstig. der sack war ler, da saget der

bauer: „ich het nicht glaubet, das mein koren so übel geb, so war ich leb, wer ich nit frei

gewest darbei!“ durch list wart er getaubet.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der müller mit der katzen · Hans Sachs · Poetry Cove