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Der krank edelman

Hans Sachs

Man lieset von eim edelmon räubischer art; mit geiz, hoffart war er alzeit umgeben; Er schunt und zwang, die armen drang,

er spilt und demt, er hurt und schlemt, fürt gar ein böses leben; Einsmals lag er krank auf den tot, der arzt beschaut den brunnen:

er war tötlich, schwarz, dick und rot; der doctor wol besunnen zum weibe sprach: „der krank ist schwach, darum laßt in bewaren,

und das er mach sein testament, vor seinem ent all ding verricht! er bleibet nicht! den tag wirt er noch faren.“

Der narr der lof hinab den hof und schauet, wu man rüstet zu seim junkheren den wagen. Do er nichts sach, lof er darnach

zum kranken dar und sprach: „nem war, der doctor tet heut sagen, Du würst faren, du bliebest nicht; wan wirstu wider kumen,

das man dein wagen nicht zuricht?“ der edelman tet brumen, sprach: „Heinz, hieher kum ich nit mer!“ der narr tet antwort geben:

„du bist ein größer narr, wan ich und das du dich rüstest nit bas, dorthin etwas schickest, darvon zu leben.“

Der edelman dacht erst daran und das er war so ganz und gar unbereit zu dem sterben; Mit reu und leit er sich bereit

und würket buß der sünden ruß, von got tet gnad erwerben. Dem gleich ietz iederman fast tut in disem leben, trachtet

nach gwalt, pracht, wolust, er und gut, auf das künftig nicht achtet; und wißen doch, das wir all noch müßen von hinnen faren;

wan wir sitzen in bester ru so schleicht herzu der bitter tot. der gütig got wöl uns gnedig bewaren!

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