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1548

Der arm kriechisch poet

Hans Sachs

Keiser Augustus het lieb glerte leut und tet auch an der stet sie all reichlich begaben;

Derhalb in die stat Rom manch glerter man auch kom, die er annom, tet groß freud mit in haben.

Einsmals aus Kriechenlant ein poet hochgeleret gen Rom bracht sein gedicht, darin er zugericht

het kunstlich mit verstant des keisers wird und lob, het das weit ob andern weisen gemeret.

Als der keiser fur spat spaziren in der stat, balt zu im trat der poet obgenande;

Dem keiser sein gedicht auf kriechisch zugericht zu angesicht reichet mit eigner hande.

Dem keiser gfiel die kunst und merkt wol sein armute, doch sich sein nichs annum, sunder macht widerum

vier kriechisch vers, aus gunst winkt dem poeten her, dem schenket er auch sein gedicht recht gute.

Als der poet nun das gedicht des keisers las, griff er fürbas bald in sein taschen alde,

Zwen silbren pfenig gab zu schenk dem keiser grab: „nit mer ich hab, sprach er, in meinem gwalde;

Wo ich aber mer het, so wolt ich dir mer geben.“ der keiser lacht der schwenk, groß vererung und schenk

disem poeten tet. o, lebt der keiser noch, die kunst würt hoch – spricht Plutarchus – ob schweben.

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