Skip to content
1547

Demosthenes mit der einfeltigen witfrauen

Hans Sachs

Zu Athena ein witfrau saß, die erbar, keusch und züchtig was, doch ser einfeltig über maß; als sie einmal

zwen gest het ausgesundert; Als die nun wolten über felt reisen durch gebirg, wüst und welt, gaben sie der witwen das gelt,

golt an der zal zu bhalten auf fünfhundert Zu iren treuen henden frei, das sie ir keim solt geben,

es wer dan der ander darbei; so wurs beschloßen eben. als es ein halbes jar anstunt, da kam gar runt

der ein trügner darneben. Stellt sich traurig und klaget got, sprach: „frau, mein gsell ist leider tot, gebt die fünfhundert gulden rot

mir in mein hant, die ir uns bhielt selbander.“ Die frau gar ser einfeltig war, on recht gab im die gulden dar.

nach dem über ein viertel jar kam auch zu lant aus den schelken der ander; Fordert sie für gericht zur stunt

und wolt das gelt auch hane. sie sich nicht verantworten kunt niemant tet ir beistane. das erbarmet Demosthenem

oratorem, nam sich der witfrau ane. Fieng an und den gast selber fragt, wie die sach stünd, er selber sagt:

„sie hat uns bhalten mit dem pakt: gar keinem solt sies on den andern geben.“ Demosthenes der sprach: „jüngling,

so sint beschloßen dise ding: ge hin und deinen gsellen bring, so wirt das gelt euch zugestellet eben.“

Ein gleich urteil gab das gericht und kunt kein beßres finnen; mit schanden zog ab der böswicht und kunt gar nichts gewinnen.

wer noch mit leuten handlen wöl, der selbig söl anfang und ent besinnen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Demosthenes mit der einfeltigen witfrauen · Hans Sachs · Poetry Cove