Es schreibt Johannes Stobaeus, wie das in Kriechenlant ein reicher man, Archetimus, gabe zu treuer hant
goldes ein große sume Cydiä, seinem wirt; Als er nun über etlich zeit das wider haben wolt,
Cydias doch mit listikeit verlaugnet im das golt. Archetimus, der frume, in für gericht zitirt.
Cydiä wurt von dem gericht der eide aufgeleget, das er het dises goldes nicht, ging heim, sein list sich reget,
und macht im einen holen stab, tet das gold als darein; am driten tag kam er hinab zum tempel Jovis fein
am stab ging hinkent krume, sam in groß krankheit irt; Und gab sein stabe in die hant mit dem verborgen golt
dem Archetimo obgenant, der im den halten solt; und er hub auf beid hende, sprach laut vor iederman:
„Das gold ich wol entpfangen hab von dir, Archetimo, das ich dir kürzlich widergab; darauf schwer ich also
den eid an disem ende, das ich das golt nicht han.“ Mit disem liste und betrug vermeint er zu betriegen
menschen und auch die götter klug, der warheit obzusiegen, der geiz in gar verblendet het; aber der götter schar
in balt zu schanden machen tet, macht sein tück offenbar. Archetimus ellende da überwunden stan.
Als er hört die unbillikeit, so Cydias fürgab, warf er von im in tempel, weit von im, den holen stab
gleich vor dem altar nider, das er brach in zwei stück, Das golt fiel heraus auf die ert, darbei wart der betrug
Cydiä öffentlich bewert; zu hant das gericht klug gab Archetimo wider sein gold und schalt die tück.
Cydias stund in großer scham, verlor zum gut sein ere nachdem ein böses ende nam. aus der gschicht ein man lere
und handel treulich und stathaft mit herzen, mund und hant. wan got die untreu entlich straft mit schaden und mit schant.
laß bnügen sich ein ieder, was got bschert und das glück.
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