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1860

Requiem

Ferdinand von Saar

Allerseelen. Grauer, feuchtkalter Nebel Umhüllt das Land, Und in dem kleinen Friedhof dort am Bergeshang

Schimmern Grablaternen, Schimmern auf den Hügeln Immortellen und Astern. Ja, heute gedenkt Jeder seiner Todten,

Schmückt die Stätten, Wo sie vermodern oder vermodert sind – Und das Gedächtniß der Menschheit Umwindet Male aus Erz und Marmor

Mit den Kränzen des Nachruhms. Wer aber gedenkt Der Ungenannten, Der Ungeliebten,

Der Gräberlosen? Derer, die dahingegangen Fernab vom Herzen der Mitwelt Und unvermißt,

Unbetrauert, Ihre Atome dem All zurückgegeben? Ihrer gedenkt heute Ein Mensch,

Der, gleich ihnen, Gelebt, Gekämpft, Gelitten

Und schaudernd oft mit ihrem Schicksal Das eig'ne vorausempfunden. Requiescant in pace!

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