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1860

An eine liebende Schwester

Ferdinand von Saar

Jüngst wollte rasch dein Aug' sich feuchten – Es wußte Niemand wohl den Grund: Man sah nur still die Thräne leuchten Und leise zucken deinen Mund.

Das aber fühlt' ich: eig'ner Leiden Warst du nicht bange dir bewußt; Du lerntest ja dich stets bescheiden, Weil du für And're zittern mußt.

In deiner Mitgebor'nen Kreise Fällt jedes Weh' auf dich zurück; Du nimmst es hin in deiner Weise, Du nimmst es hin, als wär's ein Glück.

Nur wenn du des Vergang'nen Schwere – Und was noch kommen kann, erwägst: Verräth in deinem Aug' die Zähre, Wie groß die Last ist, die du trägst.

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