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[Du schenkst mir deine Liebe]

Ǧalāl o’d-din Rumi

Du schenkst mir deine Liebe; Doch ich will dich versehren – d'rum horch! Erhebe keine Bauten, Denn ich will sie verheeren – d'rum horch!

Baust du zweihundert Häuser, Ameisen gleich und Bienen, Ich heisse doch Verwandte Und Freunde dich entbehren – d'rum horch!

Du trachtest stets die Männer Und Weiber zu berauschen, Doch ich will dein Erstaunen Und deinen Rausch vermehren – d'rum horch!

Durchschreite kühn das Feuer, Wie's Gottes Freund durchschritten: Zu hundert Rosenauen Will ich die Gluth verklären – d'rum horch!

Wenn Armuth dich, gleich Mühlen, Im raschen Schwünge drehte, Will ich empor dich heben Hoch zu des Himmels Sphären – d'rum horch!

Und wärst du auch an Weisheit Ein Lokman oder Plato, Will ich mit Einem Blicke Dich ganz und gar bethören – d'rum horch!

Du liegst in meinen Händen, Wie ein erlegter Vogel: Ich, Jäger, will für Vögel Dich in ein Netz verkehren – d'rum horch!

Du schläfst, gleich einer Schlange, Beim reichen Schatz, o Wächter! Ich krümme dich, o Schlange: Du wirst umsonst dich wehren – d'rum horch!

O Muschel, traure nimmer, Da dich mein Meer umfangen: Als Muschel soll dein Busen Die hellsten Perlen nähren – d'rum horch!

Es können nimmer Schwerter Dir an die Seele dringen, Wirst du dich mir als Opfer, Gleich Ismail, bewähren – d'rum horch

Und ward dein Saum beflecket, So greif' nach meinem Saume: Ich will dir einen Lichtsaum, Dem Monde gleich, bescheren – d'rum horch

Ich bin der Vogel Huma, Voll Huld dein Haupt beschattend: Ich will man soll als Sultan, Als Feridun dich ehren – d'rum horch!

Ich warne: „Lese nimmer, Sei stumm stets und geduldig; Ich will die wahre Lesung Des heil'gen Buch's dich lehren – d'rum horch!“

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