Stimmen der Nacht! Hebt aus der Tiefe Dämmerndem Grunde Leise die Schwingen
Ueber die Welt! Wehen des Windes, Rauschen der Wellen, Nachtigalltöne,
Wecket den Wiederhall Fern im Geklüft! Ihr nimmer rastenden, Die ihr die Stunde
Wisset, da mächtiger Schwillt durch die Thäler Euer Gesang: Unter dem bergenden
Schleier des Dunkels Singet ein Traumlied Der schlummernden Erde, Stimmen der Nacht!
„Was wir verkünden, Hören die Schläfer nicht, Träumen nur weiter All' ihres Tages
Flüchtigen Schein. Aber der Wachende, Der in die Seele Senket die Blicke,
Prüfend und schauernd, Höre das Lied! Unter den Wogen Starrt es von Klippen,
Senken sich Felsen, Stürzet zum Abgrund Wirbelnd die Fluth. Droben die Fläche
Kräuselt nur spielend, Was aus dem Kampfe Senden die Tiefen, Als leichten Schaum.
Wehen des Windes Streift um die Knospen, Küßt die erwachenden, Daß sie als Blüthen
Grüßen den Tag. Kommt es auf Flügeln Sausenden Sturmes, Bricht es die Knospen,
Streut es zu Boden Blüthen und Laub. Klänge der Nachtigall, Kundig der vollsten
Holdesten Töne, Mühelos, rastlos Singend der Nacht; Ist es der Freude
Jubelnde Feier? Klänge der Nachtigall, Singen sie Klagen? Künden sie Lust?“
Stimmen der Nacht! Schön in des Mondes Und der Gestirne Silberner Dämmrung
Ueber dem Strom Tönet das Rauschen, Säuselt der Windhauch, Dringt aus den Blüthen
Rufender Nachtigall Schmetterndes Lied! Was sich dem wachenden Erdegebornen
Schmeichelt als Wohllaut, Lächelt als Friede Durch das Gemüth: Laßt ihm der Sterne
Flimmernden Abglanz Ueber der Fläche! Laßt ihm der Täuschung Freundliches Bild!
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