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1860

Gesang der Wandervögel

Otto Roquette

Die Blätter fallen, die Haid' ist kahl, Wir ziehn mit dem Sommer aus nebligem Thal Durch des sonnigen Aethers Geleise. Die Augen der Liebe sie folgen dem Flug,

Sie geben uns Scheidenden Grüße genug Auf die weite, die luftige Reise. Ob Wolken ihn bergen, wir kennen den Pfad Zum Süden, zum Süden, zum blauen Gestad,

Wo die Welle sich sonnt in den Buchten. Da singt der Matrose sein abendlich Lied – Ein Gruß von der Liebsten herüber dir zieht Aus des Nordens heimischen Schluchten!

Willkommen! Leb' wohl! Sei gegrüßt, und ade! So geht's durch die Länder und über die See Mit immer beweglichem Flügel. Wir sind unter Palmen und Linden zu Gast,

Doch schenkt kein Süden uns ewige Rast, Kein Norden knüpfet uns Zügel. Wo die Heimath ist, wir wissen es kaum. Ach, da droben wohl, im unendlichen Raum,

Dem froh wir die Schwingen vertrauen! Denn Sehnsucht zieht uns und Hoffnungsglück Zum Aether, zum hohen Aether zurück, Das bessere Land zu erschauen.

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