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Das XXVI. capitel.

Georg Rollenhagen

"Es hat zwar bei der alten zeit Des fallen flug groß glück bedeut, Und wer einen wiesel erblickt, Prophezeit daraus ein unglück;

Mich aber bringen sie in not, Deuten mir beid gefar und tod. Der wiesel ist so gar gescheit, Das er auch verendert sein kleid,

Damit man sich nicht scheuen soll Und ihm durchaus vertrauen wol; In der jugend tregt er schön braun Nach seiner wunderlichen laun,

Darnach vermengt ers gar mit fleiß, Aufs alter wird er gar gelbweiß, Das auch das hermelein, sein vetter, Nicht geputzt ist schöner und gletter.

Kröch der schalk in ein zobels balg, So bleibt er doch darin ein schalk; Der wolf verendert nur die har, Der untreu sinn bleibt immerdar.

Er steckt so voller böser list, Wenn ich mein, das er nirgend ist, So lauschet er heimlich an eim ort, Wartet da auf sein raub und mord,

Und wo er sonst niemand erreicht, Ins loch er uns schelmisch nachschleicht, Fürt den wirt und wirtin gefangen, Kann er sie mit dem maul erlangen.

Darum der baursman seiner schont, Dem er doch auch mit undank lont, Wenn er der ku das euter beist; Der baur den possn ihm wider reist

Und zeugt ihm aus das bunte kleid, Bindets auf die verwundte seit, Wie man scorpionöl aufbindt, Da ein der scorpion verwundt,

Und des hunds har legt auf den riß, Den er aus zorn eim andern biß, Davon der schaden wider heilt: So wird der ablaß recht geteilt,

So schadet meist der böse rat Demselben, der ihn geben hat; Denn wer eim andern fallstrick legt, Sich selbst darin zu fangen pflegt. –

Kneiper der falk ist ser geschwind; Wenn wir am allersichrsten sind, Halten unsere tenz am fest, Aus der luft er sich niderlest,

Wie der bös geist so greift er an, Fürt hinweg was er fassen kann. Diesen verfluchten bösen brauch Folgen sein om und schweger auch,

Habicht, sperber, eulen und weien Fressen van meusen wen sie kreigen. Allein der adler uns nicht tut, Hat dazu viel zu großen mut.

Solche feind, elend und beschwerden Haben wir meus auf dieser erden, Leider so groß und so geschwind, Das man schwerlich ein tierlein findt,

Dem beides die luft und die erd So viel schedlicher feind ernert. Aber wir können nichts dagegen, Sein uns mit manheit überlegen. –

Wir hielten zwar oftmals reichstag Und bedachten manchen ratschlag, Bis das ratsam ward angesehen: Weil ihm niemand mag widerstehen,

Solt jeder sich fleißig bewaren, Auf dem notfal die flucht nicht sparen. Das wir auch wol nemen in acht, Ein gut man hat laufen erdacht.

Das aber fortgieng desto baß, Murner uns nicht verlegt den paß, Solt man der katz und ihrn gesellen Ein halsband anlegen voll schellen,

Das wir sie hören einher treten, Wie der Jüden hohpriester teten, Und uns denn hüten bester weis. Der ratschlag der behielt den preis,

Den lobten die jungen und alten, Nach den solt sich ein jeder halten. Aber wie es zum treffen gieng, Vom rat zur tat endlich anfieng,

Da wolt es niemand ins werk stellen, Der katzen anhengen die schellen; Ein jeder schonet seiner haut, Fürm tod ein jeden billig graut.

So bleibts noch im vorigen stand, Bis uns errett die gotteshand, Schickt uns wider die katz ein man, Der ihr die schelln anhengen kan;

Den müssen wir mit geduld erwarten, Das spiel, so gut wirs haben, karten Und von unerheblichen dingen Uns nicht mit sorg ums leben bringen. –

Davon hab ich ehemals gelesen, Es sei ein frommer vater gewesen, Der um seinen verstorbenen son Nicht mer anschauen wolt die sonn,

Sondern kroch in ein finster eck, Satzt sich nider in staub und dreck, Als wenn er gar verzweifeln wolt. Dem war ein hochgelarter hold

Und tröst ihn, das er sich nicht quele, Er könt ihm seines sones seele Durch seine kunst herwider bringen Mit gar schlechten geringen dingen,

Wenn er ihm nur drei namen sagt Der leut, so nie weren geplagt, So nie unglück und leid erfaren, Sonder alzeit in freuden waren.

Der vater gedacht hin und her Und sprach: Das wolt mir sein zu schwer; Wo findt man einen in der welt, Dem nichts widerwertigs zufellt?

Da sprach zu ihm der hochgelart: Wie seid ihr denn so gar verkart, Das ihr etwas bessers begert, Denn sonst die ganze welt erfert?

Ihr müst selber auch endlich sterben Und mit uns allesamt verderben, Es sei euch gleich lieb oder leid, Es geb freud oder traurigkeit.

Darum last ab von solchen sachen, Die kein weisheit kann anders machen, Last ruhen die zu bett sein gangen, Bis die ordnung an euch wird langen.

Wolt ihr euch aber hochbewerben, So lebt so, das ihr wol mügt sterben! – Diesen rat halt ich erenwert, Leid guts und bös wies got beschert;

Es helts doch got so ingemein, Das bei eim glück zwei unglück sein, Bei einem nutz zweierlei schad, Geduppelt straf auf enzel gnad,

Von wegen unser großen sünd, Die mer denn tausendfaltig sind. Darzu weiß der narr kein geschick, Tobt wie ein rasend hund am strick,

Trauret und klaget nacht und tag Um das, was er nicht endern mag, Und macht sein kreuz noch eins so schwer, Denns sonst wol an ihm selber wer.

Aber der weise sich nicht sperrt, Sein eigne wund nicht weiter zerrt, Wendet das best herfür am kleid, Verhelet wie er kan sein leid,

Deckt zu was er nicht heilen kan; Das hab ich bisher auch getan. Wer im unfall faßt ein gut herz, Empfindt nicht halb seins leidens schmerz.

Das herz abr ist das allerbest, Das sich alzeit auf got verleßt, Auf got hoffen nimmer gerauet, Wer got vertraut, hat wol gebauet,

Wer auf got hoffet hie auf erden, Wird nimmermer zu schanden werden." Also beschloß herr Bröseldieb Und sprach: "Das ists, das euer lieb

Wissen wolten von unsern sachen; Kürzer hab ichs nicht können machen, Und hoff, es sei mir on gefer, Eur lieb sei mein gnediger herr."

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