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1575

Das XVIII. capitel.

Georg Rollenhagen

"Spots haus abr auch redlich anbrant; Denn als ich reiset über land, Komt zu meim weib ein fremd meraff, Angetan wie ein reisend pfaff,

Mit beutel, mantl und breitem hut, Vertröst sie auch auf großes gut, Das in mein keller wer vergraben, Wer ihr beschert, sie solt es haben.

Und zeigt ihr damit ein krystal, Daraus man dies erkennet all, Wenn man sie legt auf ein gemeld, War in eim cirkelrund gestelt

Mit ischros, hothios, hagion, Hieß die nachtlampen Salomon, Und las daneben im latein: Gold, silber und al schetz sind mein,

Aller völker hofnung wird kommen; Alsdenn würd der schatz ausgenommen. Das er alles gelernet hatte Von Grauröcklin auf dem glückrade;

Denn als ihr zwölf im dorf umtraten, Am christabend ein zerung baten Und auf drei tag zu gring empfiengen, Darum betrübt zum dorf ausgiengen;

Wer fürn wald zu ihn geschlichen an Im graurock ein klein alter man, Gesagt: wenn sie ihm folgen wolten, Al heimlich schetz sie finden solten;

Nur das sie in der mitternacht, Von eilf bis der morgen erwacht, Mit ihm auf dem glückrad umfüren; Der zwölft aber würd sich verlieren,

Die andern on al gefar Im reichtum leben al ihr jar. Er hieß Grauröcklein, wüst die kunst, Wolt ihn die mittheilen aus gunst. –

Nach mancherlei fragen und sagen Wer geschlossen, sie woltens wagen; Ihr einer wolt viel lieber sterben, Denn das sie all sollen verderben,

Elend verachte betler sein, Wie bei kriegsleuten wer gemein. Die könten nicht alle gleich werben, Einr muß bleibn, der ander sterben.

Darauf sie Grauröcklein zuletzt Auf ein ser weit groß rad gesetzt, Das oben in den lüften schwebt, Nach der breit wie ein wolken webt,

Und oben feur, unten ein flut, Als sehe man in die hellenglut Auf mancherlei grausam gesicht, Sie zu erschrecken angericht.

Er het auch mit der linken hand Das rad links umtrieben am rand. Dennoch dürft keiner ein wort sprechen, Oder er wolt ihm den hals brechen.

Endlich hat er einen genommen, Ihr eilf wern mit der kunst heimkommen, Wider gesetzt an ihrem ort. Davon log er viel wunderwort. –

So man doch sonst kein glückrad weiß On der zwölf tier und heuser kreis, Ueber erd, mer und tier gebogen Und alzeit links herumgezogen:

Ein haus den tod und hell bedeut, Die andern gut odr mittel leut; Wie die sonn ihren lauf drein helt, Das jar glück und unglück bestelt

Neben den sternen und planeten, So ihr vorgehn oder nachtreten, Wie das got, nicht der teufel treibt, Sofern man bei got helt und bleibt.

Wer das weiß, heimlich schetz verstehet, Mit heimlichen sachen umgehet, Als die sternseher sonst sagen Und ander für merlein umtragen. –

Darnach gieng er mit ihr da sitzen, Da der keller den schatz solt schwitzen, Las aus dem evangelio Johannis in principio.

Als er eingeweihet den raum Mit cirkeln, kreutern, heiligtum, Sie must ihn auch an allen ecken Mit einem altartuch bedecken,

Auf jeder spitz ein geweit licht brennen, Nichts sagn on was der pfaff würd nennen; Denn wenn der schatz itzt herfür brech Und man ein wörtlein dabei sprech,

So gieng er bald wider zu grund, Odr würden kolen aus dem fund. Das nun der feind ein wort erzwingt, Man seltsam gesichter vorbringt:

Wie er in der christnacht erfaren, Da drei kaninchen bei ihm waren, Und auf eim hügel saß der has, Etlich psalm und gebetlein las

In eim dazu gemachten ring, Darin kein gespenst zu ihm gieng; Dafür er sich auch drückt ins gras, Meint, niemand sehe das er da was.

Denn als nach seinem spruch und schwur Der schatz so hoch zu tage fur, Das ihn die kaninchen ausgruben, Mit einer eck den kasten huben,

Auch eins mit füßen darauf sprang, Das der has hört der gülden klang, Bracht ein leu ein gabel getragen, Als wolt er den hasen erschlagen,

Warf sie doch nider auf die erd, Satzt sich, das gsicht zum hasen kert. Bald ein ber noch ein gabel bracht, Warf sie zu boden, das es kracht,

Setzt sich dem hasn zur andern hand. Ein wolf zuletzt sich auch herfand, Trat dem hasen vorn ins angesicht, Ein dicke stang gar hoch aufricht.

Darnach der leu sein gabel satzt Bei dem hasn ins land, das es platzt, Das sand und rasen umher gossen Als het er ins wasser gestoßen.

Desgleichen tat ihm nach der ber. Der wolf legt sein stang in die quer Uebr beide gabeln solcher art, Das ein galg aus drei stücken ward.

Endlich zog der leue nach der lenge Aus seiner tasch viel strick und strenge, Sprach: Was bedenket ihr euch lang? Das best ists, das der has erst hang!

Der has hat all segen gebet, Die er sein tag gelernet hett, Und war nun für schrecken halb todt, Wust kein rat noch hülf in der not

On das er eilend sprang davon, Rief laut mit erbermlichem ton: O du lieber himlischer vater Bewar mich für die drei lolkater!

Darauf wer ihr schatz bald verschwunden Und hernach nie wider gefunden. Darum müß der, wer schetz wolt kreigen Nur heimlich beten und sonst still schweigen. –

Darnach, weil gold gold an sich zog, Ein silber das ander bewog Ein edelgstein zum andern fellet, Denn gleich zu gleich sich gern gesellet,

Müst gold, silber, edelgestein Für allen dingen dabei sein, Insonderheit das patengeld, Das den kindern wer zugestellt,

Ein westerhemd sich auch geziemt Darin man die taufkinder nimt. Mein weib alles getreulich holt Was er dazu nur haben wolt.

Da legt er sein alraun und kraut, Sie legt die kleinod in die raut, Bedeckt sie mit dem westerhemd. Nun sprach er: Kein schimpf dafür nemt,

Und betet mit mir in andacht, Der schatz wird ankommen mit macht! Mein weib von ganzen herzen bat, Got wolt ihr nur geld geben satt,

Er solt ihr das gewiß vertrauen, Sie wolt ein jungfraunkloster bauen. Er aber volfürt seinen spruch Und sprach mit aufweisen aufs tuch:

Elli, kelli, kuhkelbrio, Ix, six, lur lix, guck geldrio. Der wort macht er gar mancherlei Und schreib der kreuz ser viel dabei. –

Als das gebet auch war volbracht, Zog er das altartuch mit macht, Als zog er an eim schweren wagen, Doch nur zum possn, wie ich wil sagen,

Ob es nicht willig folgen wolt, Und sprach: Es fordert noch mer gold, Es ist noch etwas in dem haus, Das muß man auch bringen heraus!

Die frau schleunig wider hingieng Und las zusammen etlich ring, Die ihr vertraute freunde gaben, Ihr gedechtniß dabei zu haben,

Die must sie auch selber verstecken Unter des altartuchs vier ecken, Und nun beten zum andern mal, So würd sich der schatz finden all.

Das tuch wolt aber noch nicht weichen, Man must der kleinod mer darreichen. Da sprach mein weib: Es ist alls dar Was in meiner verwarung war,

On was die kinder tragn am hals. Er sprach: Geht hin und bringet alls, Es wird bezalet tausendfacht, Ihr kriegt mehr geld, denn ihr gedacht.

Das bracht sie auch, legts oben auf, Damit erfüllet ward der hauf, Und betet noch zum dritten mal; Aber das tuch klebt noch am sal. –

Da sprach er: Der schatz hengt dran, Es helt ihn aber ein teufelsman. Den muß ich mit einr würzl abtreiben. Ihr wolt alhie ein wenig bleiben,

Ich laß bei euch mantel und hut, Hol die wurzel, sie ist ser gut, Treibt das gespenst von allen dingen, All schloß müssen dafür aufspringen.

Sie steht unter der nechsten eich, In einem sprung ich die erreich, Im augenblick ich widerkom. Damit sprang der meraff davon. –

Mein weib ward bei dem beten bang, Dieweil der pfaff ausblieb so lang, Legt auf das westerhemd die hand, Ob sie ihr kleinod auch da fand.

Abr da fand sie nichts on die post, Die sie zuletzt auflegen must, Und mancherlei wunderlich kraut. Es war dem hund die wurst vertraut.

Der aff hat alles eingesackt Und sich damit davon gepackt, Das pfaffenkleid zu pfand gelassen: Schaut, so kam mein weib auch zumaßen. –

So würden wir dabei gebracht, Das nun einer des andern lacht, Das wir nach dem schatten geschnapt Und einander das fleisch ertapt.

Was sol ich klagen! hin ist hin, Sonst wer ich reicher denn ich bin. Mit schaden must ich werden klug: So giengs als mich der geiz betrug."

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