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Das XVII. capitel.

Georg Rollenhagen

Fürst Rana sprach: "Ja herzlich gern, Denn bei unsern könig und herrn Will ich lassen mein leib und leben Und euren rat nicht widerstreben.

Nur zwei ding ich darinne find, Die mir etwas bedenklich sind: Das erst ist der fremde beistand, Das ander der krieg in fremden land.

Was nun die fisch zuerst angehet, Halt ich, das der bund nicht bestehet, Weil sie nicht können bei uns treten, Wenn wir zu land zu kriegen hetten,

Und ihr on des alsemtlich wisset, Das hecht, wels, krebs uns selber frisset, Ja sind so untreu bösewicht, Schonen ihrs eigen volkes nicht.

Wer mechtig ist, wird auch vermessen: Groß fisch alzeit die kleinen fressen. – Der krieger muß auch wol zusehen, Das die, so bei ihm wollen stehen,

Von herzen seine freunde sein; Sonst wird er bloß stehen allein. Es ist aber der freundschaft kron Einigkeit in der religion,

Der glaub schmelzt zusamen die herzen, Es sei im ernst oder im scherzen. Weil wir nun mit Beißkopfs gesind Der religion nicht einig sind,

Wie dürfen wir ihn wol vertrauen, Unsern sieg auf ihrn beistand bauen Und nicht sorgen, das sie uns hassen, Dem feind untreulich überlassen,

Dieweil sie uns nur ketzer nennen Und noch frei öffentlich bekennen, Es sei ihm gwissen frei gestallt, Das es den ketzern glauben halt?

Köntn sie uns all im löfl verseufen, Sie würdn kein zober dazu keufen. Ja unter ihn man ser viel findt, Die mit einander uneins sind;

Drum hat jeder ein besonder kleid, Damit man seh den unterscheid. On darein stimmn sie überein, Das ihr Beißkopf soll könig sein. –

Man sagt, die hund hettens gewagt Und ehemals den wölfen entsagt, Sich gesamlet mit solchen haufen, Das die wölf all wolten entlaufen,

Bis ein alter den berg angieng, Von fern die hund zu sehn anfieng Und sprach: Ihr wölf, seid wolgemut, Unser sach will noch werden gut!

Ihr dürft nicht um ein herlein weichen; Denn wie ich anseh die feldzeichen, Jedr hund hat sein eigen manier Zum kleid, zum feldzeichen und zier;

Gewiß die köpf nicht einig sind, Uneinigkeit abr nicht gewint. Das gspöt werden die meus auch haben, Wenn sie ansehn die bunte knaben:

Der ein ist schwarz, der ander weiß, Der drit blau, rot geteilt mit fleiß, Der grau, der fal und der gestricht, Einer tregt schue, der ander nicht,

Einer ist kal geschoren gar, Am andern ist kein erlich har. Die erfarung auch zeugen solt, Das sie keim fürsten blieben hold,

Schmierten ihn mit honig das maul, Gaben dreck darein, das stinkt faul, Schlugen sich zu dem starken teil, Ließen den freund zappeln dieweil. –

Darum rat ich, man laß sie sein, Und wir füren den krieg allein. Was wolten wir verzagter sein, Geringer achten unser gemein

Denn die feldflüchtigen heuschrecken, So all land durchziehn und bedecken Und lassen ihn kein menschen weren, Bis sie alle gewechs verzeren,

Ob sie gleich sind werlose knaben Und keinen fremden beistand haben! Als wir auch ehe mit unser rotten Aus India die Attariotten

Und die bürger in Gallierland Vertrieben mit werloser hand; Die Paeonier und Dardanen, Die Egypter mich auch vernamen,

Das Pharao widr unser macht Nichts denn gottes beistand aufbracht. Nur das wir selbst wol einig sein! Davon fellt mir der handel ein,

Das ein vater, als er vernommen, Das sein sterbstündlein wolt ankommen, So viel pfeil nam als er sön hette, Fordert auch seine sön fürs bette,

Sagt, er hett ein bund pfeil gemacht Und als zum testament bedacht, Welcher son das kunte zubrechen, Dem wolt er all sein gut zurechen.

Der eltest nam das bündlein pfeil, Versuchts zu brechn ein gute weil, Wie auch die andern bis zum letzten All ihr vermögen daran setzten,

Konten aber gar nichts erheben, Mustens dem vater widergeben. Da zuriß der vater das band, Gab jedm einen pfeil in die hand.

Als jeder seinen leicht zubrach, Der vater zu ihn allen sprach: Seht, lieben sön, ihr lieben kind, Wenn euer herzen einig sind

Und ihr euch trennet nimmermer, So bleibt ihr wol bei gut und er; Halt ihr aber zweitrechtig haus, Einer will hie, der dort hinaus,

Keiner will den andern vertragen, So seid ihr geschendt und geschlagen. Wenn auch eur gut bleibet beisamen, Ihr davon teilet die aufnamen,

So habt ihr allezeit vollauf; Sonst wird so klein eins jeden hauf, Das jeder bald den seinen frist, Bis das zuletzt nichts übrig ist. –

Mein vater gab mir auch die ler, Ließ seinen leibhengst ziehen her, Befal, ich solt fassen den schwanz Und auf einmal ausrücken ganz.

Als ich das zu tun nicht vermocht, Fragt, wenn ichs denn also versocht, Das ich alzeit nem wenig har, Bis ich sie auszog alle gar?

Antwort mein vater: Lieber son, Wiltu nicht behalten ein bon Von allem was ich dir verlaß, So regier dich auch gleicher maß,

Mach ein stück nach dem andern los, So wirst endlich gar arm und bloß, Deins gleichen spot, deins standes schande, Ein fluch und greul im ganzen lande.

Die ler gab der vater den sönen, Den er wolt guts raten und gönnen. Des freundes rat ist gottes stimm, Den rat von deim vater annimm.

Ihr sön, bedenkt auch diese ler, Das ist mein rat, eur nutz und er. – Darum, sprach Rana, sag ich das: Einigkeit je das beste was,

Beides im frieden und im krieg Behelt die einigkeit den sieg. Wenn wir unter uns einig bleiben, Sollen die feind uns nicht vertreiben. –

Jedoch ist auch vorsichtigkeit In sachen gut zu aller zeit. Wir müssen unser glück und heil Nicht setzen aus allem vorteil,

Rücken in ein unbekant land, Da wir bald werden gar berant Und in der not von neuen knaben Weder beistand noch zuflucht haben.

Wir wollen folgen demselben rat, Den der könig erst geben hat, Und am ufer den feind erwarten, Sie tapfer klopfen auf die schwarten

Oder in unserm see ertrenken, Das kindes kind daran gedenken. Nur das man schleunig darzu tu Und alle notdurft richte zu,

Rüstung und wer, emter befel, Wie man die ordnung auch anstell, Wer zuerst sol den angrif wagen. So wollen wir in kurzen tagen,

Ob got will, preis und er einlegen! Meine faust will ich tapfer regen, Bis ich erfar, wie mich getreumt, Das unser könig die meus zeumt

Und in das wasser mit ihn rant, So ward gelöscht ihrs zornes brand." Der könig sprach: "Das ist ein man, Der raten und auch schließen kan!

Da bleib es bei. Nun höret zu! Wenn der tag anbricht morgen fru, So kom jeder hie wider her, Gerüst mit seiner besten wer,

Und erwart denn ferner bescheid, Worauf und wenn er sei bereit." Damit furen sie frölich abe, Da war keiner so schlimmer knabe,

Der nicht anfieng prechtig zu sagen, Wie viel er wolt der meus erschlagen, Wie er nur wer so unverzagt. Darauf ward die rüstung gewagt.

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