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1575

Das XVII. capitel.

Georg Rollenhagen

"Als ich, sprach Reink, die kunst und wort Selber mit anschauet und hort, Ward mir das herz so groß im leib, Als wenn ich wer ein schwanger weib.

Nur königreich und fürstentum Warn mein gedanken und mein rum. Die warn zum kauf odr krieg nicht schwer, Ich wolt keim herren dienen mer;

Mein freund auch wolt ich al ergetzen, Solten auf mich ihr hofnung setzen, Sich nicht lassen der weil verdrießen, Würden meiner reichlich genießen:

Das ich in frölichen gelagen Ihn allen pflag tröstlich zu sagen, Weil ich nun selber geld und gold So viel machen könt als ich wolt. –

Darum nam ich von weib und kind Und allen, die mir verwandt sind, Was ich von reinem gold bekam, Bei vier tausend gülden zusam,

Und macht mein rechnung, das damit Erjagt wurden auf einem rit Sechzig mal hundert tausend ander, Als ehemals der große Alexander

Auf seines freunds begrebnus wandt, Als Caesar zu Rom barschaft fand, Als David ließ dem Salomon, Damit man kauft eins königs kron.

Ich baut auch für mein schloß heraus Ein musterlich distillirhaus Und schaft darein allen vorrat, Den man zu solchen sachen hat.

Der münch sich auch großmütig stelt, Verschmiert im krug etwas vom geld, Ließ mich und mein weib mit zuschauen, Und das wir nicht solten mißtrauen,

Musten wir beid der büchsen mund Wol versiegeln viereckt und rund, Damit mans nicht von ander setzt, Die siegel würden denn verletzt.

Also bracht er das gold zum feur. Uns aber war kein schleck zu teur, Kein wildbret, wein, wurz und confect, Das er gern aß, gern trank und leckt,

Wir kauftens und gabens ihm frei, Das er kein fleiß sparet dabei. Wir musten auch noch leiden das, Wenn er bei unser tochter saß

Und sonst verborgen hendel fürt, Die zu sagen sich nicht gebürt. Was auch mein Weib ihm hat getan, Da schreibet Lucas nicht viel von.

Bis das der zehend monat kam Und er die büchs zum feur ausnam, Zeigt uns al unser siegel ganz, Des goldes rubinfarben glanz

Und sprach: Nun mangeln nur drei tag, Das man: gewonnen! rufen mag. Der rubin wog beinah vier pfund, Dreitausend gülden war der grund,

Damit er drei tag schmelzen solt, Bis das er sich verlör im gold. Ich rief dazu das fromme lam, Unsern pfarrer Bellin Herman,

Das er nun selbst anschauen solt, Was er zuvor nicht glauben wolt, Wenn er mir meinen alchymisten Immer schalt für ein bösen christen,

Dem ich nicht solt zu viel vertrauen, Oder es würd mich endlich rauen. Er must sprechen segn und gebet, Ob ers gleich darübr ungern tet.

Der meister fiel selber auf die knie, Sagt: sein kunst het gefelet nie, Got wolt ihn diesmal auch nicht lassen! Daraus must ich ein herze fassen,

Satzt mich bei meinem weib zum feur, Sahe mit an die groß abenteur, Das der krug, auf stücken zusprang. Mein weib bestürzt zur erden sank,

Ich schrak, als ob einfiel das haus, Der pfarrer lief zur tür hinaus Und unser schätz fiel in den grund. O wehe, rief der münch, dieser stund!

Was mögen für sternen regieren, Das wir ein königreich verlieren? Was solt ich tun, was solt ich machen? Ich must aus zorn der torheit lachen,

Das ich zuvor Salomon war Und jetzt ein betler und ein narr. – Als aber das schrecken und zorn Sich widrum ein wenig verlorn,

Fragt ich den münch: Was woln wir nun Zu den verlornen sachen tun? – Er sprach: Seid ihr nur unerschrocken; Ich wil widr aufklauben die brocken

Und das werk von neuen anfangen, Es ist mir nie so übel gangen. Ich bin, got lob, derselbe man, Der tausendfalt einbringen kan. –

Er schwur auch manchen schweren eid: Es solt ihm werden ewig leid, Er wolt gots angesicht nicht schauen, Wenn ich ihm nicht dürft künlich trauen!

So must ich noch zehen mond zusehen, Abr es gieng wie zuvor geschehen. – Drauf er sich beklaget ser, Es wer auch in der alten ler;

Das man es nach den sternen macht, Das het er zuvor nicht bedacht. Denn wie die leib weren one leben, Wenn ihn die felen nicht macht geben,

So weren kraftlos alle ding, Wenns himmels licht und lauf vergieng. Niemand müst auch kommen dabei, Der mit unzucht umgangen sei.

Die schmelztöpf müsten auch so halten, Das sie die hitz nicht könt zerspalten. Und wenn das feur nicht jederzeit Beim topfen leg gleich stark und weit,

Weren die koln nicht einer art, Nichts guts denn aus der erbeit ward. – Was solt ich tun, ich armer man? Ich hat das spiel gefangen an

Und den münch auf den hals geladen Und bekommen den schimpf zum schaden! Es wolt doch nicht helfen viel fluchen, Ich must daran das letzt versuchen,

Wie der spieler nicht ehe abließ, Bis ihms der ledig beutel hieß. Der hund muß nach dem schatten gaffen, Bis ihm das fleisch seit aus der laffen

Und sinkt im tiefen see zu grunde, Lest ihn nachsehen mit ledigm munde. Und schickt damit hin in Welschland Zu eim Guido Bonat genant;

Der schrieb mir tag, stunden, minut, Wenn es wer anzufangen gut: Als zu mittag und bald hernach, Wenn ins widders oder leun gemach

Im merzn odr ernt die helle son Glücklich anblickt den halben mon Odr aus eim zweileibigen zeichen, Das kein bös aspect sie erreichen,

Wenn Jupter, Venus, Mars daneben Ihn beispringen, gut zeugniß geben. Ich ließ auch niemand dazu gehen Oder auch nicht von ferne zusehen

On den münch allein und den knaben; Ich kam selbst nicht, wolt ers gleich haben, Und kauft ein büchs von festem eisen, Darin solt er die kunst beweisen.

Ich ließ auch ziegel und eisenstein Und viel hammerschlag reiben klein Und mit eierweiß wol durchkneten, Damit die büchs fest zu verlöten.

Ich wandt an koln auch allen fleiß, Ließ ihm mit dein feur seine weis. Als aber dies war alls geschehen, Und wir mit verlangen zusehen

Da kam uns an ein großer graus, Die büchs fur hoch zum schornstein aus Und verfiel in dem tiefen see. Ich sprach: Der Teufel wag es mehe!

Es ist geld und arbeit verlorn! Und gieng davon im großen zorn. Indes nam der münch seinen raub Und macht sich damit aus dem staub,

Als het ihn ein bös geist gefürt, Ich hab ihn auch nirgend gespürt. Sein knaben aber ließ ich fangen; Der berichtet, wie es wer gangen,

Und was er für handgrif gewüst, Got geb, das ers am galgen büst! Wie er des leims braucht zweierlei: Den ersten brech er leichtlich entzwei,

Den andern schmiert er letzlich an, Wenn das geschir solt ledig stan; Wie er mit festem kit die siegel All abgedruckt het von dem diegel

Und das gold heimlich ausgefürt, Auripigment darein verschmiert, Das sich oben an topfen hengt Und die rubingestalt empfengt,

Zuletzt quecksilber und anders viel Das die büchsen zersprengt on zil; Wie er ein pfriem het, der wer hol Zur seit mit wachs verschmieret wol,

Daraus zur kleinen prob und rest Ein goldpulver ablief ins test; Wie er gold im schwefel verbackt, Wie ers im quecksilber verstackt,

Das aus seim ermel gold drin lage Wenn man sichs am wengsten versahe; Odr macht aus gold schwarz hammerschlag, Sagt, es wer orientisch lack;

Odr auch ein hol kolen herbracht, Ins feur setzt, sagt, er hets macht; Wie er die gülden fürt ins bad, Ließ sie ausschwitzen etlich grad

Und gab in quecksilber gewicht, Das man den betrug merket nicht; Von diesen und dergleichen sachen Wolt er quecksilberwasser machen,

Das alle metallen purgiert Und gold odr silber daraus würd; Ja wie er geld aufnem von fremden Als woll ers auf sein schmelzwerk wenden,

Verschwendts, vergebs mit solchen worten: Solchs drecks fünd man an allen orten; Wer seine weisheit het und kunst, Acht weder geld noch herrengunst!

Das solt ihm ein ansehen machen Und vertrauen auf seine sachen Und der schelmstücken mancherlei, Gericht auf eitl betriegerei,

Das ihm ein groschen trag der scherf, Die bratwurst ein speckseit abwerf. Er hat auch, wenn sein knab ihn fragt, Warum er meineid schwur, gesagt:

Kinder sol man mit zucker stellen, Die alten mit eidschweren fellen. Also het er ser viel belogen, Verfürt, bestolen und betrogen,

So ihre köpf elendig hiengen, Für großer armut betteln giengen; Blieben sie aber etwas bieder, Erzt weren oder seifensieder,

Odr sich derselben kunst beflissen Und ander leut widrum beschissen. Ihr wenig apotheker worden, Erwelten ihren rechten orden,

Denn dazu solt man alchymisten, Wie sie denn on das ser wol wüsten, Das bei der apothekerei Die kunst ser hoch zu loben sei. –

So macht ich gold, got seis geklagt, Und werd von meim weib wol geplagt, Wenn sie mir sagt von gülden worten, Dadurch ihr gülden aschen worden,

Von meinem Salomonis schif, Darin mein gold nach India lief, Das lapis philosophicus Endlich spittaloficus.

Got geb dem, der rauch bringt zu kauf, Das er im schwefelrauch ersauf! Als kaiser Alexander flucht Und an seinem diener versucht."

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