"Darum, sprach Graukopf, rat ich nicht, Wie denn nach der leng ist bericht, Das wir also den könig meiden Und keinen oberherren leiden;
Das überall der gmeine man Solt sein frei tun und lassen han, Oder es wird uns auch geschehen Wie es den fischen pflegt zu gehen,
Die sich aus der pfan wollen schwingen Und damit in das feur abspringen; Wie jener wolt der trüpf entgehen Und kam in platzregen zu stehen.
Viel nützer ist die mittelstraß, Das man kein tyrannen zulaß, Die übermeßige freiheit Auch nicht verfür gemeine leut.
Weil die tyrannen zu weit gehen, Und gemeine leut nichts verstehen, Nur mit der tür fallen ins haus, Welchs beides übel geht hinaus;
Sondern das man den mittelstand Mit fleiß ersuch im ganzen land, Daraus die allrbesten erwel, Ihnen das regiment befel,
So viel man dazu tüchtig acht, Und geb ihnen ein gleiche macht, Das einer on des andern rat Und volwort nicht zu gebieten hat,
Und alles, was man schließ im reich, In aller nam gescheh zugleich. Das ist mein rat auf diesen fall, Hoff, ihr solt mir beifallen all. –
Denn das ist je gewißlich war, Die ursach ist on all gefar, Das ja die allerbesten leut Das best raten zu aller zeit,
Das fromme erbare regenten Der bösheit steurn an allen enden, Das gerechtigkeit den platz behalt, Da die gerechten han gewalt.
Denn wie jeder geartet ist, So ret und tut er jeder frist, Und wies die herren stellen an, So folgen auch die untertan;
Die reuter folgn ihrs obersten sitten, Gleichwie sie nach der trummet ritten. Dieweil aber kein weiser war, Der es könt treffen immerdar
Und nicht einmal etwas anfieng, Damit er ein torheit begieng, Das ihm etwa mangelt bericht; Oder kan den ausgang treffen nicht,
Darauf er sein rechnung gemacht, Das übl geret, was wol bedacht; Oder das ihn sein herz verfürt, Wenn der affect die witz regiert,
Und nachmals sag, wenns ihm geraut: Das hett ich warlich nicht getraut! Wie denn kein weiser kopf gewesen, Den nicht der narr hett überlesen.
So dient dazu auch dieser rat, Der solch mittel dawider hat, Das man einem das regiment Nicht allein stellet in die hend,
Sondern von auserlesen mannen Setzet eine anzal beisammen, Das ander stets zuwider stehen Denen, die zu weit wollen gehen,
Sie in guter ordnung behalten, Lassen sich nicht vonander spalten; Oder der gröste hauf denn schleust, Obs gleich ihr wenigen verdreust.
Denn vormutlich ist dies das best, Was ihm die meng gefallen leßt Unter den allerbesten leuten; Obgleich wenig feilen zu zeiten.
Weil zwei augen mer sehn denn eins, Das sich im fried trenne ihr keins Und auch in widerwertigkeit Wider den feind teilen den streit,
Das einer hie, der ander dort Schaden vorhüt an allem ort, Ander daheim im regiment Ihm auch reichen hülfliche hend,
Und also auch in diesen sachen Viel hend ein leichte erbeit machen, Die einr allein nicht mag erheben. Kein bessern rat weiß ich zu geben. –
Und das ein solche policei Für andern all die beste sei Und über alle hoch zu preisen, Darf man nicht weitleuftig beweisen,
Dieweil got selbst in dieser welt Dies für die beste ordnung helt. Denn als got von den elementen Auch wolt eins setzen zum regenten
Unter den untersten naturen, Vorzustehen uns creaturen, Bedacht er zu derselben zeit In seiner höhesten weisheit,
Es wer nicht gut, das eins allein Mer denn ander solt mechtig sein. Denn das feur würd alles verbrennen, Das wasser alles überrennen,
Die erd alles ganz unterdrücken, Der wind alles reißen auf stücken; Darum solten sie in dem reich Einer dem andern sein geleich,
Das die erd kont den winden weren, Das wasser des feurs flam verzeren, Dennoch die luft mit ihrem odem Das wasser trüg samt dem erdbodem,
Und die drei wind und narung geben, Das feur alles wermte zum leben; Also getreu brüderschaft spielten, Aller dinge wesen erhielten.
Wie die erfarung geben hat, Das dies noch bleibet gottes rat Und muß bleiben bis auf die stund, Bis himmel und erd gehn zu grund. –
Wenn wir nun, als wir billig sollen, Diesem exempel folgen wollen, So welen wir, anstat der erd, Welcher ernst man helt erenwert,
Die so fest auf die tugend halten Und was gerümet ward bei den alten, Das man die sonn ehe zurück brecht Denn das man sie bereden möcht;
Für das wasser freundliche leut, Die man erzürnt zu keiner Zeit, Von welchen die kunst wird geert, Die alle ding zum besten kert;
Anstatt des feurs manhafte held, Denen kein mutwill wolgefellt, Die nachdrücken mit ernsten strafen, Wenn sonst kein mittel will rat schaffen;
Für luft aber und külen wind Die wolberedte menner sind, Die nicht allein den rat erquicken, Alle sachen zur eintracht schicken,
Als wenn die sommerwindlein wehen, Lieblich kelt in der hitz erregen, Sondern können die ganz gemein Auch bereden freundlich und fein,
Das sie gutwillig on beschwern Ihren regenten folgen gern, Oder den krieg mit macht anlaufen. Der redener regiert den haufen. –
Wie dies alles solcher gestalt In allen tiern wird vorgemalt; Das heupt ist auf tugend beflissen Und drauet mit bösem gewissen,
Das herz ist barmherzig und mild, Der gall und leber hitz ser wild, Die lung und zunge wol beredt: Also ir regiment besteht.
Darum rat ich, man folge nur Got und dem gesetz der natur, Erwele weise fromme leut, Die wol regiern und lange zeit."
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