Fürst Mordachs saß auch an dem ort Und gab darauf dies zur antwort: "Wenn ich die warheit sagen soll, Redet fürst Watarachs ser wol,
Insonderheit das er für allem Sich gottes furcht leßt wolgefallen. Wo got nicht ist bei krieg und schlacht, So ist verloren rat und macht.
Das soln unsr weib und kindr bestellen, Denen wir diese sorg befelen. Halts doch nicht ratsam solcher maßen, Das man sich wolt belagern lassen,
Unser freiheit also einnemen Und für der ganzen welt beschemen. Außer dem zaun ist dingen gut; Gefengniß raubet herz und mut,
Das auch der unverzagte man Nicht weiß was er sol greifen an. Und wenn er gleich noch ein herz fasset Und sich der gegenwer anmaßet,
So hinderts das verzagt gesind, Das man bei sich am meisten findt; Nicht allein, das sie treg und faul, Das brot wegfressen für dem maul,
Sondern auch allen guten rat Verstörn, verraten frühe und spat. Wenn man denn versuchet bisweilen, Wie man den feind will übereilen,
So komt man oft übel zum braten, Weil unser anschleg sein verraten; Und fellt derselb ins strick hinein, Der ein andern zwackt bei dem bein.
Denn das sorglose sicherheit Im feld oft verret gute leut, Ist leider war und oft erfaren Für alters und für wenig jaren.
Die stet abr sind davon nicht frei, Viel weniger festung dabei. Denn als Balsar zu Babylon Sicher banktiert in seinem tron,
Gewannen die Perser die stadt, Erschlugen ihn und seinen rat, Wie im gemach des engels hand Ihm vorgeschrieben an der wand.
Zu Troja war auch alles toll Des weins, des schlafs, und beides voll, Als die Griechen das tor aufmachten, Ihr ganzes heer in die stat brachten.
Es sind auch zwar die deutschen leuen Abgewurzt, das ihn mag gereuen, Das sie nach hunger und nach durst Zu viel gezecht auf die bratwurst
Und in steten oder im feld Ihre wacht unfleißig bestellt. Sie haben aber solche tück Selbst gebraucht als ihr meisterstück.
Denn als Cyrus bekriegt das land Der Scyten, sonst Schützen genant, Waren uralte deutsche leut, Brauchten sechsische sprach die zeit,
Und die königin Tomyris, Welchs soviel als die mutter hieß, Ihren einigen son ausruft, Das er dem feind begegnen must,
Den Cyrus mit seim volk erlegt; Wird sie für leid zum zorn bewegt, Bringt selbst all ihr landvolk ins feld, Doch sich gleich als feldflüchtig stellt
Und leßt in ihres lagers stet Was sie köstlich bereitet het An brot, gebratens, starkem wein. Dazu fallen die Perser ein,
Fressen und saufen one trauren, Bis sie widrkert mit ihren bauren, Alle Perser zu grund erlegt, Des Cyrus heupt auch davon tregt,
Wirfts mit ihrer sieghaften hand In eimer, der voll blut da stand, Und spricht auch dazu also fort Diese bitter giftige wort:
‚Dich hat gedürst nach menschenblut, Sauf sein nun satt, kül deinen mut!‘ Die Römer wolten auch Deutschland All zwingen unter ihre hand,
Und hatt dazu besonder lust Der mechtige kaiser August, Schickt hin in der Westsachsen land Einen, Quintil Varus genant,
Mit drei römischen legionen: Solts kind in der wieg nicht verschonen. Da fand sich ein mutiger man, Ein junger Sachs, herzog Herman,
War im siebn und zwanzigsten jar, Trug ein lang, gelb und krauses har, Einen schild und zweifeustig schwert, Sprang gleiches fußes auf sein pferd,
Gar blos am heupt, am hals und brust: Das war der alten Sachsen lust, Wie wir noch ihre bilder sehen Also freudig gemalet stehen.
Der bracht seine Sachsen zusamen, Und als die Römer weit her kamen, Ihr römisch speis und wein nicht funden, Speck und grützwürst nicht essen kunten,
Viel weniger gereuchert brot Und der verharten kese schrot, Schlegt er auch auf seine gezelt Nicht weit von Padelborn im feld
Und bestellet so alle sachen, Als wenn er da wolt hochzeit machen, Leßt brot, fleisch, fisch, wein gnug herbringen. Die Römer, so auf kundschaft giengen,
Sagen die zeitung ihren leuten; Da ward ein laufen und ein reiten, Sie wolten all Sachsen erschlagen, Ihr proviant frölich auftragen.
Als abr der herzog nam die flucht, Für sein volk sicher örter sucht, Hoffen die Römer gar gewonnen, Setzen sich bei die töpf und tonnen,
Fressen und saufen bier und wein, Werden trunken und schlafen ein, Bis herzog Herman zurück lenkt, Ihn den wilkom also einschenkt,
Das die Römer und ihr beistand Für tot sich all streckten in sand Und ihr oberster sich ersticht, Weil er sich kan erretten nicht.
Und auf die zeitung der August Nichts weiters anzufangen wust On das er an die bloße wand Aus schreckn und zorn unsinnig rant
Und rief: ‚O Vare, bist du bieder, So gib mir drei legionen wider!‘ – Unter andern raub abr roß und mannen Und den römischen kriegesfanen
Werdn dem herzogen zwo fürgebracht, Darin zween adeler gemacht, Denn jeden römschen legionen, Zwelf tausend fünfhundert personen,
Beide zu roß und auch zu fuß, Und ein adeler aufwarten muß. Darum nachmals das deutsche reich Zween adeler füret zugleich
Odr einen, der zwei heupter hat Für kaiserliche majestat. – Also, sag ich, ists freilich war Und der ganzen Welt offenbar:
Wer sicher ist, sein feind veracht, Wird unversehns in not gebracht. Und kan so bald über uns ausgehen Als eben den feinden bestehen,
Das man auf solch ungwisse sachen Gar nicht kan seine rechnung machen. – Das abr Watarachs raten wolt, Das man hofkundschaft kaufen solt,
Aus königs retn verreter machen, Wer ein recht meisterstück zun sachen, Wenn mans in die lenge wolt spielen Und einer auf den andern zielen.
Das er auch die meusfeind wolt dingen, Wider die meus zu felde bringen, Ist gut, wenn got wer bei der sach, Denn da fragt itzt ein jeder nach. –
Wer mit kriegern wil er erjagen, Muß sie wol zalen und wol plagen, Dem übelteter tun sein recht, Er sei reich, arm, ritter odr knecht,
Damit sie in gehorsam bleiben, Den feind ernstlich helfen vertreiben; Wer aber hat geldlose hend, Der helt nimmer gut regiment,
Schaft auch wider den feind kein rat, Weil er die feind selbst bei sich hat, Die ihn nach leng der zeit auffressen, Das müssen wir hie nicht vergessen.
Die katz wil haben speck alzeit, Der wiesl ein frische milch bereit, Iltisch und weihe der hünlein viel, Odr fressen uns selbst on maß und ziel. –
Es sind auch kein bürgen dabei, Das die lang zeit beschwerlich sei Allein den meusn, und uns gar nicht; Es wird manch list dabei erdicht,
Da man zuvor nicht auf gesonnen, So sind ser viel festung gewonnen: So ward Troja im grund verhert Durch das hölzen und schwangre pferd;
So ist auch Babylon gewonnen Als ihn das wasser ward genommen, Und ander list dazu gebracht, Als wir zuvor haben gedacht.
Wie, wenn die arglistigen buben Den see ganz und gar untergruben, Das alles wasser lief hinweg Und wir gar bloß legen im dreck?
Oder trügen den see vol sand, Wie die krae, da sie ein krug fand, Der so tief war, das sie vom grund Das wasser nicht erlangen kunt,
So viel der kleinen kieferlein Zufüret in den krug hinein, Bis das wasser fein aufwerts gieng Und sie ein trunk zu lon empfieng.
Wie der Türk all greben vol stürzt, Sein schanz bis an die mauren schürzt, Wenn er belagert eine fest, Die sich nicht leicht abwerfen leßt.
Wie, wenn sie machten netz und strick. Fischten uns heraus überrück, Sonderlich wenns wider wird kalt, So sind wir all erschlagen bald.
Als die merkische frösch erfarn Wenn sie behengen im fischgarn. Sie sind dazu auch viel zu geschwinde, Das sie seßen im regen und winde,
Sie können sich künstlich vergraben, Das sie werm und sicherheit haben. Darum rat ich, man geb nicht nach, Das der feind um uns schanzen mach
Und bei uns won mitten im land Zu unser gefar und ewigr schand; Sondern man rück zu ihm heraus, Zu feld für des meuskönigs haus;
So findt jeder mutiger held Sein besoldung teglich im feld, So essen wir der feinde brot, Und unser land komt nicht in not,
Unsr weib und kind sind one streit, Belagrung komt noch viel zu bzeit. – Damit wirs abr weislich anfangen Und mit vorteil den sieg erlangen,
Auch nicht sein on allen beistand, Kömt gleich keiner aus fremdem land, Der uns dienet um silber und gold Oder was man sonst geben wolt,
Können wir mit den fischen machen Ein besondern bund in den sachen, Das sie all meus schleunig einschlingen, Die wir zu ihn ins wasser zwingen.
Und ist uns nicht zu widerraten, Gleich wie die Satanier taten, Die got und teufel beten an, Wolten sie beid zu freunden han,
Das got ihn gnedig wer alzeit, Das der teufel ihn tet kein leid: Das wir auch unser münch so eren, Das sie neben uns dem feinde weren,
Mit zulegen ein summa geld, So den ratzen werd zugestelt, Speck, bratwurst und viel korn zu keufen, Das sie die zal der meus nicht heufen,
Nicht zu unsern feinden sich gesellen, Das sie unser freunde bleiben wöllen. Also, wenn wir nun ziehen fort, Sollen die münch stehen am ort,
Das der feind nicht zur seit einbrech, Sondern das krötengift ihn schwech, Das sie aus ihrer haut ausblasen, Das sie ihn sprützen in die nasen.
Wir wollen in der mitte gehen, Wie helden bei einander stehen Mit werfen, stechen, hauen, schlagen, Ob got will, den sieg davon tragen.
Nur das man bald zur sachen greif Und wart nicht bis zum ersten reif! Ich wil mit wagen gut und blut; Der ist mein freund, der auch so tut!"
Cookies on Poetry Cove