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Das XV. capitel.

Georg Rollenhagen

Fürst Watarachs auch dazu sprach: "Es ist ein hochbedenklich sach, Das wir wissend und zusehend Stürzen sollen in solch elend

Wegen solcher schlechten ursachen. Das on zweifel unser sünde machen, Die got endlich zusamen raffen, Uns on barmherzigkeit wird strafen.

Und hab oftmals daran gedacht, Wies jederman so seltsam macht. Wir lebn in aller sicherheit, Verachtung gottes, haß und neid,

Unterdrücken, morden und fressen Alle, so uns zu nahe gesessen An bienen, mücken, würm und fischen, Daran wir schier die füße wischen;

Und ihr keins [hat] ein ander sünd, On das es sich nicht weren kunt. Der sterkst hat allenthalben recht, Der schwechst ist ein geplagter knecht;

Wer oben sitzt, lesset sich grüßen Und tritt die untersten mit füßen, Wie die vögel, so oben sitzen, Die im baur sein schendlich beschmitzen.

Der ehestand ist auch gar unwert, Unzucht wasser und land unert, Die huren sind besser gehalten Denn ein erbar frau bei den alten.

Wer auch eim andern stelen kan, Ist ein weiser, behender man. Niemand mag auch fürüber gehen; Wenn unser kinder ihn ersehen,

So rufen sie: Mor, tor, mar, narr, Ein geckereckekek fürwar. Ich gschweig der alten lesterwort; Falschheit regiert an allem ort.

So geht niemand den rechten weg, Jeder scheußt weit über das zweck, Bis das gottes gerechtigkeit Die sünd auch straft zu seiner zeit.

Denn wegn der ungerechtigkeit Bringt got ein reich auf ander leut. – Davon las ich die wunderlar, Als ich des megdleins schulkind war,

Das sich mit dem adler gebissen, Ihrn kranz aus seinen klauen gerissen, Das in ihre burg, da durch den tod Ihr frenkscher Pfeil abfur zu got,

An einer bunten, steinern wand Untn am giebel geschrieben stand: ‚Sint fürsten und herrn ihr wort nicht hielten, Mit den landfriedn untreulich spielten,

Aus Cains kindern ritter worden, Die münch annamen jungherrn orden, Die huren erlicher frauen schmuck trugen, Die baurn raubten und leut erschlugen,

Die kaufleut kaufmanstreu verließen, Die Jüdn der herren vormünder hießen, Sint ists in der welt gut gewesen, Sie mag hinfort nimmer genesen.‘

Das war der alten schrift verstand, Die ich dort an der mauren fand. Und lesset sich itzund ansehen, Als sei es auch mit uns geschehen,

Und muß des königs guter will Nun erstlich anfangen das spiel; Denn das ist je die alte weis, Das niemand seins tuns ausgang weiß

Und oft durch wolgemeinten rat Alles unglück sein anfang hat. Wie denn alls unglück wird mitkommen, Wo der krieg erst wird angenommen,

Krieg ist das allergröst elend, Das all ermordt, betrübt odr schendt. – Darum acht ich, es wer wol not, Das wir uns versönten mit got,

Alles was unrecht ist abteten, Um gnade, rat und beistand beten. Es wer auch ratsam, nütz und gut, Das man lieber geld geb denn blut,

Wie fürst Quadrat weislich bericht. Zur freien feldschlacht rat ich nicht: Denn on das, das die meus alzeit Bei den mantiern lernen den streit

Und wir durch langen fried und ruhe Verlernet habn wie man ihm tue, Ja jeder fürcht sein weib und kind, Das sie nachmals verlassen sind,

Wenn er für dem feind fallen solt, Darum er lieber davon sein wolt: So hat auch der mer mut und macht, Mer rat und nachdruck in der schlacht,

Der anfeht und ansagt den tod, Denn der sich weren muß aus not. Man schlag die feldschlacht zeitig abe, Weil man dazu kein ursach habe;

Kans aber gar nicht anders sein, Sie wollen zu uns stürmen ein, So werden sie uns nicht tun sehr wehe, Wenn wir bleiben in unserm see

Und lassen sie am ufer warten. Da woln wirs ihn so seltsam karten, Das wir all bleiben ungefert, Das ihr keiner erfreuet werd.

Denn wenns mangelt an rat und geld Und proviant nicht mer zufellt, Wenn der regen und kalter wind Ihn durch die zarten pelzlein rint:

So wird ihr mut bald werden klein Und werden sich selber feind sein, Das solch lerman ist angefangen, Dadurch sie nichts denn schimpf erlangen,

Und uns selbst anbieten vertrag Oder heimlich kriechen in sack. Denn wer ein ander jagen wil, Der ruhet auch selber nicht viel. –

Mitlerweil wollen wir nicht schlafen, Sondern ihn erbeit gar gnug schaffen. Insonderheit wenn sie sorglos leben, Nicht acht auf ihre schanzen geben,

Sind auf kundschaft gar nicht bedacht, Bestellen und halten übel wacht, Odr wenn ihn mangelt proviant, So sind sie leichtlich übermant,

Als die historien uns leren Mit der mantier kriegen beschweren. – Denn als ehemals die deutschen Wallen In Italiam eingefallen,

Die einwoner also erschreckt, Das sich jeder für ihn versteckt, Da sie Rom und viel stet einhatten Und was sie wolten, sicher taten,

Bedenkt ein versuchter kriegesman, Marcus Camillus war sein nam, Das die Deutschen wie leuen sein Und zwar mit gewalt brechen ein,

Abr wenn sie gnug zu schlemmen haben Sicher werden und faule knaben, Versamlet sein zerstraute leute, Schlegt die Wallen, nimt ihn die beute,

Als sie des sich wenig versahen Und als siegfürsten sicher lagen. – Wem nicht gefellt solch alt geschicht, Vermeint, es sei ein kunstgedicht,

Der les wie aus der Sachsen stat, So von der magd den namen hat, Die unverzagte junge held Zogen zur Ottenleub ins feld,

Ihren feinden als zun fastnachten Ein unverhoft mummenschanz brachten, Das viel den schnee blutfarbig malten, Oder für gefangen sich stallten,

Die nicht fielen über die wand, Im hemde barfuß liefen ins land. – Es ist auch weit und breit bekant, Wie die Spanier in Friesland

Die deutschen hofeleut annamen, Als sie erstlich dahin ankamen, Spielten der karten und im bret, Als wenn es nirgend not mit het;

Da auch der hochbeklagte man Unversehens sein ende nam, Alexander von der Schulenburg, Der nicht kam, das er jemand wurg,

Sondern mit fremder nation In kundschaft brecht seine person. Der ritmeister kroch selbst hinweg On pferd und schwert durch tiefen dreck. –

Insonderheit sind in Frankreich Beid alt und neu krieger zugleich Oftmals so geetzt und gefangen, Wenn ihn die proviant entgangen

Und das landvolk war abgezert, Das man ausschickt wagen und pferd, Als ob sie den feinden zustünden Und sie die nicht erhaschen künten.

Wenn sie aber zu den anliefen Und als ein gute beut ergriffen, Funden butter, brot, fleisch und wein, Fraßen, soffen und schliefen ein

On all kundschaft, on wacht und sorgen, Wurden sie geschlagen am morgen. Solch warnung soll man allen geben, So für ihren feind sicher leben.

Des wollen wir uns auch befleißen, Den meusen manchen possen reißen, Wenn sie ruhen und sicher sein, Plötzlich erhaschen bei eim bein

Und hinab füren in den grund, Bis ihn wasser get in den mund. – Noch viel mer das zun sachen tete, Wenn wirs meuskönigs gheime rete

Heimlich könten mit geld bestechen, Das die meus nichts machen, nichts sprechen, Darauf sie nicht weren geflissen, Das wirs von stund an könten wissen.

Darum als ein alter kriegsman Alexander vater redet an, König Philippen, und ihm sagt, Das er sein volk vergeblich wagt

An die festung, so nicht im land, Sondern auf eim hohen felsen stand, Da auch kein wagen hinauf gieng: Der könig zu lachen anfieng,

Fragt, obs eim esel felen solt, Der schwer beladen wer mit gold? – Die kunst hat manchen frommen herren Gebracht um leut, land, stand und eren.

Also man den gotseligen Pater, Des Elbmarxen getreuen vater, Verkauft hat, betrogen, verfürt, Gefangn, geschendt und degradiert,

Als aus falschem rat seine rete Ihm rieten, das er seß und bete, In andacht hörte gottes wort, Bis sein feind durch der Elben fort

Ihn unversehens überfiel: Das war des erzverreters spiel. Dafür sich entsatzt sonn und mon, Fieng an schwarz und blutrot zu ston,

Das die schelmen auch wolten meinen, Sie würden hinfort nimmer scheinen. So ist sein lieber son gefangen, Als der Grimmenstein niedergangen.

Wir wollen auch vererung senden Zu ihren feindn an allen enden, An katzen, iltisch, wieseln, weih, Das dieselben uns stehen bei,

Mit ihrs geschlechts verwandten allen Sie unversehens überfallen. Wenn das angeht, so sind wir frei; Ich weiß sonst nicht, was besser sei."

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