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Das XV. capitel.

Georg Rollenhagen

"Ich war vom berg kaum abgestanden, So komt gar fern aus fremden landen Unversehens in der luft geflogen Und zu mir in mein schloß gezogen

Der goldkefer herr Güldenwort Und berichtet mich also fort, Wie er vor etlich dreißig jar Zu Venedig ein goldschmid war,

Hernach aber ein münch geworden, Getreten in den bettelorden Und daselbst von eim alten frater, Der ehemals gewesen ein Tater,

So viel gelernet und erfaren Neben andern particularen Und der natur wundersecreten, Darum ihn die erzt oftmals beten,

Das er nun aus den münzen allen Und aus allerlei art metallen Mit seinen künsten machen wolt Warhaftig und bestendig gold.

Und als ich ihm zur prob anbot Des reinen quecksilbers vier lot, Zog er ein gleslein aus der mauen Und sprach: Ihr solt selber zuschauen;

Seht, das ist ein braun pülverlein, Genant der philosophen stein Und bei den Moren elixir. (War ein rot glas, da hielt ichs für.)

Dessen tue ich ein wenig dran, Als auf einr messrspitz liegen kan, Und setz es in eim test zum feur. Ich bin mit meiner kunst nicht teur. –

Das weret so ein kleine weil, Das quecksilber verschwand in eil, Ein lauter gold goß er daher, Als wenns ein portaglöser wer,

Und sprach: Dies hat seinen bescheid, Nemet ein hammer, schlagets breit, Bringts mit spießglas, weinstein zu feur, Probierets auf mein abenteur!

Ich wils für ungrisch gold geweren, Das kein feur ewig sol verzeren, Denn dies pulver ist nicht gemein, Es ist der philosophen stein,

Die oberst seel aller metallen, Die alles, was ist abgefallen Von goldesart in unrein wesen, Ausfeget als ein englisch besen,

Das auch kein unreinigkeit bleibe Oder krankheit in unserm leibe. Nein man des pulvers nur ein gran, So werd gesund der kranke man,

Als Theophrast mit seim azot Die leut curieret wie ein got. Aurum potabile weiß rat, Wenn alle welt verzaget hat,

Ja eim alten verlebten man, Der hundert jar berechnen kan, Machts wider jung, gesund und stark, Verneuret herz, gehirn und mark,

Insonderheit die spiritus, Darein unser seel wonen muß, Als wenn er wer von zwanzig jaren Allererst wolt zum ehestand faren:

Wie Aeson und ein bock jung ward, Als Medea ihr kunst nicht spart. Und das noch ist wunderseltsam: Man setzt damit ein reis in stam

Mitt im winter, so wird man sehen Blumen und obst daran aufgehen. Und ander größer höher sachen, Die sonst kein creatur könt machen,

Die kan der philosophen stein: Des sol dies gold ein proba sein. – Ich nam das gold, ließ es probieren, Kein mangel kont man daran spüren,

Ob man gleich al goldschleger fragt, Es war und blieb gold, wie er sagt. Darnach bericht er, das er kommen, Weil er vom alten münch vernommen,

Mein vater wust dieselbig ler, Aber dabei der vorteil mer, Das er das braun pulver bereit Mit wenigr unkosten und zeit;

Seins aber gieng langsam daher, Macht kosten und aufwarten schwer Und wird oft geringlich versehen, Das nach dem wunsch nicht wolt ausgehen.

Wenn ers nun von ihm lernen könt, Herzlich gern er ihm wider gönt, Was er verborgne sachen fand, Wenn er reiset durch fremde land,

Von aquaviten, mithridaten, Die sonst kein doctor könt erraten, Von panace und siegelerd, Die allem gift kreftiglich wert,

Vom balsam, der in einer stund Alle gebrechen heilen kunt, Von bisem, der ser kostbar war, Wenn man schweinsblut, zibet, rehar

Im seumagen zusammen dart, Bis er widernatürlich ward, Von handgriffn in scheiden und proben: Das werk würd seinen meister loben. –

Ich sagt ihm, das bei meinen eren Mir das bömische dörfer weren, Der ich mein tag keines erkant, Solch kunst wer nicht in meiner hand;

Ich het auch niemals können wissen, Das mein vater sich des geflissen, Der vorlengst ruhet in der erd. Jedoch wer es verwunderns wert,

Das gold so leichtlich würd gemacht, Und wer dennoch so hoch geacht, Ja das sich der so wenig fünden, Die also bald gold machen künten.

Ich meint, wie gottes son allein Das wasser könt machen zu wein, Und der schöpfer aller creatur Schaft und wandelt in der natur,

Also wer es gottes almacht, Das die erde gold odr silber bracht, Und were engeln und menschenkindn Die kunst unmöglich zu erfinden,

Es geschehe denn durch falsche farben, Das mans korn verstackt in strogarben, Odr ein geist die zubuß brachte, Der sein ergebne leut reich machte. –

Wie der crocodil trenen weint, Wenn er einen zu fressen meint, So fieng er auch an elend zu klagen Und von großem unglück zu sagen,

Das er die reis getan umsunst Und fünd weder vater noch kunst; Bat mich, ich wolt die kunst nicht schweigen, Ich solt sie wol belonet kreigen,

Er wolt mir wider offenbaren Alles was er sonst mer erfaren; Denn gold were zwar leicht gemacht, Vorteil müst aber sein bedacht,

Den fünden wenig in der welt, Ob ihm gleich ser würd nachgestelt, Darum der alchymisten rot Oftmals nicht het das eitel brot,

Weil sie aufwendet alles gar Was man ihr geb odr sonst ihr war, Hoffet immer aufs wolgeraten Und arbeitet auf eitel schaden.

Denn wie sich fand die kunst einmal, Das man glas fest macht als metal, Riß kaiser Tiberius weg, Zerbrach und warf alles in dreck,

Darin und mit solches zugieng, Das man das gold nicht acht zu gring. Also nam Diocletian Sich eben solcher hendel an

Und verbrant in Egyptenland Alle kunstbücher, die er fand, Das die Egypter nicht gold machten, Krieg wider die Römer aufbrachten.

Folgend kaiser und bebst zugleich Die kunst auch verboten im reich Und hielten die meister gefangen. So ist kunst und vorteil entgangen,

On was dein vater davon wust, Das het ich noch zu lernen lust. – Ich schwur ihm noch ein teuren eid, Ich wust davon keinen bescheid;

Gönt er mir aber seine kunst, Ich wolt sie nicht lernen umsunst, Sondern ihn für ein vater eren, Bei mir behalten, schützen, neren,

Al mein hab und gut mit ihm teilen, Es solt an Dankbarkeit nicht feilen. – Er antwortet: Das ich gold kan machen Sein nur heimlich verborgne sachen,

Und neme nicht die ganze welt, Das eim fürsten würd angemeldt, Die mich bald würden gar vermauren, Das ich ihnen mit großen trauren

Und mit wenigem herzeleid Solt warten auf die goldarbeit. Drum Daniel Beuthe sich selbst umbracht, Das er dies nicht zu thun gedacht,

Wie er in derselben gefar Bei Churfürstn Augusto war Und turnheuser lieber wolt reißen, Denn sein erst meisterstück beweisen.

Wer sein herr selbst kan bleiben allein, Der sol keins andern diener sein, Drum hats damit seine gestalt, Das ich meine kunst heimlich halt;

Hette auch meine prob wollen sparen, Wenn ich eurs vaters tod erfaren. – So weigert er sich treflich ser; Ich bat immer je lengr je mer

Und wolt ihn des erlassen nicht, Bis er mich von der sach bericht Und sprach: Das ihr mein willen spürt, Red ich wie einem freund gebürt.

Sonst könt ich von planeten sagen, Wie braut und breutgam sich vertragen, Wie die nacht kömt, die raben fliegen, Der tau felt wenn sie schlafen liegen,

Wenn der volmond scheint über nacht, Die morgenröt die sonn anbracht, Wie Mercurius ist so wild, Wie man passion mit ihm spilt,

Wie man im pferdmist basilischen Machen muß, speisen und ausfischen Und gar verbrennen, das der stein Davon überbleibet allein,

Wie die schlang ihren schwanz einfraß, Wie schnel sich versteckt hirsch und has, Vom roten man und grünen leuen, Vom narrentanz und luftgebeuen,

Von dem kunstweisen himmelspiegel, Wie man die sternen reimt zum diegel, Das sie aus dem Mercur entspringen Nach dem mond, sonnenschein anbringen,

Wie alles aus dem cirkel gehet, Wie die dreifaltigkeit bestehet, Wie alle kunst der alchimei Im ei fein abgebildet sei,

Und Jupiter des adlers ei Aus seiner schoß wirfet entzwei, Als er den roßmist hinausschnelt, Damit der keser dem ei stelt,

Wie man das ei machet zum kalk, Aus dem weißen ein wasser walk, Aus dem dotter ein öl gewinne, Damit gold schaf nach seinem sinne,

Wie man die form und farb vom golde Fein meisterlich abscheiden solte, Das ein schneeweißes silber bleibe, Als die seel abscheidet vom leibe,

Und wenn man denn des goldes seel Einem andern metal besel, Das aus demselben werden solt Auch alsobald pur lauter gold,

Kem aber zum metal der leib, Das es silber werd und auch bleib. Wie Pythagoras ehemals lert: Wenn ein seel beim esel einkert,

So bekem er menschenverstand, Als man an pferd und hunden fand; Wenn aber auch des esels art Am menschenleib geschmieret ward,

So bekem er eselsgestalt, Ob er gleich seine seel behalt: Als Lucio ist widerfaren Und Lucianus schreibt für jaren.

Von diesem allen sag ich nicht, Es sind poetische gedicht, Damit die alten diese kunst Verdunkelt haben aus abgunst. –

Wisset, das wenn etwas sol aufgehen, So muß man seinen samen seen, Ihm speise schaffn und warme zeit Bis zu seiner volkommenheit;

Im gmein abr im wasser und erden Aller ding samen funden werden; Durch wirkung der luft, werm und sternen, Die alles erregen von fernen,

Das die kreuter, tier und metallen Daraus wachsen und herausfallen, Ehe denn sie einign samen gaben: Das wil der schöpfer also haben.

Jedoch ist auch weisheit und kunst Dabei nicht todt und gar umsunst; Sie lert, wie man den samen findet Und ihn seiner mutter verbindet,

Wie man ihm speis und werme gibt, Bis das er tregt was uns geliebt; Sie nimt asch, salz, sand, hünermist, Lessets aufgeren als ein mist

Und schmelzt daraus ein schönes glas, Dem kein edelgestein gleich was; Aus einem kies sie lasur erwarbe, Aus schwarzm blei weiß, gelb und rot farbe,

Aus felsen erz, bild und gebeu, Zur bürger trost, zur feind abscheu; Aus metal, kreutern, stein und bein, Auch salz und öl, wasser und wein

Sie nimt ein kleinen kern zum samen, Macht draus ein großen birnbaumstamen, Und wil der winter nicht gestehen, Das man die zweig sol blühen sehen,

So setzt sie die ins warm daheim Und lesset sie ausblühen sein; Also, wenn kein gluckhenn da ist, Legt sie die eier in warmen mist

Und heckt die küchlein dennoch aus Wie im egyptischen backhaus. Wenn man nun gold wil wachsen lassen, Braucht man hie der kunst gleichermaßen

Und leßt des goldes samen fallen In allerlei erz und metallen, Hilft das mit feur bald zurecht, Was sonst die natur langsam brecht.

Wie man aber den samen finde, Ist zu erforschen ser geschwinde; Denn wie der kern ist in der schalen, Das mel wird aus der klei gemalen,

Das ei aus dem vogel entspringt, Also gokd goldes samen bringt. Doch mus die schal gebrochen sein, Wil man den samen haben rein.

Das sich ein andr gestalt anfang, Ist not der ersten untergang. Nur das die erste materia bleibe. Daraus erwachsen neue leibe,

Als holz, stein, blei gab glas, erzfarbe, Wenn sein erstes wesen verdarbe, Das gschicht hie auf mancherlei weis: Man reinigt quecksilber mit fleiß

Und wiegt sein zehn mal so viel dar, Als sonst des feinsten goldes war, Und tuts zusam im steinern magen, Der die feuerflammen kan vertragen;

Darin kochts langsam, nicht geschwind, Bis das sich kein quecksilber findt Und das gold am vierzigsten tage Da wie ein kolschwarz pulver lage;

Das pulver wird nun distilliert Mit großm feur, wie sichs gebürt, Das man ein feuchtigkeit gewint, Die wider zu dem pulver rint

Oder, wenn sie ist abgeflossen, Siebenmal wider wird aufgossen: So wirds schön silberweiß gemacht Nach hundert acht und achzig nacht;

Von daran wird es gelb und rot, Wie sich die morgenröt erbot, Das Salomon selbst hiezu lacht Und diesen schönen spruch drauf macht:

Wer ist die, saget mir bericht, So wie die morgenröt anbricht, Die schon herfürleucht wie der mon Und auserwelet wie die son,

Erschrecklich wie die heresspitzen? Dennoch lesset mans besser schwitzen, Bis das es sein carbunkelfarbe Am zwei und vierzigstn tag erwarbe

Und ward des philosophen stein, Der zu dem werk wird besser sein, Wenn man das geschirr zubrechen mag, Nach zweihundrt zwei und siebenzig tag,

Nach welcher zal und zeit auf erden Die menschenkindr geboren werden, Und zehenmal so viel gold da zelt, Als der stein für sich einmal helt,

Lest ihn damit drei tag stark brennen, So wird man sein farben nicht kennen, Wie das kind anders wird gefunden, Wenns in sein windlein ist gewunden;

Und wenn denn auch davon zuletzt Nur ein lot wird ins feur gesetzt Mit drithalb hundert lot metal, So wirds lauter gold alzumal.

Ja wenns möglich wer, das das mer Eitel geschmolzen metal wer, Man könt dasselb mit diesen sachen Zu eitl arabischen gold machen,

Wie victril, wenn er mit grünspan In schustertinten wird getan, Ein glüend stal zu kupfer macht, Wie kupfer wird zum feur gebracht

Und mit galmei also versetzt, Das daraus gut messing wird zuletzt, Geferbet wie ein gülden ring, Wenn er trinkt goslarischen zink.

So doch messing solcher figur Auch in Cypern wechst von natur, Wie ich den messing, wenn ich wolt, Auch machen wolt zu lauter gold;

Denn weil al ding zu seiner zeit Strebt nach seiner volkommenheit, So wol auch al metal gold sein, Kan sich aber nicht machen rein,

Weil ihm kraft und hitz daran feilt, Die ihm also wird zugeteilt. – So berichtet der Güldenwort Und fur in der red weiter fort:"

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