"So ists mein vater auch gelungen, Dessen genießen noch wir jungen, Ob er gleich jetzt nichts davon hat Vielleicht aus gottes ungenad.
Wer reich wil sein für andern allen, Kan sich alzeit nicht mit got stallen, Kan nicht gewarten, was die sel Ihm fürplaudert von tod und hell.
Denn wie der dachs zog über land, Von meiner mutter ausgesandt, Durch diesen wald sein reise nam, Mein vater ihm entgegen kam,
Sprach: Glück zu, Dachs, wo denkst du hin? Dem dachs entfiel beid mut und sin, Weil mein vater verlangst gestorben Und, wie er meint, gots reich erworben,
Sagt doch endlich: Heb dich, Satan! Mein jungher ist ein todter man Und seine sel in gottes hand. Mein vater sich nahe zu ihm fand,
Verhieß ihm schutz und sicherheit, Das er ihm folgt ein kleine zeit, Bis er ihm zeigt, was er gern wolt Und er sein kindern sagen solt;
Tet ers nicht, so müst er verderben Oder von seinen henden sterben. Nam ihn damit bei seinen haren, Er must mit ihm von bannen faren
Und in ein holen berg absteigen. Doch wolt er ihm das auch anzeigen: Was man ihm geben würd und fragen, Solt er nicht angreifen, nichts sagen! –
Als er nun in den berg ankam, Fand er viel bekanten beisam, Die giengen ihm höflich entgegen, Mit handbieten, wilkomen segen,
Sagten, sie weren hoch erfreuet, Das er ihr gselschaft nicht gescheuet, Und satzten ihn erlich zu tisch, Legten ihm für brot, fleisch und fisch,
Trunken ihm zu aus gülden schalen, Wie es zugeht in fürstenmalen, On das nach dem schnit, biß und trunk Des feuers flam daraus entsprung.
Darnach hielten sie tenz und reien Bei pauken, bosaunen und geigen, Das feur auf einen jeden trit Schoß da auch aus dem pflaster mit.
Mein vater aber fürt ihn abe, Sprach: Schau, was ich für wollust habe! Da sahe er in eim weiten feld Mancherlei schrecklich feur bestelt,
Viel tausend selen darin braten, Darren, schwitzen, kochen und baden. Insonderheit die alte natter, Unser schlangen mutter und vatter,
Für einem heißen rauchloch hiengen, Viel stich und feurtropfen empfiengen Von einem erschrecklichen geist, Der die selen plagt allermeist,
Weil sie menschen und tier vergift; Untreu sein eigen herren trift. – Eisengrims vater, Dürsteblut, Hieng auch dein oren in der glut
Und rief mit hochbetrübter stim: Du dieb, hie ein exempel nim, Süß ist erstlich das gestolen brot, Aber zuletzt der bitter tod!
Viel hund hiengen verknüpft am schwanz, Das sie gebult beim abendtanz, Schwefel und pech begoß die beuch, Und büsten so die hurenseuch. –
Viel großer rosten auch da stunden, Drauf waren die großen fisch gebunden, Die sonst die kleinen immer fraßen, Und musten sich da braten lassen,
Als walfisch, merschlang, hecht und foren, Ihr pracht und trotz war gar verloren. Daneben waren viel eisenstül, Glüende kolen ihre pfül,
Solten warten auf große herrn, Auf leuen und grimmige bern, Und dergleichen mancherlei sachen, Die zu lang sind zu unserm sprachen.
Wer im leben kein richter hat, Dem zalt der tod sein missetat. Allerding sein die flö auch dort Versamlet am besondern ort,
Das sie bei einer glüendn pfützen Heufig am ufer umher sitzen, Springen nach einer frauen bein, Das über der pfütz schwebt allein,
Felen doch stets, fallen ins feur, Da wird ihnen das lachen teur, Bis sie wider zum ufer dringen Und immer von neuen einspringen
Und das so treiben ewiglich: So geraten die leckerstich. – Die leus aber werden gekocht In einer walkmülen gepocht,
Im rauch elendig ausgedart Und in dem auskerich verschart, Werden doch bald von neuen leben, In die kessel zur beuch gegeben,
Wider durch vorig straf gezogen, Das sie unschuldig blut gesogen. Es geht ihn wie Salomon spricht: Der narr lest von der torheit nicht,
Wenn man sie gleich abwaschen ließ Und seinen kopf im mörser stieß. – Mücken, raupen, die alls beschmissen, Werdn auch daselbst widerum beschissen
Ins dreckentals brennenden mist, Da der teufel cloaken ist. Letztlich fürt er ihn zu eim strauch, Der schrecklich war von feur und rauch,
Darin saß der elende pater, Der alt Argelist, mein großvater. Mein vater litt dieselbe pein, On das er jetzt nicht war darein;
Sein zen von blauen schwefel branten, Nadel spitz die zung durchranten, Viel feurig gens ihn hinten zwackten, Viel hüner vorn seine augen hackten,
Viel hasen ihn von oben bissen, Und inwendig sein bös gewissen; So manch tier als er jemals fraß, So manch gespenst sein peiniger was,
Dessen kunt er sich keins erweren, Es must ihn ewiglich beschweren. – Darnach folgt, am besondern stell, Auch der verfluchten menschen hell,
Deren geschrei er hört von fern, Als wenns viel tausend katzen wern, Viel hundert tausend kleine schwein, So unterm tor beklemmet sein,
Und soviel er vernam und hort, War ihr rat, warnung und wort: Verachtet got nicht, lieben leut, Und strebet nach gerechtigkeit!
Hetten wir das ehemals getan, So würd es uns viel besser gahn, Dürsten nicht klagen ewig leid, Ewig, ewig ist lange zeit!
Wer ein sandberg uns vorgestelt Viel größer denn die ganze welt, Und ein vogel all tausend jar kem, Auf einmal nur ein körnlein nem,
Und got uns denn erlösen wolt, Wenn er das letzte körnlein holt: So wer hofnung, das unsr elende Zwar langsam, abr doch het ein ende;
Nun bleiben wir in gottes zorn On al hofnung ewig verlorn, Müssen mit dem leib und der selen Für kurze freud ewiglich quelen! –
Als dies gesicht die nacht gewert, Fürt er ihn heraus unversert Und sprach: Das du weist meine hitz, So reich mir deines messers spitz!
Die rürt er mit eim finger an, Das eisen wie wasser zerrann. Sag meinen kindern: woln sie brennen, Sollen sie got nicht lernen kennen
Und ihres vaters bosheit uben, Es ist ihn wol geheizt die stuben. – Als nun der dachs widrum heim kam, Und zuvor war ein schwarzer man,
Hat er verloren all gestalt, War plötzlich worden grau und alt, Sahe traurig und bestürzet aus, Fürcht sich zu treten für das haus,
Als noch jetzt an ihm ist zu sehen Und wird ihm vielleicht nicht vergehen. – Wenn ich dies alles wolt bedenken Und mit solchen sorgen krenken,
Würd ich bald seines gleichen werden, Für der zeit kriechen in die erden: Wie ich derselben viel gesehen, Die immer mit sorgen umgehen
Und damit nichts anders erwerben On daß sie für traurigkeit sterben, Ja sein all todt, weil sie noch leben, Das sie kein freud dem herzen geben.
Wenn man ein later oben deckt, Die luft zur seiten auch abschreckt, Das die flam kein atem kan finden, So muß das licht endlich verschwinden:
So gehts wenn man aufs gwissen dringt, Mit sorg das herz zusammen zwingt, Das traurigkeit das herz erstickt, Da freud leib und leben erquickt.
Darum schlag ich dies aus dem sin, Und wenn gleich ander sind so schlim Und mich damit wollen irr machen, Das sie sagen von solchen sachen:
Dein vater wird wol warm sitzen, Für dein reichtum Judas schweiß schwitzen, Antwort ich: Das stell ich dahin Und danke billig got und ihm.
Wer was haben wil, muß es wagen Und nicht achten der leute sagen. Und tue mich nicht desto minder um, Wo ich noch mer dazu bekum,
Mich und die meinen herlich ner, Es sei mit odr on got und er, Und nach der erbeit feiertag halt, Wenn ich zugleich bin reich und alt;
Und wenn ich das nicht brecht davon, Das ich könt sein ein freier man, Im alter mein warten und laben, Ließ ich das wesn ein guts jar haben. –
Wie ichs aber in allen sachen, Im fried und krieg pflege zu machen, Wie ich freund und feinde betrüg, Sie überwin und oben lieg,
Wie ich die falstrick riech und spür Und aus denselben brech herfür, Wie ich den jeger und den hund Mit meinem schwanz verleiten kunt:
Were weitleuftiger zu sagen, Denn sich wol schickt zu unserm jagen. Summa, mit behenden anschlegen Ist mir kein tier noch überlegen;
Ich bin ein man von tausend künsten, Eur allerbestn acht in die mindsten, Ich hab davon mein sack gar vol, Das man in der tat spüren sol,
Ein solche kunstgelerte hand Passieret frei durch alle land. Meint nicht anders, denn euer art Wer auch von natur so gelart;
So findt sichs leider in der tat, Das viel ein andern zustand hat, Das ihr wert mit der alberkeit In kurz kommen in großes leid."
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