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Das XIII. capitel.

Georg Rollenhagen

Die sechs personen zogen fort Nach des königs befel und wort. Und als der trommetr lerman blies Und der herold sich sehen ließ,

Kam könig Bausback bald heran Und mit ihm auch viel hundert man, Wunderten sich über die sach, Darum dies anblasen geschach.

Denn obgleich Bausback lengst bewegt. Das er nicht groß er eingelegt Und die meus sich davon besprechen, Wie sie an ihn sich solten rechen;

Darum er auch sein eigen leut Versamlet hat zur selben zeit. Dennoch war er der meinung nicht, Das ihr vorsatz zur schlacht gericht,

Viel weniger die andern dachten. Wie sie nun sich zum anfurt machten, Rücket nahe an des ufers rand Der herold, Topfkriecher genant,

Des Schrotkesn allerliebstes kind, Zeigt das scepter und sagt geschwind: "König Parteckfressr hochgeborn Hat wider euch billigen zorn

Samt der ganzen meusnation, So unterworfen seiner kron, Das du, könig Sebold Bausback, Sein son im tod gestürzt vom nack,

On einig seine missetat, Aus falscher list und bösem rat. Das woln sie rechnen mit der hand, Entsagn dir, dein leuten und land.

Und wenn man am dritten tag spürt, Das die sonn jetzt aufgehen wird, Wollen sie an derselben stat, Da du erst gabst den falschen rat,

Euch liefern ein blutig feldschlacht, Dazu seid mit kurzem bedacht. Und habt ihr herz und hend zum streit, So wert euch unser, es ist zeit!"

Damit schoß er ein pfeil in haufen Und ließ sein pferd wider heimlaufen. – Die frösch aber entsatzten sich ser Uebr dieser wunderlichen mer,

Sahen den könig traurig an, Ob er sein fromme untertan Füren wolt in ein solch blutbad, Das ihr keiner verschuldet hat.

Insonderheit die weiber liefen Von eim zum andern, schrien, riefen, Als wenn der see vom feur angieng Und alls zu verbrennen anfieng.

Sie klagten ihrer menner tod, Und das kein hülf wer in der not, Drückten die kinder an ihr herz, Es war ihn mit dem krieg kein scherz. –

Der könig abr berief sofort Die menr auf ein besondern ort, Stellet die fürsten, grafen, herren Neben sich ordentlich zun eren

Und sprach: "Ihr herren und lieben leut, Wie seid ihr so unmutig heut Und seht mich so unfreundlich an, Als wenn ich wer schuldig daran

Und hett ursach dazu gegeben, Das die meus anfiengen solch leben? Des königs son kam ungebeten Zu mir an bei das ufer treten,

War schneweiß und gezieret fein, Klug gnung, aber von leibe klein. Man sagt, das eine weiße maus Verender und betrüb das haus,

Das weiß elstern, ein weiß sperling Ein neuen herrn odr krankheit bring Und nicht, wie unser alten dachten, Ein frölich zeichen mit sich brachten.

Wie denn selten, was seltsam war, On bdeutung ist und on gefar. Wol mags war sein, weil mir itzunder Die weiße maus auch macht solch wunder.

Derselb, wie ihr wißt, zu mir kam, Wie ich ihn auch erlich annam, Da wir in freud beisamen waren Und wolt mit übers wasser faren,

Ob er gleich die schwimkunst nicht wüst, Wie die jugend vorwitzig ist. Ich widerriets ihm ernstlich ser, Darnach abr tat ich ihm die er,

Gont ihm auf meinem leib die stet, Das ich mein eigen kind nicht tet, Und fürt ihn sicher auf und nider. Ich sahe ihn aber gar nicht wider,

Als wir das schrecken erst empfiengen, Der wasserschlang im grund entgiengen. Denn er ließ hend und füße gehen Und blieb im see allein bestehen,

Da er sich doch aufs allerbest Solt haben angehalten fest, Bis das ich ihn fein brecht herfür An meines schlosses obertür,

Insonderheit weil er sich preist, Das er hett ein prophetengeist. Hat ihn drüber die schlang gefressen, Odr hat ers maul offen vergessen

Und des wassers zu viel gesoffen, Das ihm der tod das herz getroffen: Ist on mein wissn und wiln geschehen, Ich hab davon gar nichts gesehen;

Wie ihr selber auch werdet sagen, Wie herlich ich ihn hab getragen. – Nun sehe ich, mancher hab das glück, Trüg er seinen feind auf den rück

Bis hin gegn Rom ein weiten gang: So verdient er doch keinen dank, Wenn er ihn mit eim wort verletzt Odr am tor unsanft nidersetzt.

So gehts mir, das undankbar gsind Sich jetzt mit lesterworten findt, Wil mich für euch allen verhönen, Mein woltat mit schlegen belonen.

Das wird got strafen an ihrm blut, Wie er denn damit erstlich tut, Das er sie macht so toll und blind, Das sie des friedens müde sind

Und nach schlegen verlangen haben. Sind das nicht unsinnige knaben? Wenn strafen wil die gotteshand, So nimt sie eim witz und verstand,

Das man mutwillig stürzt in not Und für das leben welt den tod. Im unglück ist unsinnigkeit Die höchste straf und gröstes leid. –

Drum seid getrost und unverzagt. Wir werden unschuldig verklagt; Sie laufen uns erst für das haus Und fordern uns zum streit heraus,

Und ich hab das oft hören sagen: Wer ander fordert, wird geschlagen, Und wer eim andern grebt ein loch, Der muß darein abstürzen noch.

Also wird es ihnen auch gehen, Weil sie unser vorteil nicht sehen: Wir tretens wasser und das land, Sie sind nur auf erden bekant

Und müssen in dem wasser sinken, Jemmerlich wie ein stein ertrinken. – Der ursach halben acht ichs dafür, Wenn ihr, wie ihr solt, folget mir,

So wollen wir kommen zuvor, Am ufer hoch treten empor Und denn manlich die armen toren Ergreifen bei den langen oren,

Und alle in den see hinzwingen Und sie also alsamt umbringen, Und denn am ufer überall Aufrichten herlich freudenmal,

Die toten meus beim hals aufhenken, Das ander feind daran gedenken. Ja wir wollen auch auf dem platz, Uns zu eren, dem feind zu trotz,

Ein schloß bauen und turm daneben, Mit namen: Zu den Wasserlewen, Das wir daselbst die meus umbracht Mit leuenmut und leuens kraft."

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