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Das XII. capitel.

Georg Rollenhagen

"Ich biet mich auch bei jederman Zum rat und beistand wo ich kan, Nicht das sie mich für ihren knecht Oder spotvogel halten schlecht,

O nein, dazu laß ichs nicht kommen, Alls ist gericht zu meinem frommen. Sie müssen mir sein untertan, Ich bins, der sie regieren kan

Und werklich bei der nas umfüren, Ja in der haut dazu vexieren; Denn ihr herz steht in dieser hand Fester denn in eim eisenband,

Und wer die herzen weiß zu wenden, Der hat das spil gar in sein henden Und gibt die karten wie er wil, Davon sag ich andern nicht viel. –

Mitlerweil abr hab ich in acht, Das meins beutels auch werd gedacht Und ich groß gut möge erlangen, Darauf ist alles angefangen.

Darauf muß der könig selbst denken, Um wolverdienst gnadengeld schenken, Die jungherrn müssn vererung geben, Wollen sie für mich sicher leben,

Alle untertanen zugleich Müssen Reinken fuchs machen reich, Oder ihr sachen bleiben liegen, Das sie kein guten abscheid kriegen.

Insonderheit lausch ich heimlich, Wo ein reicher versündigt sich, Das er gar hoch wird angegeben, Als solts ihm kosten leib und leben,

Wo er mein nicht zun sachen braucht; Die straf kan ich ausbitten auch, Wo ich die sach auch kan verdecken; Das er in not und tod bleib stecken,

Versuch ich alle meine list, Die ser groß und erschrecklich ist. Was der fuchsschwanz nicht wil erreichen, Das muß die leuenhaut vergleichen,

Was ich durch lügen nicht erhalt, Das reiß ich zu mir mit gewalt. Denn weil es in der welt so gehet, Das glück wie ein heuschober stehet,

Wer davon rupft, derselbig hat, Wer sich verseumt, bleibt im tardat: So ist billig, das faule hend Got selbst mit armut schend und blend,

Die sich nicht wollen lassen raten, Sitzn am tisch, verschlafen den braten. Es sagt zwar der juris perit: Male quaesit, male perdit,

Uebl gewonnen, übl zerronnen, Mit fromsein kan ich nichts bekommen. Man sagt zwar: das ist ein from man, Und leßt ihn dennoch betteln gahn,

Es wird seiner gar schlecht vergessen; Niemand kan von frömmigkeit essen. Aber meine festung Malepart Mit unrechtem gut gebauet ward,

Sie steht noch da und pranget daher, Als wenns eins königs wonung wer; Viel ackers und holz liegt dabei, Das besitz ich ledig und frei,

Ob ich gleich nicht viel darum gabe, Das meist zwackt ich meim nachbarn abe, Insonderheit klosterpersonen, Verachten münchn und albern nonnen,

Auch witwen, unmündigen waisen, Und den so warn auf weiten reisen, Versatzt alte malstein und pfel, Macht wie ich wolt graben und wel

Und sagt, es wer von anfang mein. Wolten sies nicht lassen gut sein, Etwa zu hof anhengig machen, So unterbaut ich alle sachen,

Kanzler und reten bracht ich gaben, Das ich des königs gnad möcht haben. Denn geld, gewalt und herrengunst Zubricht er, recht und alle kunst.

Wenns aber ja noch hinken wolt Und nicht hinaus gehn wie es solt, So berief ich mich auf ein recht, Das ward nie erfunden so schlecht,

Ich macht dawider solch artikel, Das ich behielt ein groß partikel Und mein widrsacher got noch dankt, Das ichs halb nam on weiter zank,

Meint, ehe er macht mer parlamanz, Sei ihm das halb mer denn das ganz. Wers frischhin wagt, selten verleurt, Wers feur nicht schlagen darf, der freurt,

Wer nach eim gülden wagen ringet, Zu wenigsten ein lüns davon bringet."

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