"Unterdes schaut ich zu von fern, Ob die wunden auch tötlich wern, Und fragt endlich, wie es wer gangen, Wie er das mantier het empfangen.
Ich, sprach er, mag mit warheit sagen, Das ich bei allen meinen tagen Kein wunderlicher tier anblickt, Das sich zum kampf so seltsam schickt.
Erst hetzt es an mich seine hund, Die griffen mir nach kel und mund; Und weil ich mit denselben facht, Ein halb spinrad es herfürbracht,
Unten ein wenig darein biß, So schnellten die spindeln gewiß Mir in die haut und angesicht, Der kont ich mich erweren nicht,
Sondern sie flogen um mich her, Als wenns der fledermeuse wer. Da ich aber auch zu ihm lief Und mit ernst nach dem spinrad grif,
Warf es mir das ins angesicht. Dabei must es auch bleiben nicht, Zog aus der erden alsobald Ein dürren baum, gar bunt gestalt,
Daran hieng eine blanke wurz, Damit traf es auch mich im sturz Und satzt ihn mir stark an die brust, Drang auf mich zu so wild und wüst,
Wo es nicht het troffen ein knochen, Es het mirs herz im leib erstochen. Als ich den baum nun auch zubrach, Das es fiel, hoft ich gwonnen sach;
Abr es sprang widr auf wie ein fisch Und zog aus seiner seiten risch Ein lange, blanke, scharfe ribben, Und wer ich da so lang geblieben
Und nicht zuvor davon geflogen, Ehe denn es all het ausgezogen, Ich wer zerhackt elendiglich, Mit dem or geblieben im stich.
Dazu kam noch ein wundertier, Wie ein gespenst in weiß manier, Das bracht mit eim groß geknetter, Als ob es wer ein donnerwetter,
Ein ganz spinrad bis zu dem man Und der spindeln ein ganzen kram; Da war es zeit, das ich entgieng, Ehe ich den tod zu lon empfieng.
Nun ich aber dies hab gewagt, Weil du übr das mantier geklagt, So beweis mir auch dankbarkeit Oder vielmer barmherzigkeit,
Zeug das eisen aus meinen wunden, Hilf, das sie recht werden verbunden Und ich labsal hab vor onmacht: Das bluten hat mich schier umbracht. –
Ich gedacht: Nein, das sind sie nicht, Mein vater gab mir den bericht: Es gescheh dir gleich lieb oder leid, Deim feind trau nicht in ewigkeit!
Und antwortet: Mein edler held, Gebt ihr mir gleich die ganze welt, Wolt ich doch mein giftigen mund Nicht hinbringen zu eure wund,
Euch für schuldige dankbarkeit Noch machen größer herzeleid; Was ich aber weiß von guten rat, Beweis ich billig in der tat,
Und rat, das ihr wolt honig lecken, Das ist bewert für zorn und schrecken, Leßt im leib kein gelebert blut, Zu den beulen ists auch ser gut,
So von stößen kamen und schlegen, Auf die wunden kan mans auch legen. Honig ist ein himlische erzenei, Das macht euch aller schwachheit frei.
Petz sprach: Des bin ich mit dir eins, Der rum ist zwar des honig seims. Wo nemen wir ihn aber her? Ich antwortet: Das ist nicht schwer,
Ich weiß einen baum, ist fein vol, Wenn nur einer wer, der ihn hol, Ich kan aber kein baum ansteigen, Kan für schwachheit den rück nicht beugen,
Sonst ich des honigs so viel holt, Als einer immer essen wolt. – Ich verstund mich auf steigen baß, Sagt Petz, da ich noch jünger was,
Nun bin ich zu schwer und zu schwach, Dennoch die not zur tugend mach, Wenn ich damit das leben rette. Ich wil mit dir hin zu der stette;
Hette ich Tilen, meinen kleinen vettern, Der solt im sprung den baum anklettern, Doch möcht er meiner not vergessen, Den honig gar alleine fressen,
Denn damit helt er keinen stich, Ich muß selber versuchen mich. – So bracht ich ihn zu einer foren, Welch die mantier hatten erkoren,
Darin ein bienensitz gemacht, Der ihnen die honig einbracht. Die stieg er an mit großer mü Und kroch immer den honig zu;
Als er aber die beut aufbrach, Hieng eine keul für dem gemach, Die all vol nagelspitzen steckt, Wenn er die mit der faust abstreckt,
So prallt sie also fort herwider Und fiel ihm auf den kopf hernider, Das seinem nacken und dem or Zum großen unglück widerfur.
Die bienen brauchten auch der wer, Fürten auf ihn ihr ganzes her, Stachen ihm maul und nas vol beulen, Achten nicht sein brummen und heulen
Und das er ihrer viel erdrückt, Wenn er das haupt durch die arm rückt. Sondern wenn sie dazu noch rochen, Das ihrer so viel warn zubrochen,
Von zorn sie tol und rasend worden, Wolten den beren gar ermorden, Für ihren honig, schloß und stadt, Samtlich blieben auf der walstat. –
Indes kam Immenhans geschlichen Zu dem brummen und honigriechen; Ergrif dem dieb die hand im sack Und nam sein holzart von dem nack,
Schlug an ein hole eich einmal Und rief sein mordgeschrei mit schal, Das Petzen vergieng hören und sehen, Das er ließ hend und füße gehen,
Stürzt unbesonnen in ein pfal, Der oben spitz war, lang und schmal, Mit fleiß unter dem baum eingraben, Das honigleckn gefar solt haben,
Der kegel gieng ihm ein zur seit, Zur achsel aus, vom haupt nicht weit. Da sprang hinzu der alte tropf, Schlug ihm die holzaxt in den kopf,
Das er zu beiden seiten hieng Und das gehirn zur erden gieng, Die sel fur mit angst und trübsal In einem grim ins finster tal;
Und sprach: Wilkom, herr honigdieb, Nim mit dem wirt also fürlieb; Dir ist nicht viel zu gut geschehen, Zur andern zeit sols besser gehen.
Du meinst, es won hier Rustefeil, Der nicht zu brauchen weiß die beil, Hat Braunen nur die kappen gezogen, Die kundschaft hat dich ser betrogen. –
Indes kam auch der jeger wider, Spürt nach dem blut den wald hernider; Ich wolt aber sein nicht erwarten. So verstackt ich dem Petz die karten,
Das er mich ungefressen leßt. Aufsehen ist im spiel das best. Bessr ist furchtsam vorsichtigkeit Denn tumküne vermessenheit."
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