Wie das so jederman vernommen, Erhub sich widerum ein brommen, Wanktn wie im feld die reife sat, Wenn sie der wind gerüret hat.
Einer sahe den andern an, Wer sich ausgab für solchen man, Bis der viert herr auch herfür trat Und offenbaret seinen rat.
Er war geborn von edler art, Für alter grauet ihm der bart, Und ward unter allen den alten Für den allrweisesten gehalten,
Hielt sich reisig wie ein hofman Und trug allzeit ein sebel an, War ehmals hofmeister gewesen, Kont auch wol schreiben und wol lesen,
War itzt oberaufsehr im land, Von ernst und tugend wol bekant. Der winket allen mit der hand, Das man hielt einen stillestand
Und zuhöret, was man da sagt Und wie der ratschlag würd befragt. Bald schwieg der hauf und hört in still, Was der alt Friedlieb sagen will;
Denn so war die alt maus genant, Den meusen lieb und wol bekant. Wie sie nun aufhielten den mund, Alsamt hinsahen da er stund,
Hub er die augen von der erd, Sie algemach zum haufen kert, Strich auch zurück am bart den knebel, Fasset mit der linken den sebel
Und reuspert sich zum drittenmal, Sprach, das es schallet überall: "Großmechtigstr könig, gnedigstr herr, Die sachen sind ser groß und schwer,
Die wir itzund anfangen wollen, Darum wirs wol bedenken sollen. Denn vorgetan und nachbedacht Hat manchen in groß leid gebracht;
Und vorbedacht, was nach mag kommen, Hat oftmals gebracht großen frommen. Mich gedenkt, das vor alten jarn, Da wir noch junge meuslein warn
Und ich im schloß am fürstensal Mit meinen kleinen brüdern all Hinter dem getefel im nest Verwaret lag ser wol und fest,
Hielten große herrn wol bedacht Heimlichn ratschlag die ganze nacht, Wie man ein krieg wolt fangen an, Beschreibn, besolden pferd und man,
Verlegen alle weg und paß. Der ein sagt dies, der ander das, Bis endlich der fürst scherzhaft fragt, Was denn der narr auch dazu sagt,
Der ungefer auch war dabei, Mer wesens macht denn ander drei, Wenn ers licht putzt, die becher schwenkt Und denn bier oder wein einschenkt.
Das war seine befolne sach, Darauf er wartet im gemach. Was ist denn krieg, fraget der narr, Ists eine kuhe oder farr?
Der fürst lachet und saget her, Das krieg ein solcher handel wer, Da man samlet viel leut und pferd Mit harnisch, bogen, spieß und schwert,
Das der feind dergleichen tet, Zögen gegn andr auf einer stet. – Was mer? fragt er. Der fürst antwort: Da hebt sich dan ein grausam mord,
Etlich tausend werden erschlagn, Etlich muß man halbtot hintragn. – Was denn? sagt der narr, was ists end? Der fürst lacht und antwort behend:
Endlich vertregt man denn die sach. – Billig ich solcher torheit lach, Sprach der narr; warum wolt ihr affn Euch nicht alsobald frieden schaffn,
Alle sachen zuvor vertragen, Ehe denn ihr werdt zu tod geschlagen? Diese red wolt keinem gefallen Und ward auch verspottet von allen,
Bis sie schendlich wurden geschlagn, Musten den spot zum schaden tragn. – Wenn ich nun auch hie geb den rat, Den eh ein narr gegeben hat,
Man solt nicht so schleunig und bald Die sach vornemen mit gewalt, Weil wir mit wiesel und der katzen On das teglich haben zu kratzen,
Sondern zuvor legaten senden, Bausback beklagn für des reichs stenden Und zur straf fordern ernstiglich. Wolt er drauf nicht finden sich,
Bestellt man heimlich eine wacht, Die auf ihn hielt mit guter acht, Wenn die frösch nach den mücken fischen, Das sie in der jagd ihn erwischen
Und her zu uns bringen gefangen. An höchsten baum wolln wir ihn hangen; Er ist doch schuldig gar allein Und seiner untertanen kein.
Wird aber krieg gelaufen an, So gehts über die untertan, Denn wenn die junkherrn raufen, schreien, Müssn die baurn ihr har darzu leihen
Und geht über unschuldigs blut. Unschuldig blut, rachgierig flut. Solch blut vergießen ist nicht gut, Darum sehe man wol was man tut!
Es haben mit des königs kind Zwar mitleiden all, die hie sind, Und wolten lieber alle sterben, Denn das der könig blieb on erben;
Aber wenn wir alsamt geleich Erseufet würden in dem teich Und unser weib und kinderlein Im elend ließen waisen sein,
So ist doch alle müh umsunst, Es ist verloren kost und kunst, Gut und blut one nutz vergeben; Er wird leider nicht wider leben.
Das kein aber leichtlich geraten – Was doch got verhüte mit gnaden! Das unser glück geh gar zurück – Denn glück hat ser viel böser tück –
Und der könig auch werd erschlagen, Das wir noch mer haben zu klagen, Als die gewesen sind so frech, Sich selbst recht gestürzet ins pech,
Krieg und aufrur auf uns geladen, Deren wir wol könten entraten. Als die geis selbst das messr auskratzt, Das ihr ward an die kel gesatzt.
Will man auch gleich mein red so halten, Als bdeut sie ein verzagten alten, Acht ich doch solcher urteil nicht, Wenn ich, was euch nutz ist, bericht
Zu bedenken, ratn und zu kieren Und zu vorsichtigen krieg füren. Ich halt den für ein tapfern man, Der im ratschlagen ist forchtsam,
Wol zuvor bewegt alle sachen, So ihm könten widerstand machen, Und denn ein unverzagtn mut hat, Wenn man nun greifen sol zur tat.
Der anfang ist zwar bald gemacht, Der feind ist auch gar schlecht veracht, Das end ist aber leider schwer, Viel ghört zur steten gegenwer,
Viel mer, das man den feind bezwing Und sich nicht selbst um alles bring. Wie das kamel wolt hörner tragen, Damit die mantier zu verjagen,
Und got gab nicht allein kein horn, Sondern schnitt ihm ab beide orn. Die bien begert sich auch zu rechen, Wolt ihr honigdieb gar erstechen,
Abr got machts, wenn sie einen stech, Das ihr stachel bald gar abbrech Und ihr leben verloren wer – Uns zum exempel und zu ler.
Wir achten die frösch so gering, Als je war in der welt ein ding. Der Pharao tet gleich also, Er ward abr seins lebens nicht fro,
Es war verloren all sein macht, Bis das got selbst die frösch wegbracht. Zehn jar fürten die Griechen krieg Ehe ihn von Troja ward der sieg;
Die frösch zwangen dasselbe land, Zuvor Dardania genant, Ehe denn ein monat gar vergieng. Da es frösch zu regnen anfieng,
Sie kamen an mit solchem haufn, Das all mantier musten entlaufn. In Pononia ists auch geschehn, Wie die zeugen, die es gesehn. –
Denn das man will den see abstechn Und sich an die frösch also rechn, Ist bald gesagt, langsam volbracht. Und wenns gleich stünd in unser macht,
Ist die frag, ob es uns nütz sei Und ob wir dadurch werden frei? Ob nicht das wassr übr uns wird stehn, Wenn es den fröschen solt entgehn,
Und müsten denn ersaufen drein. Als den hunden sol gangen sein, Da ihnen wolt die weis verdrießn, Da sie viel tot vieh sahen fließn
In dem wüsten und wilden mer, Als ob ein land versunken wer, Vermeinten das mer auszusaufn Und denn hin zu dem aas zu laufn,
Und brachten sich selber in not, Soffen sich erst am wasser tot. Obs uns auch nicht könt widerfaren Als den haselmeusen vor jaren,
Die ihren baum umgruben gar, Das sie on mühe und on gefar Der nüßlein alzeit mechtig weren, Und musten nachmals der entberen,
Als der baum nimmer tragen wolt, Weil er im grund nicht bleiben solt. Also könt uns gar leicht geschehen, Wenns wasser solt dem see entgehen
Und nicht mit frieden stehn am land, So leckten wir für durst den sand. Wir müssen auch haben in acht, Ob dazu gnug sei unser macht,
Obs got und mensch nicht wenden kan, Das wir uns dessen unterstan, Weil got für alles vieh den see Füllet mit wasser, regen, schnee,
Weil der mensch ihn vielfeltig nützt Und seine malzeit daraus putzt, Wenn der kein wasser haben kan, So ists um sein bratfisch getan.
Darein wird er nimmer bewillgen, Solt er uns auch mit feur vertilgen. Man muß also von allen sachen Nicht aus rachgier sein rechnung machen,
Sondern auch bedenken daneben, Wenn wir endlich dem frosch vergeben Was er uns hat getan für leid, Wenn nun lang gnug gewert der streit,
Wenn er sich gar machet bequem, Sein son des königs tochter nem, Was wir ihm denn guts wünschen wolten, Odr was wir ihm guts wünschen solten.
Das ist weisheit, das man nicht sehe Was einem für den füßen stehe, Sondern was künftig ist hernach, Was für ausgang folg in der sach.
Den krieg soll man allein anfangen, Frieden zu schützn odr zu erlangen, Nicht das man on alle ursach Sich und andern unruhe mach,
Andern alles tue zum verdrieß, Viel unschuldiges blut vergieß, Ehe denn wir friedlich dulden wolten, Das ander bei uns wonen solten:
Das widr got ist, natur und er Und gelinget uns nimmermer. All frösch werden wir nicht vertreiben, Es müssen frösch und meuse bleiben;
Allein werden wir in der welt Nicht besitzen wasser und feld. Darum rat ich, eilt nicht zu ser! Krieg wird freunden und feinden schwer.
Nechst einem gotseligen tod Ist fried das edelste kleinod, Das uns meusen hie kan zustehen. Fried sol für krieg und sieg hergehen,
Fried ist aller welt trost und freud, Got erhalt fried zu unser zeit!"
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