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Das X. capitel.

Georg Rollenhagen

"Es war die zeit um mitternacht, Das keins von den mantieren wacht, Es schwiegen auch die vögelein, Die in dem wald und wasser sein,

Und alle tier im ganzen land; Der volle mon am himmel stand, Gieng in der still samt seinen sternen, Das man nichts höret nah noch fernen.

Da wanderten die meuslein beid An der stadtmauren nach der seit, Da das tor war beschlossen fest, Und krochen unten durch zuletzt;

Die wechter ihrer nicht vernamen. Zum haus sie auch noch zeitig kamen, Darin Gutkeschen war daheim, Schleiften albeid zum fenster ein.

Der hausher aber hat den tag, Wie er auch sonst gemeinlich pflag, Mit großen herren banketiert, Gefressn, gesoffen, jubiliert;

Und war auf dem tisch aufgebreit Ein roter sammit wolbereit, Darauf im silber stunden rein Mancherlei eierküchelein,

Rosinlein, zucker, mandelkern, Zybeben, hergebracht von fern, Leckkuchen, epfel, birn und nüß, Castanien, gebraten süß;

Und dabei waren becherlein Mit dem allerlieblichsten wein: Muskatel, bastard, alakanten, Von würz gemacht vil ungenanten,

Als den gesten war überblieben, Nachdem sie der trunk hat vertrieben. Zu dem sprungen sie auf die bank, Auf gwirkte polster kurz und lang.

Da fand Warnfried on gfer ein stück Vom küchlein, das hielt ihn zurück. Gutkeschen aber sprach mit freuden: Mein gast, du must kein mangel leiden,

Die bröcklein nicht von denken lesen, Was solt das arme bettelwesen! Spring zu mir auf den herrentisch, Da ist alles köstlich und frisch,

Was eim seins herzen lust begert. Ich schenk dir alles unbeschwert. – Warnfried hüpft auf die sammitdeck, Wundert sich der köstlichen schleck,

Nam zuckermandeln und zybeben. Dies ist, sprach er, ein englisch leben; Wie lieblich schmeckt der edle wein, Im himmel kans nicht besser sein. –

Ja freilich, sprach Gutkes mit pracht, Darum Hab ich oftmals bedacht: Ihr baursleut geht in aberwitz, Das ihr liebet den ackersitz,

Und möchtet in stedten mit eren In wollust leben wie wir herren. Denn, wer lobet des kukuks singen Und der schnecken meisterlich springen,

Der bauren tanz und bettlerzeren, Von dem sagt man mit allen eren, Das er die nachtgal nie hört singen, Sahe auch kein leoparden springen,

Kein welschen tanz und kaufleutessen, Oder hat aller sin vergessen. – Indes erwacht der kaufman wider, Der sich unlengst geleget nider,

Denn derselbig war der hausherr. Der große trunk war ihm zu schwer, Das er ihn must her wider geben Und furcht, da zu lassen sein leben;

Uebr herz und haupt er jammer klagt, Rief seiner fraun, dem knecht und magd, Es hört aber da gar niemand. Ein schreiben war im haus bekant,

Mit dem spielt die frau hochzeitnacht; Wie oftmals ward dabei gedacht: Wenn der hausherr wer todt, allein Der schreiber solt ihr eigen sein;

Weil sie doch keine kinder het, Leg bei der vollen sau im bet, Odr müst ihr fasten halten schwer, Wenn er an fremden orten wer,

Seß bei Marlischen oben an Und wer nur aller weiber man; Solt das nicht sein ihrs herzen reue, Das sie so lange gewesen treue

Und nicht bei solchem großen gut Ehe gesucht ihren Wolgemut, Einen so teuren werten held, Ihm mitgeteilt freundschaft und geld,

Es würd es doch erben ein man, Der ihrer keins ein heller gan. – Endlich der knecht einer erwacht, Wie der her rief aus ganzer macht,

Leuft zu dem bet hin, gar verzagt, Zu hören was der herr da klagt. Der sprach: Wo ist das weib hinkommen? Hat sie der teufel weggenommen?

Gehe bald ins haus, ruf da und schau, Wo die magd bleibet mit der frau. – Der knecht poltert eilend hinaus Und fragt, ob jemand wacht im haus.

Das nam die magd zum glück in acht, Die vorn saß und beschlief die wacht, Sprach: Die frau wer nicht allzuweit, Zur not hin auf der heimlichkeit. –

Sie solt zum herren kommen bald, Das er bericht gleicher gestalt. – Indes gieng auf die tür am haus, Der schreiber fur heimlich hinaus

Mit seiner rüstung, wie ers fand, Der paß war ihm beinah verrant. Die magd darauf noch warten must; Die frau beklagt die kurze luft,

Lief zu ihrem herren fürs bet, Viel kleglichr denn er selber tet, Wie ihr im leib nur wer so weh, Sie wolt des weins nicht trinken meh,

Der vielleicht wär böslich vermengt. – Der herr wie krank er immer war, So jammert ihm seins weibs gefar, Sagt, das sie ins warm bet sich legt,

Und durch die kelt nicht mer erregt; Er wer von dem verfluchten trank Uebraus mat und so herzlich krank, Das er zweifel an seinem leben,

Wolt darum nicht ein heller geben. Da schrie die frau: Ach zetermord, Knecht, lauf auf die stub an ein ort, Hol essig und kraftwasser her!

Das würd mir armen frauen schwer, Das ich die wort solt hören an; Ach got, hilf meinem armen man! Lauf, magd, und mach ein deckel warm,

Lauf eilend! Das sich got erbarm! – Da sie nun dis lermen so machten Und alle türn im hause krachten, Al knecht und megd erwachten auch,

Den noch ser irt vom wein der rauch, Der bot auch in die stuben kam, Sein essig und kraftwasser nam: Ja, da riefen beid katz und hund.

Das essen bestarb in dem mund Unsern meuslein und lieben gesten, Wurden verstöret in dem besten. Die stadtmaus sprang zu ihrem loch;

Die feldmaus hin und wider kroch, Wust nicht, was sie doch nem zur hand, Sie war ganz und gar unbekant. Endlich, wie über alles hoffen

Widrum ein stillstand ward getroffen, Da man überal niemand hort, Kroch Gutkes herfür aus seim ort, Rief seinem gast mit leiser stim,

Das er wider ankem zu ihm, Die angefangn freud zu vollenden. Warnfried fragt mit zitternden henden, Ob sichs auch mermal so begeb,

Das diser lermen sich, erheb. – Gutkes antwort: Das acht ich nicht, Weil es fast teglich hie geschicht; Dafür must dir nicht grauen lassen,

Dagegen desto besser prassen, Hofsuppen sind lieblich zu lecken, Werden aber gewürzt mit schrecken. – Warnfried antwort: Ist teglich so,

So bin ich des prassens nicht fro, Da ist mer gal denn honig bei; Dessen bin ich daheime frei. Got er mir mein arm kesenbrot,

Das bringt mir kein schrecken zum tod, Lesset mich mit gutem gewissen Friedlich meiner arbeit genießen: Gleichwie die ems in ihrem stande

Auf den beumen und auf dem lande Bei gringen gut im frieden gehet, Die flieg aber groß gfar ausstehet, Wenn sie wil sitzn bei großen herren

Und sich in eitel wollust neren. Wolfart steht nicht auf gering vorteil, Sondern das man nicht klag groß unheil. Ein jeder laß sich an dem gnügen,

Was sich zu seim handel wil fügen; Wird er drüber zu viel begeren, So muß er groß und kleins entberen. Ade, mein freund, zu guter nacht,

Ich muß anheim, eh man erwacht! – Es geht nach dem sprichwort der buben: Ind scheun ghört heu, in bauren ruben, Sprach Gutkes in eim zorn und grim;

Bist du so alber und so schlim, Das du leufst, wenn ein hund nur bilt? Ich halt dich nicht, wenn du nicht wilt. Ich wolt dich zu eim herren machen,

So kanst dich nicht schicken in sachen; Der frosch hüpfet wider in pful, Seß er gleich auf eim golden stul. – Also kam Warnfried voller sorgen

Wider zu haus am frühen morgen, Und weil ich da am wege saß, Fragt ich, wie er so frühe auf was. Er sprach: Man sagt, das ein hund bat

Den andern, das er esse sat In seines herren gasterei. Der gast fand sich auch bald herbei, Gieng in die küch, schmeichelt dem koch,

Der stürzt ihn aus zum fensterloch; Wie er ihn also mit der hast Bein hinterbeinen hat gefast, Das er schrie zetermordio,

Sein nachbar fragt: Wie rufst also? Wie bist du von dem wirt empfangen? – Es ist mir, sprach er, so wol gangen, Das ich für trunkheit nicht vernommen,

Zu welcher tür ich sei auskommen. So bin ich auch zu gast gewesen, Dank got, das ich noch bin genesen. – Damit erzelt er alle sachen,

Das ich der gastung noch muß lachen. Insonderheit mich wunder tet, Das der wirt selbst gespien het Was er von seinem gut einfraß,

Und das die frau so schalkkrank was, Das Gutkeschen von der magd erfaren Und Warnfrieden must offenbaren, Als er zum andern mal ankam,

Gern mit dem baursman verlieb nam. O wenn wir meus solten nachsagen, Was seltsam hendel sich zutragen, Die wir anhören und ansehen,

Es würd seltsam zeitung umgehen. Jedoch wird nichts so klein gesponnen, Es kömt noch endlich an die sonnen; Und wenn die sonn den schnee ableckt,

So blickt herfür, was er bedeckt. Dis hab ich nur darum erzelt, Weil euch die weise wolgefelt, Das jeder blieb in seinem stande,

Er sei in stedtn odr auf dem lande. So müssen wir meus es got befelen, Das der feind list, gift, macht uns quelen."

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