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Das VIII. capitel.

Georg Rollenhagen

"Dies rümt das schwelblein Gabelschwanz, Sagt: Das gefellt mir gar und ganz, Rechst got ist die beste klugheit Wolbedachte vorsichtigkeit.

Und wenn wir der gebrauchen wollen, Die pferdhar nicht viel schaden sollen! Aber zu besorgen ists, das Der mensch dabei nicht bleiben laß,

Sondern mer list und renk erdenk, Damit er uns in tod versenk. Wie ich denn neulich an eim ort Von einer alten vetteln hort,

Das sie den ratschlag het bedacht: Wenn aus dem lein würd flachs gemacht, Und denn aus dem flachs garn und faden, Aus faden stricklein, netz und waden,

Könten sie uns vogel mit den fischen Semtlich in einem ruck erwischen. Seht, was erdenkt ein altes weib, Das ja der reim warhaftig bleib:

Was der teufel nicht mag ertichten, Das muß ein altes weib verrichten. Es ist auch ihr wille geschehen, Der lein geseet, ich habs gesehen,

Habs auch treuherzig angezeit; Aber man spottet mein die zeit. Der sperling und ich gruben weg, So viel wir konten, aus dem dreck,

Aber eins enzeln mannes hand Ist gar zu schwacher widerstand. Nun ist er zertlich aufgegangen, Hat allererst zwei blat empfangen;

Lasset euch warnen, tut zur sach, Rottet ihn aus weil er ist schwach, Ehe denn er wechst und sam bekümt, Ehe denn er alle welt einnimt.

Wenn das fünklein erst herfür blickt, Ein finger es gar leicht erstickt; Wenns aber die flammen erhebt, Unverhindert herumher schwebt,

So leßt es sich nicht treiben ein, Flöß gleich herdurch beid Elb und Rhein. Lasset kein flachs und garn draus werden, Odr eur wolfart ist aus auf erden!

Werd ihr verachten gute ler, So wird euch Reuel beißen ser. Dergleichen rat der kauz auch gabe, Der sich vom uhu sondert abe,

Zu klugen vogeln sich gesellt, Steht bei der Minerva gemelt, Die nach der alten Griechen lar Eine göttin der weisheit war.

Darum er hieß die vogel eul, Sprach: Es ist nun eine gute weil, Da ich aus eim prophetengeist Euch am eichbaum den mistel weist,

Wie er von krammetvogel kem, Wenn ihr geschmeiß die rind einnem, Bat, das sie auf die erd solchs ließen Und nicht die edlen beum beschmissen,

Odr sie würden ihre torheit Noch beklagen in großem leid. Ich bat auch, das wir dazu teten, Die jungen sprößlein herab treten,

Damit sie nicht mit ihrer bürden Zu unserm schaden größer würden. Es galt nichts. Nun wechst er daher Und sitzt ganz vol schneweißer ber,

Aus welcher dicken, zehen schleim Die vogler werden machen leim, Uns damit allesamt zu fangen, Wenn wir darin klebend behangen

Und viel gewisser müssen bleiben, Denn wenn sie rutn mit pech bekleiben. Last uns noch vorkommen den sachen, Uns alle semtlich daran machen,

Die berlein samt den zweign abfretzen, So kan uns der keines verletzen. Was woln wir sein so roh und wild, Das bei uns kein rat hilft noch gilt?

Den halt ich für ein weisen man, Der ihm selber wol raten kan; Der ist auch seines lobes wert, Der gutem rat folgt unbeschwert.

Wer aber selber wüst kein rat, Auch nach der weisen ler nicht tat, Der war und blieb ein toller narr, Bracht sich und ander in gefar. –"

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