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Das VIII. capitel.

Georg Rollenhagen

Als nun die sonn auch gieng hinab, Der berg ein langen schatten gab, Der wind abr zwischen west und nord Je lenger je sterker wehet fort,

Wandt sich fürst Friedlieb gar geschwind Wider zurück von sonn und wind Und schwang sein ordnung in die krüm Vom wasser gegen die frösch herum,

Und zog stracks auf den Padderan, Der widerum hielt vornen an. Indes kam auch der hinterhalt Heran, wie Friedlieb hat bestalt,

Eitel junge und frische kunden, Die den fröschen ihr wer wol gunten, Und denn die spansche arkubusierer, Die schleuderer und bogenfürer,

Die soltn die frösch zur seit anrennen, Versuchen ihr ordnung zu trennen. Darnach solten drei fenlein stehen Bei dem see am ufer, zusehen,

Wenn ein frosch sein friedsteten sucht Und nach dem wasser nem die flucht, Sie den manlich konten erhaschen, Eins geben mit der cordilaschen.

Er wolt von fern die sach anfangen, An ihn versuchen schwert und stangen, Bis der könig auch kommen würd, All regiment ordentlich anfürt.

Wie des Mortanzen leutenant Vom hohen berg sahe und erkant, Bracht er sein schützen mancherlei Auch hinter den fröschen herbei. –

Da gieng alles von neuem an, Das fielen beide roß und man. Da lag ein frosch und hie ein mans, Das groß geschrei klang überaus,

Das alles in den lüften kracht, Als poltert der donner mit macht. Das blut floß auch so tief im feld, Als wenn es aus der erden quelt.

Der Friedlieb rant auf Padderan, Das er den schild must fallen lan Und zurück stürzen übers roß; Das seine reuter sehr verdroß,

Die all auf den Friedlieben stachen; Er acht sich aber nicht der sachen, Sondern drang auf den feind hinein, Als durch die netz ein wildes schwein,

Und eilt immer in haufen baß, Das er dem könig reumt ein gaß Und der frösch ordenung zertrent, Den krieg brecht zum gewünschten end.

Und schlug indes wen er bekam, Diesen gar tot, den andern lam; Gründeln stach er das herz entzwei, Und weil Bachart hielt nah dabei,

Ihn aus dem stich entrücken wolt, Denn er war ihm von herzen hold, So spießt er Bacharts rechte hand, Das sie Gründln auf der brust bestand. –

Es kam auch an ein edler Schwabe, Ein schöner wolberedter knabe, Springer genant, war gern dabei, Wo man solt stiften meuterei.

Der bespottet Friedlieben kleid, Fragt, ob er kem zur fastnachtsfreud, Oder wolt lugen, wie es tut, Wenn durch das weiß flöß rotes blut?

Der wollust wolt er ihm geweren, Das er solt des pfaffen begeren. Und legt damit die stangen ein, Ihn durchzurennen wie ein schwein.

Friedlieb sprach: "Du, mein Schwabenkind, Brauch nur der faust und spar den wind!" Und gab ihm mit dem schwert ein strich, Das er halb tot zur erden wich.

Dergleichen tat er Mückenschluckern, Gensfüßern, Tauchern, Wasserkuckern Und andern one zal und namen, Wie sie ihm unter augen kamen,

Und macht seinen meusen die ban, Als ob man sehe bergunter gan Einen ser schweren mülenstein Ueber die kreuter groß und klein,

Alles umstoßen, niderreißen, Gewaltig in eim druck zerschmeißen. – Darauf denn auch kam der Ratman, Hielt mit seinem volk tapfer an,

Folgt dem Friedlieben auf dem fuß Und bracht den fröschen bösen gruß; Und da Watrachs ihm wolt begegnen Und mit einem faustkolben segnen,

Setzt er ihm sein schwert in die seit, Das er sich krümmet wie ein weid, Fiel in seiner trabanten hand Für tot von seinem roß aufs land.

Darübr die frösch ergrimten mer, Stellten sich hart zur gegenwer, Wolten rechnen ihrs fürsten tod, Gült es gleich die eußerste not.

Der stark frosch Helruf wolgenant Maus Leckars durch die leber rant, Dieweil er bei der meuse schar Mit vornen an der spitzen war,

Und sprach: "Da lieg, du lose maus! Kanst du nicht heim bleiben zu haus, Wilt uns bringen ein mummenschanz, So fiedelt man dir solchen tanz."

Er fiel zurück in staub hinein, Macht sein weiß hemdlein gar unrein. Bald traf Helrufn ein pfeil am kopf, Das er stürzt als schlüg ihn der tropf,

Und blieb urplötzlich selber tot, Dem eins andern tod war ein spot. Das er abr auch nicht blieb allein, Lag er Dreckfroschen auf ein bein.

Das Lochkriecher ward schleunig in, Schoß seinen spieß nach Dreckfrosch hin, Das in der eil die ganze stang Ihm durch den brustknochen hindrang

Und er kam in die letzte not, Die seel für hin und er blieb tot. Topfkriecher war doch gar geschwind Und hieb Beißköler nach dem grind,

Das die sturmhaub poltert herunter. Beißköler sagt: "Das hett mich wunder, Wenn ich das annem für ein scherz!" Erstach Topfkriechers edles herz.

Der held Brodfraß aber stach auch Den frosch Schreihalsen durch den bauch, Das er sich überwarf wie ein aff, Als er ihm den brustboden traf. –

Wie herr Seefreud sahe, was geschach, Seins freundes schweres ungemach, Das Schreihals so ganz jemerlich Von dem stich taumelt hinter sich

Und nicht mer hat sein schwert und spieß, Die er in meusen stecken ließ, Ergriff er einen mülenstein Und lief zu Brotfraßen hinein,

Warf ihm den mitten auf den hals, Das für sein augn verfinstert alls. Maus Leckschwanz bald ein blanken spieß Ihm wider nach der seiten stieß

Und felet auch nicht um ein har, Sondern durchstach sein leber gar. Dafür erschrak von herzen grund Der Kolfraß, ward bleich um den mund,

Die flucht hin zu dem wasser gabe Und sprang wider vom ufer abe. Aber der Leckschwanz eilt ihm nach, Macht ihm von hinten zu die sach,

Das er sich strackt auf seinen bauch, Der odem der entgieng ihm auch, Und sein schön purpurfarbes blut Rann zugleich in die wasserflut,

Das feist aber und eingeweid Quall da mit haufen aus der seit, Und blieb so liegen in der not Am selben ufer gar für tot.

Da auch viel seiner gsellen lagen Erstochn, erschossen und erschlagen, Unter den Schrotkes mausen gieng, Perlen zu suchn und gülden ring,

Bis das Seefrosch über ihn kam Und ihm sein lebn und waffen nam. – Gutbischen war ein schöne maus, Erzogn in der großmutter haus,

Und hielt sich im streit gar verwegen, Als wer er frei für allen schlegen. An dem wird der Weitmaul gewar, Das er zur linken in dem har

Unter dem arm ein beutlein trug. Weitmaul meint: da ist geldes gnug! Und stach ihn manlich durch den rücken, Das er tot must in das gras bücken,

Und riß in eil den beutel weg, Lief damit über einen steg Unter einen dornebusch gschwind, Zu schaun, was er für beute fünd.

Er biß, er riß mit allem fleiß, Bis er das büschlein gar zerreiß. Meinen und hoffen tröstet wol, Geret es doch selten wie es soll.

Es war drein: jungfraunpergamen Von einem ungebornen schwein, Beschrieben mit wunderseltsamen Charakteren, zeichen und namen,

Als: halli tetragrammaton, Procarz mustel, sall guardrion; Dabei auch noch gefunden ward Orant, widertan, eisenhart,

Mit kleinem stücklein kes und brot, Einen knöchlein von einer kröt, Ein auge von der schwarzen katzen, Ein langer schwanz von einer ratzen.

Das ihm die großmutter einbund, Damit er nicht würde verwundt, Auch nicht bezaubert irgend mit; Abr auf diesmal halfs ihm gar nit.

Weitmaul abr erschrak aus der maßen Und kont sein großen zorn nicht lassen, Das ihm die gut hofnung gefelet Und er zum schatz die koln erwelet,

Kam in dem blinden grim gelaufen Zur seit hin an der meuse haufen. Die hießen ihn wilkommen sein, Stachen als auf ein wildes schwein,

Einer durch seinen linken arm, Der ander in bauch zum mastdarm. Er aber grif gar grimmiglich Mit beiden feusten umme sich,

Das er in armen gar umfieng Den jungen fechter Springering, Welchen der poß heftig verdroß Und wolt sich widrum wirken los,

Fieng an, ihn ins gesicht zu schmeißen, Zu treten, zu kratzn und zu beißen, Bis Weitmaul auch herumher tapt, Den Springring bei dem kopf erschnapt

Und bis zur achsel gar einschlingt, Sich selbst und ihn ums leben bringt. Denn beid erstickten sie also Und lagen zum spectakel do

Als ein wundertier mit acht füßen, Die frösch und meus zusamenstießen. – Für den meusen auch einhergieng Der starke Pommer Bohrdenschink,

Wolt den fröschen mit seiner keulen Gleich klopfen ihre augenbeulen. Wie den erblickt der Münzenfraß, So gern am grünen anger saß,

Da war es ihm kein schimpf noch scherz, Ganz und gar entfiel ihm das herz, Das er den schild und auch den spieß Für großem schrecken bleiben ließ,

Und wagt hin in den see ein sprung, Verkroch sich schnel im tiefen grund. Des musten andre sechs entgelten, Die sich zur wer mutig anstellten

Und wolten Bohrschinken empfangen Mit ihren langen binzenstangen, Als Rürendreck, Plumpart und Quacker, Abendschreier, Wescher, Nachtwacker.

Denselbigen warf er verwegen Seine keul in die spieß entgegen, Darauf er sie noch trat und schlug, Bis jeder bekam sein gefug. –

Fürst Wasserfreud der trug auch haß Zum mechtign fürsten Schinkenfraß, Und weil er lang mit ihm gerungen, Mit schwert und stang auf ihn gedrungen,

Auch so manch kampfstück vorgenommen, Das sie beid von ihrn pferden kommen, Dennoch ihn kont verwunden nicht, Dieweil der harnisch war so dicht,

Warf er ein stein mit großer macht Ihm an den hals hin, das es kracht, Das ghirn und blut vorn aus der nasen Hinabflossen, ferbten den rasen.

Der stein rürt auch den Kornefraß, Das er seines eides vergaß Und hinket davon über macht Mit großem schmerzen aus der schlacht. –

Es war auch ein ser frommer man Ein frosch, Herr Drecksheuser mit nam, Pflag den fröschen ihr tenz zu geigen Und vorzusingen ihre reigen.

Zu dem kam in der eil gegangen Der Tellerlecker mit der stangen, Damit er ihn zu tode stach, Das die nacht ihm die augen brach.

So versahe geig, gesang und tanz In einem augenblick die schanz. – Marx Lauchfraß drang auch stark herein, Ergreift Spürbraten bei eim bein

Und faßt ihn nachmals bei dem grind, Erseuft ihn im wasser geschwind. – Olunx schlug auch dem Zuckermund Die nas mit einem stecken wund,

Das die blutstropfen herausdrangen Und in dem bart blieben behangen. Zuckermund ward das gsicht zu kurz, Bis er vom roß herabhersturzt,

Rief laut und zeiget da sein buch, Gewunden in ein altartuch, Das er ein heilger priester wer, Man wolt doch schonen seiner er.

Olunx sprach: "Werst du beim altar, So bliebest du on all gefar, Lertest die meus beten daheim; Weil du aber wilt ein krieger sein

Und uns mit schlegen absolvieren, So muß ich dich auch degradieren Und auf solch absolution Geben dein gebürlichen lon!"

Und schlug damit ein starken streich, Vermeinet ihn zu töten gleich; Abr Zuckermund versann sich risch, Entsprang dem Olunx wie ein fisch

Und lief feld ein so gar verzagt, Als hett ihn der teufel gejagt, Das der alter gar fiel zu bodem Und hatte fast mer keinen odem,

Erholt sich doch, abr mit beschwerd, Und setzt sich auf des priesters pferd, Behielt das buch und tuch zur beut Und rückt damit über die seit. –

Der Stückeldieb der sahe dies an Und ward den fröschen heftig gram, Und verdroß ihn ser aus der maßen, Wolt es nicht ungerochen lassen,

Das sie so viel seiner gesellen Solten so nacheinander fellen, Und schmiß Dreckmannen ins gefreß, Das er niderfiel aufs geseß,

Faßt auch die stang in großer eil, Gab erst Dreckman bescheiden teil, Schoß darnach Erdfrosch grimmiglich, Das leib und leben spaltet sich

Und er da für ihm niedersank, Die seel zur hell sich hinabschwang. Der Morieck hat dies wol in acht Und wirft ein hand voll dreck mit macht

Dem Stückeldieb ins angesicht, Das er beinahe mer sahe nicht. Da ward er erstlich recht entrüst Und faßt ein stein, war groß und wüst

Gleich wie er an dem acker lage, Der bauren malstein zu sein pflage, Damit warf er zu Morieck ein Und zerbrach ihm das rechte bein,

Das er nimmer kont halten stand, Sondern zurück stürzt in den sand, Und mit ihm seiner nachbarn drei. Da erhub sich ein groß geschrei,

Ihrer viel entsprungen aus schrecken, Ihr viel warfen pfeil, stein und stecken Wie ein hagel von allen enden; Er vertraut sein harnisch und henden

Und riß hindurch on alle scheue Wie durch die hunde ein junger leue, Faßt auch den Breitfuß bei eim bein Und schlug damit zun andern ein,

Das ihn die derm an köpfen hiengen, Als wenn sie der reif wolten springen; Bis die frösch von hinten zuliefen Und ihn bei den schweinsor ergriffen,

Und Ruflaut mit der langen stang So manlich von vorn auf ihn drang, Das der lang spieß bald ganz und gar In dem bauch mit verdecket war.

Und wie er mit der starken faust Den spieß widrum auch zog heraus, Da folgt hernach das eingeweid, Zerstreut sich auf der erden breit,

Das er dafür nicht mer kont gehen, Sondern blieb unverzaget stehen, Schlug zu bodem wen er ertapt, Bis das er auch sein geist aufgab.

Was hilft die sterk, was hilft weisheit? Der tod sieget zu aller zeit.

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