"Darum hab ich oftmals bedacht, Wie got alles weislich gemacht, Wie er uns hab ein ler gegeben, Zu füren ein ordentlich leben,
Im wunderbaren volk der bienen, Die uns mit honigmachen dienen. Sie wollen nicht on herren leben, Wie fliegen und mücken umschweben,
Sondern halten alle zugleich Ein wolgeordnet königreich: Ihr könig aber ist ein held, Von der ganzen gemein bestellt;
Herlicher an leib und gestalt Denn sonst des volks gemeiner halt, Mit einem schön braunfarben kleid Von sammit und von gold bereit,
Der mit seinem angel nicht sticht, Der auch der erbeit wartet nicht, Sondern mit ernst und großem fleiß Schafft, das jeder tue sein geheiß
Und daselbst bau die wechsin wand, Da er mit seinen füßen stand. Er zeigt ihn auch bei seinem sitz Weiße medlein, ser klein und spitz,
Das sie die teilen in ihr nest, Erquicken und speisen aufs best, Daraus erziehn mer junge bienen, So zur erbeit und kriege dienen.
Und wo es einer nicht recht macht, Seins königs ansehen veracht, Findet sich die guardi bald, Die auf des königs leib bestallt,
Und strafet mit ernst den mutwillen, Das andre erbeiten im stillen. Dafür geben die bienlein ihm Den besten honig zum gewin.
Das er mit ruhe das reich besitz In seines schlosses hohen spitz, Und nicht dürf außer dem gezelt Sein speis suchen im weiten feld;
Mit solchem willen und erbieten: Wenn sie den höchsten hunger litten, Blieben sie all beim könig tot, Das er behielt das letzte brot. –
Wenn auch der könig zeucht zu feld Und seinen feinden ins land fellt, Den hornüssen, wespen, erdbienen, So im wald sein und ihm nicht dienen,
Sondern vielmer den honig rauben, Aepfel, birn, pflaum und kirschen klauben, Ja auch sein leut, so honig tragen, Wie der habicht die hüner, jagen,
Fangen, heimfuren und zerbeißen, Den honig aus ihrn leibe reißen. Wenn er derselben stet belegt, Sein gzelt für ihr festung aufschlegt,
So gibt er zwar rat und besel, Wie man beid streit und sturm anstell, Rückt auch persönlich an den stand, Da er den feind zum nechsten fand;
Das aber will sein volk nicht wagen, Das er ihn mit der faust wolt schlagen, Sondern er muß neben dem streit Still halten ein wenig zur seit
Und seine guardi bei sich haben, Die allerbesten rittr und knaben, Bis sein heer alle feind erlegt, Die toten zur festung austregt
Und algemach rein auspoliert, Nichts unsaubers gespüret wird. Darnach zeucht er mit triumph ein, Bewont die festung für die sein,
Wie David mit den steten tate, So Joab vor gewonnen hatte. Solchn auszug nimt der könig für, Wenn die holderblüt kreucht herfür
Und im dorf ruft der wiedewol: ‚Pfingsten ist da, baur, dein bier hol!‘ Wenn feld und wald voll blumen stehen, Die kriegsleut ihr proviant sehen,
Und muß on das jedes bienlein Vor auf acht tag bespeiset sein; Denn kriegn bei frost und hungersnot Ist torheit und gewisser tod. –
Wie abr der Perser ordnung helt, Das kein könig auszeucht zu feld In fremde land, ehe denn er hat Einen gesetzt an seine stat:
Also der könig seine fest Im aufzug nicht on heupt verlest, Sondern erwelt den jüngsten son, Das er bewar scepter und kron,
Die andern abr mit ihren leuten Ihm nachfolgen zu ihren zeiten, Ihr eigen haus und narung werben Und nicht beim haufen hungers sterben.
Hungr ist, über alle ander not, Der schwerst und erbermlichste tod. Wenn denn die kundschafter ankommen, Die alls in augenschein genommen,
Das wetter, straß, nachtlager, feind Und wo sie zu wonen gemeint, Von allen bringen gute mer, Selbst für den könig ziehen her,
So bricht er endlich gegn mittage, Wenn ihn die sonn freundlich ansahe, Mit einem feldgeschrei und brummen, Mit tromten, bosaunen, hertrummen
Aus seiner festung tor und haus In solcher eil plötzlich heraus, Wie ehe die griechschen helden wert Aus dem hülzen trojanschen pferd,
Das in dem zulauf und gedreng Manchem das tor war viel zu eng; Der zur pfort und fenster ausstieß, Das er sein könig nicht verließ.
Der könig abr in der luft helt, Mit fleiß die zugordnung bestellt Und folgt endlich seinem vortrabe, Ders erst lager gemessen abe.
Der vortrab zeucht auch auf und an, Bis der könig selber ankam, Blieb den mittag oder die nacht Und denn sich an die feinde macht.
Hatten die verlassen ihr fest, Nückt der könig ins ledig nest; Satzten sie aber sich zur wer, So gewan die sein mechtig her. –
Folget darauf der eltest son Nachs vatern disposition, Desgleichen der ander und dritt, Und nimt jeder sein kriegsvolk mit,
Das er zuvor drei tag und nacht Mit lermenblasen aufgebracht. Es ist ihr und ihrer leut best, Jedes volk baut sein eigen nest,
Und der jüngst regieret allein Die untertan, so übrig sein, In dem schloß, das sein erblich war Und sein vater besaß ein jar.
Wollen sie aber gar nicht weichen Und dem erbkönig sich vergleichen, Oder allein das regiment Nur haben unter ihre hend,
So klagts der erbkönig den stenden, Bitt, das sie rat, mut, faust dran wenden, Und leßt damit aufblasen lermen. Sie sind bereit, brummen und schwermen,
Vertedign ihrn herren und haus, Treiben die anfrürer hinaus Oder morden sie mit gewalt, Das ein könig das reich behalt. –
Wer aber auch der alte herr Untüchtig zur reis und zur wer, Das im krieg ein flügl oder hand Verloren wer oder verlamt,
So ziehn die stend kein junge herrn, Erhalten den alten bei ern. Und wenn das junge volk sich brüst, Hat zu aufrur und kriege lust,
Treiben sie die all aus dem land Odr schlagn sie mit gewerter hand, Damit ihr reich im frieden schweb, Bei eim könig eintrechtig leb. –
Aller fried, rat und regiment, All witz und wolfart hat ein end, Wenn sie keinen könig mer haben, Machen wedr wachs noch honigwaben,
Ziehen kein kind, halten kein wacht, Sind unter ihrer feinde macht, Bis sie all werden ausgezert, Sterben von hunger, pest und schwert.
Wie den leib das gewürm auffrißt, Wenn seel odr heupt entworden ist. Als die Hünen Deutschland verzerten, Da weder heupt noch haut sich werten. –
So lang sie abr ihrn könig haben, Sein sie mutig werhafte knaben, Das, wenn ankömt der feinde haufen, Will ihren sitz mit sturm anlaufen,
Odr die mantier und wilde beren Ihren honig wollen verzeren, Sie nicht erschrecken für den man, Sondern setzen mutig hinan
Mit ihrem ganzen hellen haufen, Das der feind schendlich muß entlaufen; Es wer denn, daß er feur einschöß. Bittern rauch in ihr augen göß,
Das sie den feind nicht könten sehen, Odr ließ sie im wasser vergehen Wie Pharao im roten mer, So wer verlorn die gegenwer. –
Sonst haben sie so großen mut, Achten ihre freiheit so gut, Das sie zu got alsamt hintraten Und ihn ganz untertenig baten,
Weil sie niemand teten ein leid Und dennoch ihre saur erbeit Ihnen so böslich würd genommen, Er wolt ihnen zum beistand kommen,
Einen scorpionstachel geben, Das, wen sie stechn, nicht bliebe leben. Aber got, dem rachgierigkeit Ser misgefellt zu aller zeit,
Flucht ihnen, das sie sterben solten, So bald sie ein erstechen wolten, Selbst stachel und leben verlieren Durch ihre rachgieriges tieren;
Welchs auch nach für und für geschicht, Welche bien sticht, die bleibet nicht. – Sie ziehen auch noch andre mer Zu besonder geistlicher er,
Zum herren- und prelatenstand, Wie die engel tronen genant, Das sie nicht sollen blumen brechen, Keinen krieg füren, niemand stechen,
Darum sie auch kein stachel haben Und sind durchaus werlose knaben, Sondern, wenn andre ziehn zu feld Und ledig lassen die gezelt
In der honigernt, oder schwermen, Sollen sie die wonung erwermen Und die junge bienlein aufbringen, Ihnen vorbeten und vorsingen,
Und im aufzug das volk ermanen, Damit es mutig flieg von dannen. Diese haben ein groß ansehen, Das sie neben dem könig gehen,
Und oft den könig unterdrücken, Mit haufen in sein wonung rücken, Wo ihre rotte wird zu groß; Und denn wird das reich königlos,
Das sie ihres singens vergessen, Im müßiggang den honig fressen, Sich mit der ander erbeit neren Und das gemeine gut verzeren.
Wie bein Persen die weisen Magen, Dies an Cambysen durften wagen. Wie der Beißkopf auch bei uns tat, Darüber wir jetzt halten rat.
Damit nun die geferlichkeit Ihrem könig nicht bring ein leid, So haben sie auch diese weis, Das, wenn nach der junkern abreis
Die geistlichen sich unterfangen Ueber den könig her zu prangen Und ihm trachten nach der kronen, Bei müßiggang laster gewonen,
Gotlos und schendlich halten haus, Sie die widrum treiben hinaus. Also beschützen sie ihr reich Den klugen mantieren geleich. –
Wie auch die kornfressigen ratzen, Wie ser auch toben alle katzen, Ihren könig und herren haben, Dem sie schatzung und ere gaben,
Darum das sein geruch und wort Sie beisam hielt am gewissen ort. – Dieser ursachen halben all Schließ ich nochmals in diesem fall,
Das uns das allerbeste sei, Wir seßen nicht so vogelfrei, Ließen auch nicht wenig regieren, Eine uneinig herschaft füren,
Sondern alles also bestellten, Das wir ein frommen könig welten, Das, wie got im himmel allein Ueber alles ein herr muß sein,
Und wie der neunte himmelskreiß Die sternen fürt nach gotts geheiß, Wie die sonne zwingt die planeten, Das sie ihr zum dienst einhertreten,
Wie der mond die vier element Allein bewegt als ein regent, Wie im heupt unser weise seel All glieder fürt in ihrm besel,
Wie all witzige creatur Einem könig gehorchet nur, Wie unter allen policeien Königreich am besten gedeihen,
Ein könig uns und unser leut Regier in fried und einigkeit. Das ist mein rat, ihr erenvesten, Got geb, das wir folgen dem besten. –
Als dieser rat auch nach der leng Erzelet war mit eim gepreng, Fieng an die ganze fröschgemein Zu rufen: Ja wol, das soll sein,
Wir wollen einen könig welen Und ihm das regiment befelen, Das alrbest ist ein königreich, Ihm ist kein policei geleich,
Das wollen wir haben und halten! So riefen die jungen und alten; Das war im rat der endabscheid. Jeder fur heim mit großer freud."
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