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Das VII. capitel.

Georg Rollenhagen

Wie sie halten also am raum, Kamen zween laubfrösch von dem baum, Zeigten an, das zur link am see Ein sonderlichs weiß kriegsvolk stehe;

Ob es freund oder feinde sein, Wer zuvor zu erkunden fein. Darauf fürst Quadrat von stund an Herunter schickt zween kluge man,

Taucher und Ködderitz mit namen, Die unterm wasser dahin kamen, Da Friedlieb mit den seinen wacht Und sein sach hielt in guter acht.

Als nun Friedlieben wacht gesehen Die fröschlein aus dem wasser gehen, Im langen gras heimlich herschleichen, Will sie nicht für ihnen entweichen,

Sondern ruckt sich auch unters gras Und verleuft ihn den wasserpaß, Greift sie endlich auch alle beid. Friedlich erfert von ihn bescheid,

Wie die frösch ihr ordnung gemacht, Wie sie zu siegen sein bedacht; Leßt auch alles dem könig sagen, Das er sich nicht so bald soll wagen

Den flüchtigen fröschen zur nachjagt, Das er nicht werd in not gebracht. Der könig antwort mit spot: "Wenn nun gegenwertig ist die not,

So will ich sein bedenken fragen; Er darf nicht unnütz sorge tragen." Das ließ Friedlieb auch so geschehen, Gedacht, wie er weislich wolt sehen,

Das er den fröschen abbruch tet Und das meusvolk aus not errett; Darum er die kundschafter mer Ließ fragen und auch plagen ser,

Bis er von ihnen allen rat Aller frösch recht erfaren hat. Insonderheit war der bericht, Die frösch wolten zum berge nicht,

Der am see gegen abend lag, Denn darauf noch am frühen tag Viel kren, geir und weihen gesessen, Als wolten sie die frösch auffressen.

Es het auch zuvor die schildwacht Gesehen in die dritte nacht Vom berg abstürzen viel feurflammen, Dabei ein großes volk beisamen

Unsichtlich auf einander rant, Das erbebet das ganze land. Darum hielten sie alzumal Unten am berg im raumen tal,

Alda der see zur linken stand, Aber der berg zur rechten hand, Daher auch hernach weht der wind Und die sonn am abend verschwindt;

Da wolten sie des feindes warten Und mit ihn wechseln die helbarten. – Indes kamen die meus heran Unzelig viel der kleinen man,

Zogen von morgen nach mittag, Zu versuchen diesen vorschlag, Wie sie von da konten fortrücken, Die sonn behalten auf dem rücken,

Den berg zur linken gegen den wind, Das man sie nicht umringen künt, Das sie von der höh füren abe, Den feind umliefen in eim trabe.

Den vorteil doch die frösch nicht gern Auf ihrer seit wolten entbern, Durften doch nicht den berg angehen, Auf dem sie bös zeichen gesehen,

Wankten derhalben hin und her, Zu warten, wies am besten wer. – Bis das der meuskönig absandt An den see zur frösche stand

Ein trommeter, ein edlen knaben, Ließ auch sechs trabanten mittraben, Zu fragen, was Bausback gemeint Mit denen, so hernach vom feind

Gefenglich wurden angenommen, Obs blut gült oder rantionen; Denn wie er wolt, so solt es sein, Die wal wolt er ihm reumen ein.

Die frösch riefen: "Hie ist kein gnad, Den tod jeder zu gewarten hat; Er werd geschlagen oder gefangen, Er sol ersaufen oder hangen!"

"Wolan, so gilts widrum also", Sprach der knab und ward herzlich fro, Das er ungerauft von ihn kam; Sein ritt er wider zurück nam

Und seinem könig bracht bericht. Der sprach: "Es soll dem bösewicht In ein par stunden bald gereuen! Mit worten laß ich mich nicht scheuen;

Der am meisten pocht, derselb kroch Gemeinlich zum ersten zu loch." – Damit ward des staubs immer mer, Als wenns ein dicker nebel wer,

Und zog ein jeder haufen fort, Erwelet zu der schlacht den ort; Gleichwie der Römer Pompejus Und sein schweher der Julius

Ehemals auch gegen ander ranten, Damit die ganze welt umwandten. Die frösch rückten vom wasser her, Als wenns der Moses selber wer

Und von neuem auf gottes befel Durchs mer fürt das volk Israel, Da man, weib, kinder, vieh mitliefen, Wunderlich durch einander riefen.

So machten sie ein lerman auch, Wie die kren halten den brauch, Wenn sie im herbst den abend spet Auf den techern welen die stet,

Das jede sitzt bei ihren man, Den sie an der stimm kennen kan, Und denn mit großem gschrei und krachen Sich des abzugs halben besprachen.

Die meus aber giengen gar still Und machten des lermans nicht viel, Rauschten nur heimlich mit den weren Gleich wie die wachsende korneren,

Wenn sie der wind herniderschlegt Und der strohalm wider aufregt, Welchs gleich in solchem anblick fellt, Als wenn da lebt das ganze feld.

Denn wo man die augen hinwandt, Da lebt und bebt das ganze land, Das auch die vogl, so ungefer Am selben ort zogen daher,

Dafür sich entsatzten dermaßen, Das sie ihr reis musten verlassen, Und aus dem nechsten wald mit grauen Diesem wunderhandel zuschauen.

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